Auf ein Neues

Julia Müller
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Wesel.  So anmutig ihr französischer Name auch klingt – die Esplanade ist in die Jahre gekommen. Dass sich an der Straße, die einst zum inneren Ring Wesels gehörte, im Abschnitt zwischen Kreuzstraße und Norbertstraße dringend etwas tun muss – darüber waren sich in der Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung alle einig. „Wir haben mit großer Mannschaft vier Monate lang an den Plänen gearbeitet“, sagte Michael Blaess zur Einstimmung. „Alle Ingenieure im Haus, die Stadtwerke und der Bauverein waren beteiligt."

Allerdings ist ein solch großes Team noch kein Garant dafür, dass die Ideen zur Umgestaltung am Ende auch allen gefallen. Die Stadtentwicklungsexperten der Fraktionen jedenfalls waren nach der Vorstellung des Konzepts, das die Planer im Rathaus zu Papier gebracht hatten, in großer Mehrheit nicht begeistert.

Die Kernpunkte der angedachten Umgestaltung: Nach den Vorstellungen der Stadtplaner würde die Esplanade eine völlig neue Struktur bekommen. Statt des breiten Grünstreifens, den sie jetzt noch hat, könnte sie in der Mitte einen durch Bäume aufgelockerten Parkstreifen bekommen, der aus beiden Fahrtrichtungen angesteuert werden kann. Der „Beidrichtungsradweg“ würde ersetzt durch jeweils 2,50 Meter breite, rot gekennzeichnete Streifen auf der Straße.

Außerdem ist im Bereich Esplanade/Magermannstraße ein Kreisverkehr geplant. Und: Der Parkplatz im Bereich der Norbertstraße soll zum Treffpunkt mit Bocciabahn umgestaltet werden. „Durch das Grünband mit den Stellplätzen wird die gesamte Esplanade eine viel klarere Struktur bekommen“, erklärte Blaess die Pläne. Wo die Autos jetzt kreuz und quer zu parken scheinen, sollte es künftig geordneter und ansehnlicher zugehen. Auch, um die „Aufenthaltsqualität“ zu steigern.

Keine neuen Radwege

So weit die Theorie. In die Praxis möchten die meisten Ausschussmitglieder die Vorschläge der Verwaltung allerdings nicht umsetzen. Lediglich Jürgen Lantermann (WfW) lobte mit kleinen Einschränkungen: „Uns gefallen die Pläne ausgezeichnet.“

Das sahen die anderen anders: „Ihre Planung überzeugt so nicht“, sagte Karlheinz Hasibether (SPD). Dem Architekten stieß vor allem negativ auf, dass der für die Esplanade so markante Grünstreifen weichen soll. „Sie sprechen von einem neuen grünen Band, aber tatsächlich sind das doch nur Parkplätze“, kritisierte er. Und: „Wir brauchen keinen neuen Radweg. Da hier Tempo 30 geplant ist, können die Radfahrer doch auch auf die Straße.“

Das sah auch Ulrich Gorris von den Grünen so. „Warum wollen Sie denn Fußgänger- und Radweg trennen. Das verringert doch die Größe der Grünflächen.“ Dennoch betonte der Grünen-Politiker: „Wir sollten die Esplanade auf jeden Fall angehen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn was dort jetzt ist, ist alles andere als schön.“

Mit der Entscheidung, wie eine schönere Esplanade denn aussehen könnte, müssen sich die Politiker allerdings sputen. Denn die Förderanträge für das nach jetziger Planung 2,9 Millionen Euro teure Projekt müssen bis zum 30. November eingereicht werden.

Das heißt: Die städtischen Planer müssen zügig ran an die Arbeit. Auf ein Neues! Der Ausschuss beauftragte sie zu einer Alternativplanung. Die Änderungswünsche hat die SPD in einem neuen Antrag festgehalten. Es geht unter anderem darum, die Baukosten von 2,9 Millionen Euro zu senken, so dass auch die Belastung der Anlieger geringer wird. Also: Kein Kreisverkehr, keine anderen Radwege, kein neuer Parkstreifen in der Mitte. Von der Sandstraße bis zur Kreuzstraße und von der Magermann- bis zur Leipziger Straße soll die Esplanade behutsam saniert werden. Lediglich von der Leipziger Straße bis zur Norbertstraße soll sie komplett neu geplant werden – mit ausreichend Parkraum für die Anwohner. Der Beidrichtungsradweg soll erhalten bleiben.

Im November wird es eine neue Sondersitzung geben und auch ein Bürgergespräch ist geplant.