Wesel. Schmerz - plötzlich ist er da, ein Warnsignal dafür, dass im Körper etwas nicht stimmt. Doch was ist, wenn sich der Schmerz verselbstständigt, längere Zeit andauert, seinen Warncharakter verliert und zum Dauerzustand wird? Der Schmerz und seine Therapiemöglichkeiten stehen im Mittelpunkt der NRZ-Telefonaktion, bei der sich am kommenden Mittwoch, 24. Oktober, von 17 bis 18.30 Uhr, Heinz-Joachim Lemm und Dr. Joachim Große als Experten den Fragen unserer Leser stellen.
Die Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen hat in den vergangenen 100 Jahren eine bedeutende Entwicklung erfahren. Wurden anfangs des letzten Jahrhunderts noch mit Lachgas, Morphium und Opium gefährliche Gratwanderungen bei der Bekämpfung des Schmerzes unternommen, so wird heute das Schmerzempfinden auf unterschiedlichste Weise beeinflusst. Neben klassischen schulmedizinischen stehen auch ergänzende alternative Möglichkeiten wie beispielsweise die Akupunktur auf vielen Behandlungsplänen.
Nicht wie Blutdruck zu messen
In Deutschland leiden täglich Millionen von Menschen unter Schmerzen. Laut einer aktuellen Erhebung sind es vor allen Dingen Rücken-, Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen, die die Bundesbürger plagen. Leider kann man den Schmerz nicht wie Blutdruck oder Puls messen. Deshalb bedienen sich die Experten einer so genannten Schmerzskala, auf der der Betroffene seinen subjektiv empfundenen Schmerz darstellen und eine Verlaufskontrolle führen kann. Dieses Instrument ermöglicht einen genaueren Behandlungsansatz und hat damit positiven Einfluss auf den Heilungsverlauf.
Eine effiziente Schmerztherapie bewirkt eine Verbesserung der Lungenfunktion durch eine ungestörte Atmung, stärkt die Abwehrkräfte durch die nachhaltige Verbesserung des Wohlbefindens und ermöglicht gerade nach einer Operation eine frühe Mobilisierung. Wer keine oder nur wenig Schmerzen hat, bewegt sich früher - Komplikationen wie Thrombosen, Embolien oder Lungenentzündungen lassen sich besser vorbeugen.
Unsere Experten
Unsere Experten am NRZ-Telefon sind: Dr. Große, Chefarzt der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin am Evangelischen Krankenhaus Wesel. Sein Spezialgebiet ist die Schmerzbehandlung vor, während und nach einer Operation. Vor jedem chirurgischen Eingriff bespricht der Narkosefacharzt die verschiedenen Möglichkeiten der Anästhesie und Schmerzausschaltung und klärt über deren Vor- und Nachteile auf. Heute stehen moderne, individuell dosierbare Medikamente zur Verfügung, diese können in Tablettenform, als Tropfen, örtliche Betäubung oder Infusion als Schmerzmittel gezielt eingesetzt werden. Neuartige Methoden erlauben dem Patienten selbst, sich seinem Bedarf entsprechend, die gut verträglichen Mittel über eine „Schmerzpumpe“ zu verabreichen. Auch gezielte Blockaden einzelner Nerven an Beinen, Armen oder an der Wirbelsäule durch Lokalanästhetika sind Methoden, um Schmerzarmut zu gewährleisten.
Heinz-Joachim Lemm ist niedergelassener Schmerztherapeut im Visalis Ärztehaus und betreut als einer der leitenden Ärzte die Palliativstation im Evangelischen Krankenhaus. Sein Schwerpunkt ist die Behandlung chronischer Schmerzen und die Tumorschmerztherapie. Neben medikamentösen Therapien bietet der Mediziner auch spezielle Blockade-Techniken (Spritzen) sowie Schmerzpumpen, aber auch alternative Verfahren wie Akupunktur an.