Zigarette im Gesicht ausgedrückt: Warsteinerin verurteilt

Eine Zigarette stand im Mittelpunkt des Gerichtsverfahrens:
Eine Zigarette stand im Mittelpunkt des Gerichtsverfahrens:
Foto: Oliver Berg
  • Eine Warsteinerin ist wegen Körperverletzung zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden
  • Sie hatte einer anderen Frau eine brennende Zigarette ins Gesicht gedrückt
  • Bis zuletzt steht Aussage gegen Aussage, doch das Gericht ist überzeugt

Warstein..  Kleine Brandwunde, großes juristisches Nachspiel – nach insgesamt vier Verhandlungstagen ist am Dienstag eine 50 Jahre alte Warsteinerin wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Am frühen Morgen des 6. Dezember hatte sie einer anderen Frau vor einer Kneipe in Warstein eine Zigarette ins Gesicht gedrückt.

Die Geschädigte und ihre 40-jährige Freundin legten dar, dass die Provokationen von der Angeklagten ausgingen. So habe sie ein Getränk über das Essen der 40-Jährigen gekippt. Die Angeklagte und ihr Ehemann behaupteten hingegen, dass die Beschimpfungen von der anderen Seite ausgegangen seien.

Am gestrigen letzten Verhandlungstag sollte unter anderem der Wirt für Klarheit sorgen, der vorherige Ladungen mehrfach ignoriert hatte. Er bestätigte wechselseitige Provokationen. Den Vorfall, der zur Brandwunde führte, hatte aber auch er nicht bemerkt.

Die Geschädigte warf der Angeklagten vor, ihr vor der Kneipe die Zigarette aus der Hand genommen und das glühende Ende gegen den Unterkiefer gedrückt zu haben. Die 50-Jährige war sich allerdings keiner Schuld bewusst. Vielmehr sei ein Gast über die Stufe am Eingang der Kneipe gestolpert und habe sie angerempelt. Sie sei versehentlich in die Geschädigte gefallen und müsse ihr so die Zigarette aus der Hand geschlagen haben, dass die Brandwunde entstand.

Gutachten spricht für Geschädigte

„Das halte ich für eine reine Schutzbehauptung“, wurde Staatsanwalt Balkenhol in seinem Plädoyer deutlich. Vielmehr sei er von der Schuld der Angeklagten überzeugt – vor allem aus zwei Gründen: Zum einen sei die Geschädigte glaubwürdig. Beide Frauen kannten sich vor dem Abend nicht, schloss er eine Belastungstendenz aus. Außerdem sei ihre Aussage über das gesamte Verfahren hinweg in sich schlüssig geblieben. Zum zweiten verwies er auf das medizinische Gutachten, nach dem eine „intensive Berührung“ mit der Zigarette erforderlich gewesen sei, um eine solche Wunde zu hinterlassen. „Das passt mehr zur Einlassung der Geschädigten.“ So forderte er zehn Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 1200 Euro.

„Es wird Sie wundern“, begann Verteidiger Frank Bertelt sein Plädoyer ironisch, „aber ich sehe den Sachverhalt gänzlich anders.“ Die einzigen Augenzeugen der Tat seien die Angeklagte und die Geschädigte, bei der er sehr wohl eine Belastungstendenz erkannte. „Sie hat meine Mandantin angezeigt, um eine Anzeige gegen sich zu verhindern“, mutmaßte der Rechtsanwalt. „Die gefährliche Körperverletzung ist damit nicht erwiesen, es kann nur einen Freispruch geben.“

Richterin Schmidt-Wegener sah den Nachweis hingegen sehr wohl erbracht und verurteilte die Angeklagte zu einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung. Zusätzlich werden 1000 Euro Schmerzensgeld an die Geschädigte fällig.

Abgeschlossen ist die juristische Aufarbeitung damit aber wohl immer noch nicht. Die Angeklagte kündigte noch im Gerichtssaal an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

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