Warum das Glas Rotwein am Abend nicht gesund ist

Suttrop..  Immer mehr Deutsche werden alkoholkrank, viele stehen auf der kritischen Kippe zur Alkoholsucht und der Tabakgebrauch ist nach wie vor am meisten verbreitet. Was nach Behauptungen klingen mag, scheint Realität zu sein, denn eine Statistik der Studie „Epidemiologischer Suchtsurvey“ fand eben genau das heraus.

Anstieg bei Alkoholsüchtigen

In Zahlen ausgedrückt sind es rund 1,8 Millionen Menschen, die an einer Alkoholsucht erkrankt sind. Im Jahr 2006 waren es noch 1,3 Millionen, das ist seither ein Anstieg auf 36 Prozent. Bertrand Evertz ist Chefarzt des LWL-Rehabilitationszentrums Südwestfalen in Suttrop und kümmert sich um die Rehabilitation Abhängigkeitskranker. Er hält diese Statistik für zweifelhaft: „Die Definition von einem Alkoholkranken kann sehr willkürlich sein. Die Frage ist, ob Abstinente dann auch noch als alkoholkrank gelten. Die Zahlen können deshalb auch verkünstlicht sein.“ Dennoch decken sich seine Einschätzungen mit der Studie, die auch behauptet, dass vor allem junge Erwachsene unter 25 Jahren als gefährdet eingestuft werden. „ Generell ist es vielleicht besser geworden, aber es gibt noch immer eine Untergruppe, die kritisch ist“, so Evertz.

Besonders problematisch ist es, eine Grenze zwischen Menschen zu ziehen, die viel trinken und die, die tatsächlich alkoholkrank sind. Bertrand Evertz sieht da allerdings einen klaren Unterschied: „Erst körperliche Entzugserscheinungen sind auch Suchtzeichen. Wenn man am Wochenende zu viel trinkt, aber montags darauf verzichten kann, ist das zwar nicht ungefährlich, aber noch keine Sucht.“ Bei dem Glas Rotwein, das vermeintlich gesund sein soll, ist Bertrand Evertz vorsichtig, „die Menge, die gut sein soll, wird immer geringer.“

Tabak als Einstiegsdroge

Auch der Tabakkonsum ist nach wie vor am meisten verbreitet in Deutschland; demnach sind 5,6 Millionen Menschen davon abhängig. „95 Prozent meiner Patienten rauchen. Das zeigt, dass das schon eine Einstiegsdroge ist“, betont Evertz und plädiert für noch stärkere Rauchpräventionen.

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