Zum Abschied gibt es Meerschweinchen

Christopher Prange berichtet begeistert von seinem Friedensdienst-Jahr in Ecuador.
Christopher Prange berichtet begeistert von seinem Friedensdienst-Jahr in Ecuador.
Foto: WP
Christoph Prange aus Hirschberg arbeitete ein Jahr lang im Auftrag von Pax Christi im südamerikanischen Ecuador. Der 20-Jährige unterrichtete dort an einer Schule und half in einem Altersheim aus. Ein paar skurrile Anekdoten inklusive.

Hirschberg..  Nach dem Abitur mal etwas anderes machen, bevor es an die Universität geht. „Den Horizont erweitern“, wie Christopher Prange selbst sagt, das nehmen sich einige junge Menschen vor.

Wenige finden das neue Ende ihres Horizontes aber in gut 10 000 Kilometern Entfernung zum Heimatort, so wie Christopher Prange. Einige Hirschberger waren ins Pfarrheim gekommen, um dem Erfahrungsbericht des jetzigen Studenten gespannt zu lauschen.

Umgeben von sechs Vulkanen

Prange wandte sich nach dem Abitur an die katholische Friedensbewegung Pax Christi, die ihn nach Südamerika, genauer gesagt nach Ecuador schickte. „Es war quasi totaler Zufall, dass es nach Ecuador ging“, berichtet der 20-Jährige.

Er war einer von sechs Freiwilligen, die im Auftrag von Pax Christi nach Lateinamerika gingen. Nach einer 18 Stunden langen Reise über Miami und Ecuadors Hauptstadt Quito war er endlich in Riobamba angekommen. Einer Stadt in den Anden, umgeben von sechs Vulkanen, in der 135 000 Menschen leben. Eine Stadt, die von nun an für ein Jahr seine Heimat war.

Er selbst sieht seine Reise nicht als Entwicklungshilfe, sondern als Friedensdienst, als kulturellen Kontakt mit den Menschen an. Dazu musste er aber erst einmal fließend Spanisch sprechen. Mit einigen Vorkenntnissen aus der Schule dauerte es lediglich drei Monate, bis er sich problemlos mit den Ecuadorianern unterhalten konnte.

Angriff der Straßenhunde

Sein Bericht strahlt eine große Faszination für seine zweite Heimat aus. Er erzählt voller Enthusiasmus von den skurrilen Eindrücken und von seiner Arbeit in dem südamerikanischen Land.

Eine Geschichte handelt von unterhaltsamen Busfahrten. Während der Busfahrer sich die Arbeitszeit, ohne zu viel auf den Verkehr zu achten, mit Kreuzworträtseln verkürzte, erfreute sich der Friedensdienstler an den ausgiebigen Produktpräsentationen. Einheimische priesen ihre CDs, Gemüse und Sonnencreme während der Fahrt an und versuchen sich ein paar Dollar dazuzuverdienen.

Ein anderes Erlebnis dreht sich um die Straßenhunde, von denen eine Vielzahl durch die Städte streunt. Nicht alle davon sind den Menschen freundlich gesonnen. Eine einfach Lösung für das Problem gab es aber auch: „Wenn man attackiert wird, tut man so als würde man einen Stein aufheben. Und wenn man Glück hat, dann haut der Hund ab“, wurde ihm eine Technik zur Hundeabwehr beigebracht.

Fußball mit Atemmaske

Auch er konnte sich mit Lehrstunden bei den Einheimischen revanchieren. Sein Friedensdienst führt ihn als Lehrer an eine Schule. Von der 2. bis zur 7. Klasse unterrichtet er Englisch und Sozialkunde. Die Kinder haben schnell Vertrauen zu dem fremden Weißen, kommen mit ihren Problem zu ihm und erzählen ihm, was sie bedrückt.

Während seiner Arbeit in einem Altenheim lernt er auch eine große Leidenschaft der Einheimischen kennen: „Beim Tanzen geht der Ecuadorianer auf“, sagt er. Das ziehe sich durch alle Altersschichten.

Auch Fußball spielt er mit den alten Menschen – nach einer Vulkanaktivität auch mal mit Atemmaske. Wenn nach einer Nacht voller Rauch und Donner so viel Asche von dem Vulkan in die Luft geschleudert wurde, dass am nächsten Tag gefegt werden musste.

Wortwörtlich „heilige Nacht“

Die Gottesdienste sind reger als in Deutschland. „Es wird getanzt und geklatscht“, berichtet Prange. Und Weihnachten nehmen die Ecuadorianer wörtlich. „Heilige Nacht“ heiße es doch, deswegen komme auch erst um Punkt Mitternacht das Festessen auf den Tisch. Viel Fleisch, denn so mögen sie es.

Zum Abschied wurde Christopher Prange noch eine echte ecuadorianische Delikatesse kredenzt: Meerschweinchen. Am Stück und mit Innereien. Das war allerdings etwas, wofür er sich nicht wirklich begeistern konnte. Sein Urteil: „Da ist nichts dran und außerdem ist es sehr knorpelig.“

Nach seiner Heimreise hatte Prange den Kulturschock schnell überstanden: „Da wegzumüssen war der größere Schock für mich.“ Jetzt ist er auf der nächsten Reise in seinem Leben. Diesmal aber nur nach Hannover, zum Geografie-Studium.

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