Warum sich "Tiger" Stefan Effenberg für Paderborn entschied

Sie verhandelten erfolgreich auf Mallorca: (v.li.) SCP-Präsident Wilfried Finke, Trainer Stefan Effenberg, Co-Trainer Sören Osterland und Michael Born (Geschäftsführer Sport SCP).
Sie verhandelten erfolgreich auf Mallorca: (v.li.) SCP-Präsident Wilfried Finke, Trainer Stefan Effenberg, Co-Trainer Sören Osterland und Michael Born (Geschäftsführer Sport SCP).
Foto: WP
Stefan Effenberg trainiert ab sofort den Fußball-Zweitligisten SC Paderborn 07. Der 47-Jährige mit direkter Ansprache den Absturz des SCP bremsen.

Paderborn. Vorname: Stefan, Nachname: Effenberg. Der Mensch, der sich hinter dieser Namenskombination verbirgt, sorgt für Trubel. Immer. Immer? Fast immer. Das Training des Fußball-Zweitligisten SC Paderborn 07 verläuft an diesem Dienstagmittag jedenfalls so ostwestfälisch unaufgeregt wie eh und je – und auf den drei Steinstufen der Naturtribüne der Paderkampfbahn im Herzen Paderborns herrscht gelassene Leere. Obwohl Effenberg angeblich neuer Coach wird.

Hektisch laufen lediglich jene Menschen hin und her, die schwere Kameras auf ihren Schultern tragen oder nach einem Fan-Kommentar zu Stefan Effenberg für ihr Mikrofon lechzen. Das Problem dieser Reporter ist schnell ersichtlich: die gelassene Leere.

Effenberg bis 2017 in Paderborn

Die für den auf Tabellenplatz 15 abgestürzten Klub richtungsweisenden Gespräche werden zu diesem Zeitpunkt allerdings auch woanders geführt: In der Finca von SCP-Präsident Wilfried Finke in Port d’Andratx auf Mallorca. Von dort kommt schließlich die Bestätigung, welche dem kriselnden Bundesliga-Absteiger bundesweite Aufmerksamkeit beschert: Stefan Effenberg ist neuer Trainer des SC Paderborn 07.

Der „Tiger“, der als Mannschaftskapitän mit dem FC Bayern München 2001 die Champions League und den Weltpokal gewann und dreimal deutscher Meister wurde, der 35-fache Nationalspieler und EM-Zweite 1992 – er soll die Ostwestfalen fußballerisch wieder zum Leben erwecken. Während Mannschaftskapitän Marvin Bakalorz, Torwart Lukas Kruse und Co. auf der Paderkampfbahn die Bälle einsammeln und die Tore wegräumen, unterschreibt Effenberg einen Vertrag bis 2017.

Breitenreiter und Co. aus der Paderborn-Trainerschmiede

„Die Chemie passt! Stefan Effenberg ist ein erstklassiger Fußball-Experte und heiß auf seine Aufgabe beim SCP. Er wird unserer Mannschaft neues Selbstbewusstsein einhauchen und auch die Fans begeistern“, betont Präsident Wilfried Finke in einer eilig übermittelten Stellungnahme. Der Möbel-Unternehmer und Mäzen des SCP hatte bereits in den vergangenen Tagen angekündigt, „jemanden mit einer klaren Ansprache und Härte“ zu suchen. „Bei den Verpflichtungen waren wir ja immer für Überraschungen gut“, sagte er.

Wir – das sind er und besonders Michael Born, der aus Bad Berleburg stammende Geschäftsführer Sport des SCP. Auf dessen Konto gingen bereits die Verpflichtungen der damals unbekannten Trainer André Schubert, Roger Schmidt und André Breitenreiter. Dieses Trio leitet derzeit mit Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und dem FC Schalke 04 namhafte Bundesligisten. In Paderborn begannen sie ihren Weg unter die Top-Trainer.

Paderborn ist für Effenberg eine Top-Adresse

Born leistete auch diesmal die Vorarbeit. Von seiner Philosophie, unerfahrene und unverbrauchte Übungsleiter zu verpflichten, wich er ob der prekären Tabellenlage jedoch ab. „In der aktuellen Situation nach dem Bundesliga-Abstieg, einem großen Umbruch im Team und der Trennung von Markus Gellhausscheint es uns sinnvoller, einen Coach mit Führungskompetenz und einer Karriere als hochklassiger Spieler zu verpflichten“, erklärt Wilfried Finke zur Personalie Effenberg.

Dass diese Entscheidung mutig ist, sogar riskant, bestreiten weder Finke noch Born. Der 47-jährige Effenberg besitzt seit 2012 die Fußball-Lehrer-Lizenz, arbeitete aber als TV-Experte und tritt beim Zweitligisten seine erste Trainerstelle an. Außerdem polarisiert er seit Spielertagen durch seine Äußerungen und Auftritte – auf sowie abseits des Fußballplatzes.

„Seit einiger Zeit denke ich ernsthaft darüber nach, als Chef-Trainer zu arbeiten“, sagt Effenberg gestern. „Für den Einstieg in dieses Metier ist Paderborn eine Top-Adresse. Der SCP verfügt über viel Qualität im Kader, daraus müssen wir jetzt möglichst schnell ein erfolgreiches Team formen“, erklärt er weiter. Heute wird sich „Effe“ um 12 Uhr in einer ersten Pressekonferenz präsentieren, bevor er um 15 Uhr das erste Training leitet. In der Paderkampfbahn. Mit Trubel auf und neben dem Platz.

 
 

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