Ausschuss stimmt Windrädern zu

Die Windräder in Gahlen.
Die Windräder in Gahlen.
Foto: WAZ FotoPool
Planungsausschuss stimmte neuen Konzentrationszonen in Lühlerheim und Rüste zu

Schermbeck..  Angst vor Lärmbelastung und Elektrosmog? „Unbegründet“. Sorgen um den Werteverlust der Immobilien? „Unbegründet“. Ebenso Bedenken wegen der „bedrängenden Wirkung“ durch die großen Windkraftanlagen ein paar hundert Meter vor der Haustür. Nach einer kurzen Debatte im Plenum und einigen Einwänden durch BfB und CDU einigte sich der Planungsausschuss gestern: In Lühlerheim und Rüste sollen neue Windkraftanlagen entstehen, die Altzonen in Gahlen werden minimal erweitert. Somit sind in Schermbeck bald über hundert Hektar für die alternative Energiegewinnung reserviert.

Offenbar hatte man auch bei der Verwaltung mit einem größeren Bürger-Interesse gerechnet. Etliche Stuhlreihen waren aufgestellt. Aber nur rund 25 Besucher kamen zur Sitzung. Dies deckt sich mit der Eingangsfeststellung der Planer vom Büro Wolters-Partner: Seitens der Öffentlichkeit seien 14, von den Behörden 13 Stellungnahmen eingegangen. Das sei wenig. In anderen Gemeinden hätte man mehr Einwände bearbeiten müssen.

Die dargestellten Sorgen überschneiden sich in den Gebieten, die als Windenergieflächen auserkoren wurden - in Rüste 46,8, in Lühlerheim 36,9 Hektar. Genug Platz für jeweils mindestens drei große Windkraftanlagen, wobei die Ausführung nicht mehr in den Händen der Planer liegt. In der dicken Sitzungsunterlage waren alle Einsprüche teils anonymisiert abgedruckt - Sorgen, die von Gesundheitsbeeinträchtigungen über Belange der Natur bis zu einem Verlust der Erholungsqualität reichen. Alle wurden abgewiesen.

Vom Tisch sind die untersuchten Flächen in Overbeck und Lichtenhagen. Hier greifen artenschutzrechtliche Bedenken. Gearbeitet werden soll dafür auch an den drei Gahlener Altanlagen am Krumme- und Brömmelweg. Sie stehen nach heutigem Recht zu dicht an den Grenzen der Konzentrationszonen. Nun gilt es, die Randbereiche geringfügig zu erweitern, so dass auch die Rotoren komplett in den Zonen liegen. Dann wäre ein Repowering möglich, also eine Kraftwerkserneuerung durch das Ersetzen alter Teile.

So ging es letztlich um Modalitäten wie eine Gewährleistung der ohnehin zaghaften Internetverbindung in den betroffenen Gebieten und die Forderung um modernste Anlagen, die nicht Tag und Nacht befeuert werden, also blinken. Vergeblich diskutierte die CDU für eine Erweiterung des Abstands von 450 Metern auf 600 Meter für einige Wohnhäuser am Lippeweg - das Argument: Es handele sich nicht um eine Siedlung, sondern um Einzelgebäude im Außenbereich. Also um eine andere Situation als etwa beim Lühlerheim, dem als Wohnsiedlung 800 Meter Abstand zu den Windrädern zustehen. Und überhaupt warnte Michael Ahn vor einer „Verhinderungsplanung“. Mit einer Verringerung der Konzentrationszonen öffne man einer ungelenkten Aufstellung Tür und Tor. Dies ließe die Gesetzgebung zu. Im Gegensatz zu Ländern wie Hessen, die einen Mindestabstand von 1000 Metern zu Windkraftanlagen festgelegt hätten, habe NRW diese Möglichkeit nicht genutzt. „Und Sie sind kein gallisches Dorf.“

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