Wiechers: Rücktritt vom Rücktritt

Jürgen Kortmann

Rüthen / Oestereiden. Theobald Wiechers wird weiter in seinem Amt als Pastor für die Rüthener Nordgemeinden bleiben. Das erklärte er gegenüber Pfarrer Bernd Götze, dem Leiter des Pastoralverbundes. Wiechers’ Ankündigung am Sonntag in der Gemeindeversammlung in Oestereiden, um seine Versetzung bitten zu wollen, sei vor dem Hintergrund der „unglaublichen Emotionen“ dort geschehen, sagt Götze. Schon am Montag habe Wiechers seine Ankündigung zurückgenommen.

Götze ist trotz des Wirbels um die Versammlung im Grunde froh, dass der ganze Unmut sowohl über die Messen im alten Ritus als auch über Wiechers erste Monate in den Nord-Gemeinden am Sonntag laut wurde: „Besser so, als wenn alles unter der Decke bliebe. Jeder konnte doch zu Wort kommen.“

Pfarrer Götze versucht die Wogen zu glätten: Wenn ein Seelsorger, der, wie der Wiechers-Vorgänger Andreas Neuser, lange gute Arbeit in einer Gemeinde geleistet habe, „dann gibt es um seinen Nachfolger erst einmal grundsätzlich Ärger, unabhängig von seiner kirchlichen Richtung.“ An der Aufarbeitung der Vorwürfe soll gearbeitet werden, Götze will dieses Gespräch selbst moderieren. Übrigens: Die Nord-Gemeinden wollen ihren alten Seelsorger Neuser am 19. Mai in seiner neuen Wirkungsstätte in Attendorn besuchen.

Pastor Wiechers darf weiterhin keine tridentinischen Messen öffentlich in der Kirche Langenstraße zelebrieren. Dieses Verbot durch Pfarrer Götze bleibt bestehen. Zunächst, erläutert Götze, müsste eine Gruppe von Gemeindemitgliedern bei ihm (oder über das Generalvikariat Paderborn) beantragen, diese Messen feiern zu wollen. Dann müsste er offiziell eine Stellungnahme abgeben und zustimmen; zu bedenken sei dann auch, ob durch die Messe im alten Ritus der Frieden in den Gemeinden gefährdet sei. Dieser Antrag liege aber bislang noch gar nicht vor.

Es gebe keine Vorschrift, wie viele Menschen einen solchen Antrag unterschreiben müssen, es müssten aber Gemeindemitglieder oder Gläubige aus der unmittelbaren Nachbarschaft Rüthens sein – „das kann keiner aus Dortmund sein“.

Im Internet finden sich inzwischen viele Unterstützer für Pastor Wiechers, auch in den Online-Kommentaren zum Artikel. Viele dieser Äußerungen vom rechten Rand der katholischen Kirche findet Pfarrer Götze „erschreckend“. Er ist vielen Anwürfen ausgesetzt.

Im Internet-Forum kreuz.net beispielsweise lautet noch einer der harmlosen Beiträge: „Die Pfarreien des Möhnetals, wozu auch die genannten Pfarrgemeinden um Rüthen gehören, waren einmal die frömmsten und katholisch aktivsten im ganzen Bistum Paderborn. Nun sind sie anscheinend okkupiert von den schlimmsten Modernisten.“ Pastor Wiechers wird dort ganz offen die Mitgliedschaft in der Pius-Bruderschaft angetragen.

In einem Kommentar auf unserem Forum auf derwesten.de wird Wiechers empfohlen, nach Süddeutschland zu kommen: „Pastor Wiechers tut gut daran, den „weltoffenen“ Pfarrverband zu verlassen. Im Bereich der Diözesen Augsburg und München-Freising haben wir je 18 Messorte für die hl. Messe aller Zeiten (überlieferter römischer Ritus) und die meisten Pfarrer in den Diözesangebieten sind dieser Messform positiv aufgeschlossen und lassen diese in ihren Pfarrkirchen ohne Probleme feiern. Im Süden funktioniert das Nebeneinander zwischen alt und neu ganz gut.“

Pastor Theobald Wiechers hatte schon 2006, damals noch als Pastor in Fröndenberg, in einem Leserbrief seine Haltung zur lateinischen Messe verdeutlicht. Er schrieb: „Kein Wunder, das ein Gutteil der Gläubigen nicht mehr zur Sonntagsmesse kommt, weil sie diese als „langweilig“ empfindet. Man geht nur dann, wenn es einen „gestalteten“ Familiengottesdienst gibt, wo etwas los ist. Dieser Paradigmenwechsel hat nicht zu einem vertieften Zugang zu den Geheimnissen der Liturgie geführt, sondern diese verschüttet.“