Stimmgewaltig durch die Fastenzeit

Anna Gemünd
Chorkonzert MGV Pankratius Belecke
Chorkonzert MGV Pankratius Belecke
Foto: WP
Eine ganz moderne Form des „Kyrie“, ein stimmgewaltiger Massenchor, dazu eine Uraufführung – dass diese Mischung ein äußerst gelungenes Chorkonzert ergibt, daran dürfte nach dem vergangenen Sonntag kein Zweifel mehr bestehen.

Belecke. Der Belecker Männerchor Pankratius 1860 hatte in die Propsteikirche eingeladen und freute sich nicht nur über eine große Resonanz sondern auch stehende Ovationen des Publikums.

Josef Wüllner führte als Vorsitzender des Chores durch das Programm und verstand es dabei, Hintergründe und Informationen zu den ausgewählten Liedern unterhaltsam zu präsentieren. Gleich drei Werke von Franz Schubert sangen die Männer; darunter mit “Wohin soll ich mich wenden“ ein Stück, das sich bereits seit Jahrzehnten im Programm des MGV wiederfindet. „Schubert liegt uns einfach“, meinte Wüllner. Zum „Sanctus“ kamen erstmals die Gäste aus der Kreisstadt als Verstärkung hinzu:

Das Streichquartett der Musikschule Soest begleitete die Sänger aus Belecke bei mehreren Stücken; spielte aber auch einige Solo-Werke. Für dessen Leiter Matthias Hesse war es gewissermaßen ein Heimspiel, stammt er doch aus der alten Belecker Hesse-Familie. Gemeinsam mit Klaus Esser (Violine) Jin Kim (Viola) und Yuko Uenomoto (Cello) spielte Hesse an der Geige verschiedene Werke von Händel, Bach und Schubert.

Beim „Largo“ aus der Oper „Xerxes“ von Georg Friedrich Händel kam es auf diese Weise sogar zu einer Uraufführung: „Dieses Stück ist zwar sehr bekannt, aber für unsere Besetzung gibt es das gar nicht“, erklärte Hesse, „deswegen habe ich es so arrangiert, dass wir es heute hier für Sie spielen können. Sie erleben also eine Premiere.“

Moderne „Kyrie“-Version

Die glückte genauso wie das „Kyrie“ von Piotr Janczak, von dem Josef Wüllner überzeugt ist: „Wir werden auch ein Fan von ihm.“ Der Polnische Pianist, Komponist und Dirigent hat eine ganz eigene, sehr moderne Form des „Kyrie“ geschrieben, die der Männerchor stimmgewaltig umsetzte. Auch die beiden weiteren Werke von Janczak, die ins Programm Eingang gefunden hatten, meisterten die Belecker Sänger mit Bravour.

Irische Segenswünsche zum Schluss

Zuvor hatten sie bereits gemeinsam mit dem Streichquartett Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ präsentiert. „Besser als Dietrich Bonhoeffer es in diesem Text getan hat, kann man Gottvertrauen nicht ausdrücken“, fasste Josef Wüllner diesen besonderen Text zusammen. Mit dem Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“, den bereits Zar Alexander I. 1822 in Sankt Petersburg aufspielen ließ, leiteten die Belecker Sänger das Ende ihres geistlichen Konzertes ein.

Hier waren dann nach gut anderthalb Stunden auch die Zuhörer selbst gefragt: „Unser Chorleiter Matthias Krömer hat noch nie einen Massenchor geleitet; heute können Sie ihm dazu verhelfen“, forderte Josef Wüllner die Gäste mit einem Augenzwinkern auf, bei den „Irischen Segenswünschen“ mitzusingen.

Das gelang so gut, dass Chor, Streichquartett und Zuhörer sich gleich selbst eine Zugabe gaben und die erste Strophe dieses bekannten Liedes noch einmal sangen.