Ansturm bei der Bürgersprechstunde

Musste viele Fragen Hamminkelner Bürger beantworten: Projektleiter Stefan Ventzke.
Musste viele Fragen Hamminkelner Bürger beantworten: Projektleiter Stefan Ventzke.
Foto: Johann Ridder WAZ FotoPool

Hamminkeln.  Mehrhooger nutzten den Termin mit dem Projektleiter der Bahn AG für den Betuwe-Ausbau im Rathaus.

Kornelia Schöttler ist richtig sauer. Die Mehrhoogerin hat sich gemeinsam mit ihren Nachbarn zur Bürgersprechstunde der Deutschen Bahn in Sachen Betuwe-Ausbau ins Hamminkelner Rathaus aufgemacht. Doch das Gespräch mit dem Projektleiter der Ausbaustrecke Emmerich-Oberhausen ist für die Anwohnerin an der Bahnstrecke völlig unbefriedigend verlaufen. „Das hätten wir uns sparen können“, lautete denn auch ihr Resümee, dem sich Lieselotte und Lothar Hülsmann sofort anschlossen.

Die drei Mehrhooger wohnen am Frietenweg und hatten zum Gespräch mit dem Vertreter der Bahn alte und neue Pläne zum Betuwe-Ausbau mitgebracht. Auf der Skizze für den Mehrhooger Planungsabschnitt aus dem Jahr 2008 erkennt man im Bereich des Frietenweges in Verlängerung des geplanten Schallschutzes (vier Meter hoch) noch eine zwei Meter hohe Schallschutzmauer. Im Plan von 2010 ist diese Mauer nicht mehr vorhanden.

„Das ist doch jetzt schon so laut, dass man bei geöffnetem Wohnzimmerfenster nicht Fernsehen gucken kann, weil der Ton nicht mehr zu hören ist“, schildern Lieselotte Hülsmann und Kornelia Schöttler. Doch nicht nur tagsüber sei es laut. Vor allem in der Nacht sei deutlich spürbar, dass die Zugfrequenz zunehme. „Alle drei bis fünf Minuten fährt ein Zug“, versichern die Hülsmanns. Bis zu 55 Waggons haben sie an einem der zahllosen Güterzüge gezählt. Lieselotte Hülsmann könnte auch mit einer hohen Schallschutzmauer leben: „Dann hab’ ich wenigstens meine Ruhe.“

Die Anwohner des Frietenweges gehören zu einer ganzen Reihe von Bürgern, die gestern das Angebot der Deutschen Bahn zu einer Sprechstunde „in allgemeinen als auch speziellen Fragen, zum Beispiel zu einzelnen Grundstücken“ in Anspruch nahmen. Rasch bildete sich vor dem kleinen Tisch im Rathaus-Foyer, an dem Projektleiter Stefan Ventzke als Ansprechpartner Platz genommen hatte, eine Warteschlange. Ein bisschen mehr Privatsphäre hätten sich Peter Werner und Marlies Arnold gewünscht. Die beiden Mehrhooger Ratsmitglieder wollten ebenfalls den Termin zu Fragen nutzen, fanden es jedoch sehr unglücklich, dass die Gespräche nicht in einem abgeschlossenen Raum stattfanden.

Mit so vielen Interessenten habe man gar nicht gerechnet, erklärte gestern Bahnsprecherin Andrea Brandt. „Es war das erste Mal, dass wir einen solchen Andrang hatten. 20 Gespräche sind geführt worden.“ Zwischenzeitlich wurde auch eine Liste geführt, damit jeder an die Reihe kam. Am Donnerstag hätten zwar alle Bürger freundlicherweise einen Diskretionsabstand gehalten, doch zum zweiten Termin im Hamminkelner Rathaus wolle man versuchen, einen Besprechungsraum zu bekommen, kündigte die Sprecherin an.

Das zweite Gesprächsangebot der Bahn gilt für Donnerstag, 9. August. Die Uhrzeit wird noch festgelegt. Einen solchen zweiten Besuch werden Lothar und Lieselotte Hülsmann und Kornelia Schöttler nicht wahrnehmen. Die drei haben sich schon gestern „nicht ernst genommen gefühlt“, wie sie schilderten. „Alles wirkte wie schön auswendig gelernt“, bewerteten sie die Antworten des Projektleiters. Die Anwohner des Frietenweges werden im bevorstehenden Planfeststellungsverfahren ihre Einsprüche geltend machen, kündigten sie an, als sie das Rathaus verließen.

 
 

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