„Und plötzlich fällt eine Idee vom Himmel“

v. l. Organisatorin Annegret Kleinow, Künstler Knut Kargel, Leitender Arzt Dr. Martin Gunga (überreicht Präsent).JPG
v. l. Organisatorin Annegret Kleinow, Künstler Knut Kargel, Leitender Arzt Dr. Martin Gunga (überreicht Präsent).JPG
Foto: WP
Bereits zum 51. Mal können Patienten, Mitarbeiter und Besucher in der Psychotherapeutischen Tagesklinik des LWL eine Kunstausstellung bewundern, während sie die Flure durchqueren. Diesmal stellt Künstler Knut Kargel aus.

Warstein..  Bereits zum 51. Mal können Patienten, Mitarbeiter und Besucher in der Psychotherapeutischen Tagesklinik des LWL eine Kunstausstellung bewundern, während sie die Flure durchqueren: „Es ist eine tolle Tradition, die wir hier etablieren konnten“, freute sich Dr. Martin Gunga, leitender Arzt, bei der Eröffnungsveranstaltung am Sonntag Nachmittag.

Sozialberaterin Annegret Kleinow und Ergotherapeut Ralf Grimm organisieren diese Veranstaltungen immer wieder aufs Neue, um Patienten und Interessierte „zu eigenem kreativen Schaffen zu inspirieren und zu beflügeln“.

„Mensch entfalten“ heißt die Ausstellung mit rund 60 Bildern des Künstlers Knut Kargel, der den Besuchern zur Vernissage für Erläuterungen seiner Werke zur Verfügung stand. Der in Wamel wohnende Künstler hielt sich aber mit inhaltlichen Erklärungen lieber zurück – das nehme dem Betrachter die Möglichkeit, eigene Vermutungen und Interpretationen anzustellen.

Über den Entstehungsprozess seiner Bilder dagegen wollten die Kunstinteressierten ausführlich informiert werden. Denn was aussieht wie dick aufgetragene Farbe, ist in Wahrheit geschmolzener Kunststoff. Wie genau das funktioniert, wurde Kargel nicht zum ersten Mal gefragt: „Ich gehe mit einem Bügeleisen über die Folien und Plastiktüten, um etwa Zeitungsartikel zu collagieren.“ Zuerst hatte er dies mit Öl probiert, doch das zog in das dünne Papier ein wie in einen Schwamm. Deshalb musste eine andere Idee her, die eines Tages „plötzlich vom Himmel gefallen kam. Doch auch mit dem Bügeleisen muss ich vorsichtig sein: Ist der richtige Moment verpasst, habe ich ein Loch in den Kunststoff gebügelt“, schmunzelte der Künstler, der nahe des Möhnesees sein eigenes Atelier hat.

Um die Wirkung seiner Werke durch anderes Plastikmaterial und -motive zu variieren, lässt er sich auch aus Ländern wie Amerika und Spanien Tüten und Verpackungen schicken.

Auf Impulse warten

„Es ist nicht so, als hätte ich ein fertiges Bild vor Augen, wenn ich anfange zu arbeiten“, erklärte Kargel. Ist mal kein Impuls für ein neues Bild da, könne er nichts machen außer auf den Nächsten zu warten. „Von so etwas brauche ich mich nicht beunruhigen lassen“, weiß der Künstler aus Erfahrung.

Oftmals sind viele Bilder gleichzeitig in Arbeit. „Entweder man sagt, ich arbeite immer, oder man sagt, ich arbeite nie“, so Kargel. „Ich mache nur das, was ich gerne mache, daher kann ich Kunst nicht unbedingt Arbeit nennen.“ Doch auch beim Schlafen brütet er in seinen Träumen über neuen Ideen, deshalb ergänzte er lachend: „Eigentlich arbeite ich fast 24 Stunden am Tag!“

Dass er von Kunst nicht immer gut leben konnte, braucht Knut Kargel nicht zu verheimlichen. Es gebe für freie Künstler lange Durststrecken und Herausforderungen, die immer wieder bewältigt werden müssten. „Geld verdienen und künstlerisch tätig sein ist keine gute Verbindung. Kunst muss frei sein, sonst entsteht sie nicht“, ist sich der Experte sicher.

Ausgleich durch Quantenphysik

Den Ausgleich zu seinem künstlerischen Schaffen holt sich Kargel mit seinen völlig gegensätzlichen Interessen im Bereich der Quantenphysik und neuen Wissenschaften. Doch hier habe er keine Zukunftsperspektive für sich gesehen: „Wenn andere mir meine Aufgaben vorschreiben, ist das einfach nichts für mich.“

Geht man den Ausstellungsflur entlang, so ist trotz der gleichen Technik kein Werk vergleichbar. Hier das Gesicht eines Menschen, dort eine Katze, ein weiteres Bild besteht aus Wörtern. Genauso unterschiedlich wie die Bildinhalte sind auch die Titel, die Kargel nur ungern hinzugefügt hat: „Den Bildern einen Namen zu geben, ist eigentlich schon zu viel. Erst wenn der Betrachter so erkennt, was der Künstler damit ausdrücken möchte, dann hat die Kunst funktioniert.“ In einem extra Raum wird außerdem das Thema „Kunststeingrafik“ aufgegriffen. Dabei hat der Künstler Druckplatten aus Beton verwendet.

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