Warsteiner Ehepaar Nelken liebt und lebt Esperanto

Otto Nelken und Ursula Teuteberg-Nelken leben für Esperanto; der pensionierte Lehrer gibt auch Unterricht in seinem Haus.
Otto Nelken und Ursula Teuteberg-Nelken leben für Esperanto; der pensionierte Lehrer gibt auch Unterricht in seinem Haus.
Foto: WP

Warstein..  Wer Otto Nelken in seinem Heim in der Hirschfeldstraße besucht, wird sofort gefangen genommen von der Welt des Esperanto. Diese Kunstsprache liebt und lebt der Warsteiner, seit er sie 1996 erlernte. Und so langweilt er die Gratulanten, die ihm jetzt noch nachträglich zum 80. Geburtstag gratulieren, nicht mit einer Chronik seines Lebens, sondern nimmt sie mit auf eine Reise zu den Esperantisten dieser Welt.

„Ich wollte dem Rummel entfliehen“, sagt er. In Adeje auf der Ferieninsel Teneriffa hatte er über seinen runden Geburtstag am 3. März mit seiner Frau Uschi eine Ferienwohnung gemietet – doch seine Freunde machten ihn trotzdem ausfindig. Über Skype erreichte ihn eine Gruppe aus dem Esperanto-Dorf Stockum (bei Sundern), die ihm ein Geburtstagsständchen in Esperanto sang – und ihn damit glücklich machte. Denn über diese Universalsprache knüpfte er Kontakte in vielen Ländern. „Esperantisten betrachten sich untereinander als Freunde und Gastgeber“, berichtet Otto Nelken. Und so schwärmt er noch heute von seiner neunwöchigen Reise nach China, das Esperanto-Land schlechthin. Diese Fahrt gab 1996 den Ausschlag, Esperanto zu lernen, um sich verständigen zu können. Durch die Verbindungen vor Ort – die Esperantisten bieten untereinander kostenfrei Unterkunft – lernte das Ehepaar Nelken Land und Leute sehr gut kennen. „Wir wurden überall mit unglaublicher Herzlichkeit empfangen“, erinnert sich der heute 80-Jährige. Dadurch sprang der Funke über, „ich habe mich für die Idee begeistert.“

So lernte er selbst das von dem jüdischen Augenarzt Ludowico Zamenhof (1859 - 1917) entwickelte Esperanto. Das Vokabular wird anderen, überwiegend romanischen Sprachen entnommen. „Man kann das Basis-Wissen innerhalb von viereinhalb Stunden erlernen und ist danach in der Lage, einfache Gespräche zu führen. Man kann mit Hilfe eines Wörterbuchs auch sofort Briefe schreiben“, erklärt Nelken.

Nächster Kursus schon geplant

Inzwischen spricht er es nicht nur perfekt, sondern hat sein Wissen an Interessierte weitergegeben. In der Hochzeit (2001) liefen vier Kurse mit insgesamt 40 Teilnehmern. Es wurden sogar AGs an Haupt- und Realschule und am Gymnasium eingerichtet. Insgesamt lernten an die 400 Menschen bei Otto Nelken Esperanto, nicht nur in Warstein, auch in Sundern, Werl und am Möhnesee. Und der Unterricht geht weiter: Noch vor der Fußball WM soll im Mai/Juni ein neuer Kursus angeboten werden. In 2001 richtete die Warsteiner Gruppe auch ein „Revelo“ für Esperantisten aus ganz Nordrhein-Westfalen aus. „Damals hielt Bürgermeister Georg Juraschka die Begrüßungsrede mit perfekter Betonung, obwohl er es vorher nicht gelernt hatte.“

Für Bona Espero viel bewegt

Eine Herzensangelegenheit war Otto Nelken das Esperanto-Kinderdorf „Bona Espero“ in Brasilien; über zwölf Jahre war er Vorsitzender des Fördervereins. „Wir haben eine Menge dort bewegt“, blickt er auf diese Zeit zurück. Das Projekt wurde damals nicht nur von der Stadt unterstützt, auch der größte Einzelspender kam aus Warstein, wollte aber anonym bleiben. Der damalige Warsteiner Gymnasiast Patrick Risse (heute PR Musik) organisierte 2006 eine Brasilian Night in der Sauerlandhalle; damit kam eine Spende von 4000 Euro für Bona Espero zusammen.

Das Ehepaar war immer gern auf Reisen – was bei Otto wohl in der Familie lag. Es stammt gebürtig aus Kiel, sein Vater war bei der Marine und häufig auf Weltreise. Davon hat er so viel erzählt, dass sein Sohn nun im Rentenalter beschloss, auf seinen Spuren zu wandeln „und dabei eventuell auch noch Halbgeschwister ausfindig zu machen“, scherzt Otto Nelken. 1945 kam die Familie nach Warstein, wo der Vater technischer Betriebsleiter der Anstalt, heute die LWL-Klinik, war..

Beruflich schlug Otto Nelken die Lehrer-Laufbahn ein. Nach dem Abitur in Lippstadt studierte er Deutsch und Geschichte, zuletzt an der Uni Münster. Damals hörte er eine theologische Vorlesung bei Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI – für ihn ein besonderes Erlebnis. Nach Station in Witten und Wetter lehrte er dann 25 Jahre am Warsteiner Gymnasium.

Groß Anti-Kriegs-Demo organisiert

Aus erster Ehe hat Otto Nelken eine 47-jährige Tochter, die in der Gegend von Bonn lebt. Seine heutige Frau Ursula, genannt Uschi (Teuteberg-Nelken) aus Soest lernte er 1989 kennen. Um mit ihrem Mann auf Reisen gehen zu können, gab sie später ihren Beruf auf. Sie organisierte die Logistik, arbeitete die Details und Routen der oftmals sehr anstrengenden Reisen aus. Auch die Esperanto-Weltkongresse führten das Ehepaar in ferne Länder.

Darüber hinaus engagierte sich Otto Nelken vielfältig. So organisierte er 2003 eine Demonstration gegen den Krieg im Irak. „Das war mit 1000 Leuten die bislang größte Demo in Warstein.“

Und jetzt ist der rüstige Rentner 80 Jahre alt. Und gefeiert wird dies doch noch, intern mit der Nachbarschaft und in größerem Rahmen das Esperanto-Sommerfest.

 
 

EURE FAVORITEN