Alt-Wesels letzter Tag

„Wir wollen Wesel schonen,

wenn ihr die Brücken räumt,

und wollen Antwort haben,

sofort und ungesäumt!“

So funkte uns der Tommy,

da sprach der Kommandant:

„Ich weiche nicht und wanke

und halte trotzig Stand:

Die alte Festung Wesel

blieb Festung wie zuvor;

der Rhein ward Deutschlands

Grenze und Wesel Deutschlands

Tor!“

Und als der Tag gekommen

um Mitte Februar,

da wurde schwarz der Himmel,

der vorher blau und klar;

da wurde schwarz der Himmel

vom Feindesbomberheer,

Es schlugen Drei die Uhren,

und dann schlug keine mehr.

Da sank in Schutt und Trümmer

die alte, gute Stadt;

nun gleichen wir dem Wandrer,

der keine Heimat hat.

Der Fremde gibt uns Lager,

so wie er eben denkt:

wir lernten bittre Gänge,

und wie man zögernd schenkt.

Wir wollen nicht mehr bitten,

wir fordern unser Recht;

sind andre denn die Herren,

und wir nur Magd und Knecht?

Was andere verbrochen,

und was sie sich erkühnt,

das haben wir mit Elend

und teurem Blut gesühnt.

So helft uns wieder bauen

die liebe, treue Stadt:

Wir sind der Bettelsuppen
und kalter Fremde satt!

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