Als die Spanier Wesel einnahmen

Ludwig Maritzen berichtete von der Zeit der Spanier in Wesel.
Ludwig Maritzen berichtete von der Zeit der Spanier in Wesel.
Foto: WAZ FotoPool / Gerd Hermann
Stadtführer Ludwig Maritzen lud zu einer Zeitreise ein. Vor 400 Jahren herrschten in der Stadt nach einer Belagerung Not und Chaos

Wesel..  400 Jahre ist es her, dass die Stadt Wesel von den Spaniern eingenommen wurde. Aus diesem Anlass lud die Hansegilde zu einer Stadtführung ein, bei der die Teilnehmer von Stadtführer Ludwig Maritzen viel Spannendes über die Spanische Eroberung erfuhren.

Eingenommen werden konnte die Stadt unter anderem deshalb, weil die Frage der Herrschaft 1614 strittig war, erklärte Maritzen. Wesel war Teil des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg, dessen Herzog Johann Wilhelm 1609 kinderlos verstorben war. So stritten gleich mehrere Adelige um die Nachfolge, Hauptkonkurrenten waren der Kurfürst von Brandenburg, Johann Sigismund, und der Herzog von Pfalz-Neuenburg. Pfalz-Neuenburg war katholisch und suchte Unterstützung bei den ebenfalls katholischen Spaniern. So wurde es nicht nur ein Erbfolgestreit, sondern ebenfalls ein Streit um Religion. „So ein Durcheinander, wie zu den Zeiten der Spanier hatten wir hier sonst nie“, erklärt der Stadtführer weiter.

Die Spanier hatten bereits den südlichen Teil der Niederlande besetzt und mehrfach ein Auge auf Wesel geworfen. „Die Stadt war einfach zu bedeutend“, weiß Stadtführer Maritzen. Als Teil der Hanse war Wesel reich geworden, war nach Köln die zweitgrößte Stadt am Rhein und verkehrsgünstig in der Mitte des Herzogtums gelegen. Am 5. September 1614 wurde die Stadt dann von den Spaniern eingenommen.

Zu sehen ist davon heute zwar nichts mehr in der Innenstadt, Ludwig Maritzen beschrieb die damaligen Verhältnisse aber so lebendig, dass Teilnehmer sie sich gut vorstellen konnten: „Zwischen Tiefgarage und Dom stand der Pranger“, wusste er zu berichten, das Gefängnis sei am Viehtor gewesen.

Lebensmittelmangel

Der Stadtbevölkerung ging es während der Zeit der Spanier immer schlechter. Der Handel wurde blockiert, es kam zu Lebensmittelmangel und Krankheiten. Während ihrer Herrschaft versuchten die Spanier, Wesel wieder katholisch zu machen. Auch erhoben sie willkürlich Zölle und verstießen immer wieder gegen die in der Kapitulationsurkunde festgehaltenen Vereinbarungen. Darin stand zum Beispiel geschrieben, dass nie mehr als 1000 spanische Soldaten in der Stadt sein durften, tatsächlich waren es aber viermal so viele.

15 Jahre dauerte dieser Belagerungszustand an. „1629 war die spanische Zeit vorbei, dann wurde Wesel holländisch“, weiß der Stadtführer.

 
 

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