135 neue Lebensretter

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Wesel.  „Wie lange dauert es in Wesel, bis ein Krankenwagen da ist“, fragt Notarzt Dr. Joachim Große die Schüler der Klasse 7e des Konrad-Duden-Gymnasiums (KDG) und gibt wenig später gleich selbst die Antwort: „Etwa sieben bis zehn Minuten.“ Das klingt zwar schnell, führt aber trotzdem zu einem Dilemma: Bereits drei Minuten nach einem Herzstillstand wird das Gehirn nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt – es treten unwiderrufliche Schäden auf.

Und genau in dem Punkt erkennt jeder Schüler, weshalb die Mediziner in der „Woche der Wiederbelebung“ in die Lehrerrolle geschlüpft sind und versucht haben, die Jugendlichen fit für einen Notfall zu machen. Denn bei einem Herzstillstand muss unbedingt bis zum Eintreffen des Arztes versucht werden, den Kreislauf „wenigstens ein bisschen aufrechtzuerhalten“, wie es der Chefarzt der Anästhesie formuliert. Er und seine Kollegin Dr. Anja Bongwald unterrichteten gestern und vorgestern insgesamt 135 Siebtklässler des KDG in Reanimation und Wiederbelebungsmaßnahmen – theoretisch und natürlich auch praktisch.

Hintergrund der Initiative der Anästhesisten vom Evangelischen Krankenhaus Wesel ist, dass Deutschland mehr geschulte Ersthelfer braucht, denn die aktuelle Bilanz ist alarmierend. Schätzungsweise sterben hierzulande 5 000 Menschen jährlich, weil Anwesende nicht helfen – das soll sich jetzt ändern. Dass es viel zu wenige Bundesbürger gibt, die im Ernstfall wirklich Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen, untermauert der Weseler Notarzt mit Zahlen: „Die Quote von etwa zehn Prozent ist relativ schlecht – in den skandinavischen Ländern ist das mit 40 bis 70 Prozent deutlich besser.“

Deshalb wurde jetzt bei Schülern der siebten Klassen angesetzt. „Die Schüler in diesem Alter sind an diesem Thema sehr interessiert. Je früher man die Hemmschwelle zu helfen überwindet, umso besser“, ergänzt Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott.

Herzdruckmassage erprobt

Tatsächlich fragen die Mädchen und Jungen der Klasse 7e den Notärzten „Löcher in den Bauch“. Zunächst noch etwas verunsichert, dann aber doch mit dem nötigen Ernst ließen sie sich auch praktisch schulen, wie man Leben retten kann. Natürlich übten sie auch, wie man einen Notruf absetzt, dann legten Elaine und Lena an der Plastikpuppe „Anne“ Hand an und probten die Herzdruckmassage. „Ist ganz schon anstrengend“, stellte Lena fest und ergänzte: „Aber gut zu wissen, wie es geht!".

Ganz am Ende des Workshops gab’s für jeden der 135 hilfsbereiten Gymnasiasten eine Bescheinigung, dass sie zum Lebensretter ausgebildet wurden.

 
 

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