Beim Trecker-Treck kämpften kraftvolle Kolosse

Christian Consten
Am Sonntag fand der Trecker Treck der Landjugend Brünen statt. Foto: Gerd Hermann
Am Sonntag fand der Trecker Treck der Landjugend Brünen statt. Foto: Gerd Hermann
Foto: Gerd Hermann

Hamminkeln. In Bauernregeln kommen nicht immer nur Hähne, Misthaufen oder die Wetterlage vor. „Es gibt da so ein Sprichwort: Hubraum ist nur durch Hubraum zu ersetzen“, erklärt André Seggewiß; will sagen: Es kommt beim Trecker nicht vorrangig auf PS an.

Die NRZ durfte dem 19-Jährigen von einem Hof in Rhede-Krommert vor dem Start beim gestrigen 5. Brüner Trecker Treck über die Schulter gucken.

Wie ein Boxer vor dem Fight ist sein Kraftprotz für den Lauf in der 5,5-Tonnen-Klasse eingewogen. 850 Kilogramm Ge­wichtscheiben „im Na­cken“, die auf die Achse drücken. Sechs Zylinder. Der 1970 gebaute Trecker mit seinen 75 PS ist vielleicht nicht so „fit“ wie seine jüngere Konkurrenz, aber ein eingespieltes Team aus Fahrer und Trecker macht manches wett. Luft aus den Reifen lassen - hier verbessert das den Griff. Ein knapper Zentimeter Reifenprofil gilt als optimal.

Auch aus Holland

Für den Veranstalter, die Brüner Landjugend, waren die vielen Anmeldungen eine positive Überraschung. Hatte man auf 70 gehofft, wurden es am Ende über 120, auch aus den Bereichen Haltern oder Gronau, ebenso einige Holländer. 40 Aussteller zeigten moderne landwirtschaftliche Großfahrzeuge; dazwischen reihten sich alte „Schätzchen“ vergangener Jahrzehnte.

Auch die Zuschauerzahl auf dem Feld an der Kreuzung Zum Voshövel/Borkener Straße zog deutlich an. Und endlich hatte man mit dem Wetter wieder Glück.

Viele Hundert Zuschauer umdrängen vor allem die Fläche in der Mitte, wo die Entscheidungen fielen. Wolfgang Hegering und Rüdiger Neuenhoff moderierten den Wettbewerb in zehn Gewichts-Klassements zwischen 3,5 und 15 Tonnen, jeweils in Standard- oder „getunter“ Sportausführung, „gewöhnlichere“ Traktoren und richtige PS-Monster, die dichten schwarzen Rauch aus dem Rohr blasen.

Experten kennen Tricks

Für André Seggewiß kommt’s jetzt drauf an. Sein Trecker wird an den großen Bremswagen angekettet, den er ziehen muss, und zwar über die ganzen 100 Meter, um im Stechen zu bleiben, bis auf der fortlaufenden, zentimetergenauen Anzeige am Bremswagen „FP“ für „Full Pull“ erscheint. Es geht langsam voran. Aber das ist in Ordnung, Gleichmäßigkeit ist wichtig. „Manche Experten schauen sogar nach, ob der Boden unter den Reifen rechts und links gleich trocken ist“, hatte Seggewiß noch erzählt. Dann könne man, außer gegenzusteuern, noch mit Einzelradbremsen arbeiten. 30 Meter, 35 Meter, der Bremswagen schiebt obendrauf seinen Gewichtsblock immer weiter vor und erhöht den Widerstand, die Unterseite gräbt sich in den Ackerboden. Der Traktor zieht noch mal, verlangsamt sich weiter, die Räder drehen durch - Ende. 39,72 Meter, mehr nicht. Runter von der Piste. Ein Trecker mit Glätt-Fahrzeug trägt die Spuren der Anstrengung schon wieder ab. „Für die Leistung ist das Ergebnis in Ordnung“,meint Seggewiß. „Der Trecker da drüben fuhr vor mir, hat 115 PS – und kam auch nur acht Meter weiter.“ Und er kann sich nun ein Bierchen genehmigen. Wer raus ist, muss nicht mehr fahren.