Synagoge auf eigenem Grund errichtet

Spuren jüdischen Lebens: Das Grabmal von Menke Ostwald, gestorben 1895, steht noch heute auf dem Friedhof in Belecke
Spuren jüdischen Lebens: Das Grabmal von Menke Ostwald, gestorben 1895, steht noch heute auf dem Friedhof in Belecke
Foto: WP
Der Kultur- und Heimatverein Badulikum gedenkt anlässlich des 70. Jahrestages des Endes der Nazidiktatur in diesem Jahr der grausamen Judenverfolgung im sogenannten „Dritten Reich“.

Belecke..  Über zwei weitere jüdische Familien aus Belecke berichtet der aus der Badestadt stammende Dresdner Historiker Werner Rellecke: Der Jude Salomon Ostwald erhielt Anfang des 19. Jahrhunderts das Bürgerrecht in Belecke und besaß entsprechend Haus und Grund.

Er war, wie sehr viele Juden in der Gegend, Metzger von Beruf. Das Metzgerhandwerk war eines der wenigen, das Juden nach der Judenordnung des Herzogtums Westfalen von 1700 ausdrücklich gestattet war.

Salomon Ostwald hatte mit seiner Frau Bele, geborene Weinberg, wahrscheinlich fünf Kinder, darunter die Söhne Abraham und Jacob. Letzterer wurde 1809 geboren und ist für das Jahr 1846 als Familienvorstand in Belecke erwähnt.

Salomon Ostwald wurde 1815 in den Schützenverein aufgenommen und ist auch für das Jahr 1830 noch in Belecke nachgewiesen. Er richtete die Belecker Synagoge in der Oststraße (heute Böttcherstraße) auf seinem Grund und Boden ein. Dies entsprach den Vorschriften der Judenordnung von 1700, die im Großen und Ganzen immer noch als rechtliche Orientierung Geltung besaß und wo es hieß: „Die verglaidete Juden (Geleitjuden, Anm.d.Red.) sollen ihre wohnung nicht zu nahe bey der Kirchen, sonderen wenigst vier Häuser davon, die Synagoge aber, damit der Catholischer Dienst nicht behindert werde, noch weiter davon haben.”

Zu den Gräbern auf dem Belecker Judenfriedhof zählt auch eines von Menke Ostwald. Er war 1810 geboren worden und vielleicht ein Sohn des Salomon Ostwald. 1837 kaufte er das Haus Fritz Kellerhof in Sichtigvor an der Hammerbergstraße. Menke Ostwald lebte in Sichtigvor, verstarb 1895 und liegt in Belecke begraben. Eine Sophia Ostwald lebte um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Belecke.

Familie Löwenstein

Erstmalige namentliche Kunde von der Familie Löwenstein in Belecke haben wir durch Levi Löwenstein, 1815 geboren, und seinen Bruder Jacob Löwenstein, geboren 1818. Letzterer starb am 19. Mai 1888. Sein Grab liegt auf dem jüdischen Friedhof in Belecke.

Die Eltern von Levi und Jacob hießen Mendel Löwenstein und Sahra Spier. Am 15. Mai 1847 erblickte ein weiterer Levi Löwenstein, Kind von Jacob Löwenstein und Rachael Dessauer, in Belecke das Licht der Welt.

Die Gräber von Julie Löwenstein, geborene Rosenthal, gestorben 1873, und Johanna Löwenstein, geborene Romberg (1844), gestorben 1900, liegen auf dem Belecker jüdischen Friedhof.

Aus dem Jahre 1873 wird von der Familie Löwenstein als Nachbarn der Familie Cruse berichtet. Sie waren sehr kinderreich und wohnten im Haus Külbe Nr. 30, das 1842 von einem Dr. Budde erbaut worden war. Die Löwensteins sollen zum damaligen Zeitpunkt 26 Kinder gehabt haben. Vater Löwenstein hatte mehrmals die Frau durch Tod verloren und wieder geheiratet, so dass sich ein großer Kinderreichtum einstellen konnte. Von den Löwensteins ging das Haus später an die Familien Hilsmann, Wirt und Kußmann.

Trotz der großen Kinderschar der Familie Löwenstein verließen fast alle noch vor der Jahrhundertwende die Möhnestadt.

In den 1930er Jahren war zwar keine jüdische Familie mehr in Belecke ansässig. Die Gedenklisten der Opfer des Holocaust weisen jedoch zwei Männer namens Löwenstein – wahrscheinlich Vettern – mit dem Geburtsort Belecke aus: Max und Otto Löwenstein. Eine weitere Familienangehörige ist Paula Löwenstein, geboren am 14. Januar 1883 in Belecke, die wahrscheinlich in Auschwitz ermordet wurde (über deren Schicksal berichteten wir anlässlich des Jahrestags der Reichspogromnacht im vergangenen November).

Folgen Sie uns auch auf Facebook.

EURE FAVORITEN