Trend „Zero Waste“ – Warum Plastikfasten so schwierig ist

Jonas Erlenkämper
Salat, Gemüse, Fleisch – im Supermarkt gibt’s kaum etwas ohne Plastikverpackung. Das frustriert alle, die darauf verzichten wollen.
Salat, Gemüse, Fleisch – im Supermarkt gibt’s kaum etwas ohne Plastikverpackung. Das frustriert alle, die darauf verzichten wollen.
Foto: dpa
Einkaufen ohne Kunststoff – das muss möglich sein, dachte unser Autor. Und wäre fast verzweifelt.

Warstein. Weniger Alkohol, keine Zigaretten, nicht mehr so viel fernsehen? Langweilig – der neue Fastentrend heißt „Zero Waste“, kein Müll. Dabei ist Plastik überall. Die Folgen sind verheerend: Viel von dem Zeug landet früher oder später im Meer, im Nordpazifik soll ein gigantischer Plastikteppich schwimmen, größer als Indien. Ich will ausprobieren, ob Einkaufen ohne Kunststoff in Warstein überhaupt möglich ist. Plastik kommt mir heute nicht in die Tüte. Beziehungsweise in die Jutetasche, Sie wissen schon.

Ein Abendessen aus Zutaten ohne Plastikverpackung – das muss doch möglich sein. Also rein in den Supermarkt. Meine erste Idee: eine klassische Schnitte mit was drauf. Doch die Probleme fangen schon beim Brot an – Toast- und Schnittbrot füllen zwar meterweise die Regale, sind aber allesamt eingeschweißt. Brötchen aus dem Backautomaten kommen ebenfalls nicht in Frage: Die Papiertüten haben ein Sichtfenster aus Kunststoff. Das Problem kann ich umgehen, denke ich und nehme mir vor, später beim richtigen Bäcker vorbeizuschauen. Schmeckt eh besser. Dennoch naht bereits die nächste Hürde – der Belag. Das Kühlregal geht gar nicht. Alles dort ist eingeschweißt, teilweise befinden sich nur vier Scheiben Schinken in der Packung – mehr Müll als Inhalt. Mir dämmert, dass ich ein leckeres Butterbrot heute vergessen kann.

Ich plane um. Irgendwas fleischiges wäre gut. Vielleicht bietet die Fleischtheke ja Inspiration. Während ich in der Schlange anstehe, fällt mir auf, dass die Verkäuferin die Stücke mit einer dünnen Plastikfolie umwickelt. Dieses Zeug ist überall, wenn man mal bewusst drauf achtet! Ob sie das Fleisch nicht direkt in eine mitgebrachte Dose legen könne, will ich von der Frau wissen. Die guckt skeptisch: „Nee, das geht nicht. Das ist aus Hygienegründen gesetzlich verboten.“ Na dann – kann ich mir ein leckeres Schnitzel heute Abend auch abschminken.

Dass die Plastikfasterei so schwierig ist, hätte ich nicht gedacht. Warstein ist kein leichtes Pflaster für Kunststoff-Verächter. In manchen Großstädten gibt es spezielle Supermärkte, die Lebensmittel und Haushaltsprodukte nur ohne Verpackungen verkaufen. So fortschrittlich sind wir hier noch nicht. Trotzdem hatte ich mir den Einkauf leichter vorgestellt.

Die Rettung ist teuer

Erwartungslos schlendere ich am Nudelregal vorbei. Ist eh alles verschweißt, denke ich. Dann sticht mir ein blaues Paket ins Auge. Eine Firma liefert ihre Teigwaren auch in Pappkartons aus. Sind natürlich von einer teuer-Marke: Die Penne Rigate kosten im Karton 2,15 Euro je Kilo, die Billigvariante gibt’s für nicht mal einen Euro. Normalerweise bin ich beim Einkauf sparsam, aber heute zahle ich für das gute Gewissen gerne etwas mehr. Dazu hole ich mir Pesto im Glas – die „Feinkost“ kommt insgesamt ziemlich umweltverträglich daher – und etwas Gemüse. Tomaten, Paprikas, alles in Plastikschalen. Sogar die Gurken stecken in Plastikstrümpfen. Daneben aber gibt es auch unverpackte Exemplare. Ich greife mir noch einen Apfel, als Zwischenmahlzeit. Dann der Schreck: Auf jedem einzelnen klebt ein kleiner Aufkleber, darauf steht einfach nur der Markenname. Verdammt, dann halt kein Obst.

Fazit: Nach langem Suchen habe ich die Komponenten für ein plastikfreies Abendessen zusammenbekommen. Respekt für alle „Zero Waste“-Aktivisten. Ich bin gerne bereit, meinen Verbrauch zu reduzieren – einen Komplettverzicht werde ich im Alltag aber nicht hinbekommen. Das überlasse ich Menschen, die bessere Vorbilder sind als ich.