Warsteiner Montgolfiade wegen Legionellen abgesagt

Am Freitag sollte die Warsteiner Montgolfiade starten. Doch aufgrund der Legionellen-Erkrankungen genehmigt die Stadt Warstein die Veranstaltung nicht.
Am Freitag sollte die Warsteiner Montgolfiade starten. Doch aufgrund der Legionellen-Erkrankungen genehmigt die Stadt Warstein die Veranstaltung nicht.
Foto: WP
Die Stadt Warstein hat Konsequenzen aus den vielen Legionellen-Erkrankungen gezogen: Die Warsteiner Montgolfiade, die am Freitag beginnen sollte, wird nicht genehmigt. Zwar wurde die mutmaßliche Quelle für die Masseninfektion gefunden, doch kann noch keine endgültige Entwarnung gegeben werden.

Warstein.. Am Freitag sollte es losgehen - das große Heißluftballon-Spektakel in Warstein. Doch aufgrund der Legionellen-Epidemie ist Stadt Warstein der Empfehlung des Kreises Soest gefolgt und hat die Großveranstaltung "zum Schutz der Gesundheit aller Bürger und Gäste von Warstein" nicht genehmigt. Das teilte die Warsteiner International Montgolfiade GmbH am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung mit.

„Wir teilen das Verantwortungsbewusstsein der Kommune im vollen Umfang. Die Gesundheit und der Schutz der Bevölkerung stehen an oberster Stelle“, fassen Geschäftsführer Hermann Löser und Uwe Wendt die Konsequenzen aus der am Dienstag von der Stadt getroffenen Entscheidung zusammen. „Als Veranstalter und Gastgeber sind wir natürlich extrem traurig, den Warsteiner Bürgern und unseren vielen nationalen und internationalen Piloten, Crews und Besuchern diese Umstände jetzt mitteilen zu müssen“.

Mutmaßliche Legionellen-Quelle gefunden

Erst am Dienstagmorgen wurde eine erste Spur bei der Suche nach der Legionellen-Quelle in Warstein bekannt: In einer Klimaanlage, die in der vergangenen Woche untersucht wurde, seien Bakterien entdeckt worden. Das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn hat dem Gesundheitsamt des Kreises Soest am Dienstagmorgen erste vorläufige Ergebnisse mitgeteilt. Untersucht wurden zwischen dem 21. und 23. August 2013 die in klimatechnischen Anlagen (Rückkühlwerken) oder anderswo in Warstein genommenen Proben.

Im Wasser der Kühlanlage der Esser-Werke im Wästertal wurde eine erhöhte Anzahl von Legionellen nachgewiesen. Das bestätigte auch Esser-Geschäftsführer Roland Aust. Das müsse jedoch nicht heißen, dass dies die alleinige Legionellen-Quelle sei. Für weitere unteresuchte Standorte fiel das Ergebnis entweder negativ oder nach Einschätzung des Instituts unbedenklich aus.

Dennoch wollten die Behörden noch keine endgültige Entwarnung gebe n. Es dauere noch einige Tage, bis man sicher wisse, ob die Legionellen aus der industriell genutzten Klimaanlage identisch sind mit den Bakterien, die die Legionellen-Infektionen ausgelöst hatten.

Klimaanlage seit einer Woche ausgeschaltet

„Wir haben jetzt eine konkrete Spur, aber noch nicht mit abschließender Sicherheit die Quelle. Wir können verantwortlich noch keine endgültige Entwarnung geben“, ordnet Dr. Frank Renken, Chef des Gesundheitsamts, dieses vorläufige Untersuchungsergebnis ein. Ein weiteres Indiz neben den Erkenntnissen des Labors sei, dass dieses jetzt in den besonderen Fokus geratene Rückkühlwerk von der Lage her in Frage komme, wenn man die meteorologischen Recherchen zum Beispiel zur Windrichtung mit den ermittelten Aufenthaltsorten der erkrankten Patienten abgleiche.

Der Serotyp der gefundenen Legionellen gehöre außerdem zu den Stämmen, die von Professor Dr. Martin Exner, Chef des Bonner Uni-Instituts, zu denjenigen gerechnet würden, die von einem Rückkühlwerk verbreitet werden können. Nicht zuletzt sei schließlich die gefundene Konzentration der Legionellen so hoch, dass sie Erkrankungen bewirken könne.

