Trauer um Dr. Gert Schneider

Dr. Gert Schneider war lange Jahre Pfarrer in Suttrop.
Dr. Gert Schneider war lange Jahre Pfarrer in Suttrop.
Foto: WP
Dr. Gert Schneider ist tot – der frühere Vikar in Sichtigvor und langjährige Pfarrer in Suttrop starb 74-jährig am Pfingstmontag in Mettmann, wo er seit seiner Pensionierung 2010 lebte.

Suttrop/Hagen.. Geboren und aufgewachsen in der DDR, verließ er seine Heimat als Jugendlicher und schlug sich alleine im Westen durch. Ursprünglich Protestant, konvertierte er später zum katholischen Glauben, erhielt aber bis zuletzt auch viele Anerkennung von evangelischen Gläubigen.

Gert Schneider war seit den 1980er Jahren bis 1991 in Suttrop tätig, zuvor als Vikar in Sichtigvor. Anschließend wechselte er ab dem 1. Oktober 1991 als Pfarrer der katholischen Liebfrauen-Gemeinde Vorhalle nach Hagen, ehe er 2010 mit 72 Jahren in den Ruhestand trat.

Schneider war eine ungewöhnliche Persönlichkeit, ein unbequemer Geistlicher, wie es ihn nicht häufig gibt. Er nahm so deutlich Partei für die Schwächeren der Gesellschaft und entschieden Stellung zu gesellschaftlichen Problemen, dass er oft auch aneckte, in der Gemeinde und in der Kirchenhierarchie. Seine Predigten hatten hohes Niveau, so dass Kirchenbesucher auch aus anderen Gemeinden kamen. Er verstand es meisterhaft, jungen Menschen komplexe theologische Sachverhalte nahezubringen – und auch die Kinder zu begeistern.

Für Aufsehen sorgte Dr. Gert Schneider zuletzt 2010, als er während einer Messfeier von der Kirchenkanzel herab den damaligen FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle kritisierte. Dessen Beitrag zur Hartz-IV-Debatte sei perfide, er haue Sozialhilfeempfänger in die Pfanne, ohne sachliche Argumente zu nennen. Daraufhin beschwerten sich einige Gläubige sogar bei Erzbischof Becker in Paderborn.

Auf ganz andere Weise bekannt wurde Schneider, ein passionierter Bergsteiger, anlässlich eines dramatischen Unfalls in den Alpen in den 1980er Jahren. Zusammen mit Begleitern war er in einen Gletscher geraten und hatte stundenlang in eisiger Kälte ausgeharrt, bis sich glücklicherweise Retter einfanden.

Wie sehr Schneider auch von den Protestanten in Hagen geschätzt wurde, zeigten diese im August 2010, als der Geistliche nach 19 Jahren Gemeindearbeit in Vorhalle in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Die evangelischen Christen verzichteten auf ihren eigenen Sonntagsgottesdienst und nahmen geschlossen an der katholischen Messe teil. Begründung: „Die Menschen in Vorhalle haben ihm viel zu verdanken.“

Christel Hackenberg, Sprecherin der dortigen Frauengemeinschaft, formulierte es ähnlich: „Er nahm die kleinen Leute mit und machte sie selbstständig. Und den jungen Leuten verlieh er Rückgrat.“

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