Die Anlage sei nach der Probenahme am Mittwoch, 21. August, ausgeschaltet geblieben, so dass von ihr keine Gefahr mehr ausgehe. Ob es die tatsächliche Quelle sei, könne erst besser bewerten werden, wenn auch der Legionellensubtyp eines Erkrankten bekannt sei. Dieser Humanbefund liege jedoch noch nicht vor. Bei Legionellen im Wasser sei der Serotyp labortechnisch viel einfacher zu bestimmen.

Zehntägige Inkubationszeit muss abgewartet werden

Dr. Frank Renken macht in diesem Zusammenhang auf eine Zwickmühle aufmerksam, in der sich die Gesundheitsaufsicht befindet. Da die Inkubationszeit für Legionollose, also die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung, bis zu zehn Tagen betragen könne, seien Neuerkrankungen bis zum Ende dieser Woche nicht auszuschließen, auch wenn mit der Stilllegung dieser Anlage die Quelle geschlossen worden sein sollte. Das lasse für diesen Zeitraum offen, ob die Ursache nicht doch woanders zu suchen sei.

Seit dem 10. August waren mehr als 100 Menschen an einer Lungenentzündung erkrankt, zwei Männer starben. Wegen der bis zu zehntägigen Inkubationszeit sei davon auszugehen, dass in den kommenden Tagen noch weitere Neuerkrankungen bekanntwerden, hieß es. Dann müsste sich Anfang September auch die Lage im örtlichen Krankenhaus entspannen.

Weitere Ergebnisse sind noch abzuwarten

Gleichzeitig seien die ausstehenden Ergebnisse der übrigen genommenen Proben noch abzuwarten. „Die vorläufige Auswertung der Proben, die nach dem 23. August entnommenen wurden, wird wahrscheinlich erst bis Samstag eingehen. Wenn weitere positive Ergebnisse dabei sein sollten, müssen wir womöglich von weiteren Quellen ausgehen“, so Dr. Renken.

Dr. Renken: „Die Anlage bleibt auf jeden Fall abgeschaltet. Im stillgelegten Zustand kann von ihr keine Gefahr ausgehen. Sie wird jetzt von einem Fachunternehmen desinfiziert und in einen einwandfreien hygienischen Zustand gebracht.

Ein Wiedereinschalten kommt erst dann in Frage, wenn auch die ausgewiesenen Experten vom Bonner Hygieneinstitut Grünes Licht gegeben haben. Wenn die Anlage desinfiziert ist, wird erst wiederum eine Probe gezogen. Nur wenn diese ein negatives Ergebnis hat, kann die Anlage wieder in Betrieb gehen. Auch danach werden in engen Abständen noch Kontrollen stattfinden.“

Auch wenn noch nicht völlig sicher ist, dass es sich bei der Klimaanlage um die Quelle der Krankheiten handelt, sind die Experten verhalten optimistisch.

Zahlen zur Warsteiner Erkrankungswelle

116 Fälle erkrankter Menschen im Alter von 17 bis 93 Jahren, die in Zusammenhang mit dem Legionellenausbruch in Warstein gebracht werden können, weist die aktuelle Liste des Kreisgesundheitsamtes (Stand Dienstag, 27. August, 15 Uhr) auf. Für 30 der Fälle gibt es einen bestätigten Labor-Legionellenbefund.

Der starke Anstieg der Legionellenbefunde ist darauf zurückzuführen, dass das Referenzzentrum der Technischen Universität Dresden bei der Analyse und Auswertung vom beauftragten Labor des Krankenhauses Warstein eingeschaltet wurde. Das Referenzzentrum übermittelte am Montagabend, 26. August, 22 bestätigte Labor-Legionellenbefunde.

Im Warsteiner Krankenhaus „Maria Hilf“ werden zurzeit noch 44 Fälle stationär behandelt, ein Patient davon befindet sich auf der Intensivstation, aber auf dem Weg der Besserung. Weitere Patienten werden in umliegenden Krankenhäusern behandelt.

 
 

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