Soester Institut hilft Lichtindustrie bei der LED-Wende

Stefan Pohl
Feste Kooperationspartner des Fraunhofer-Zentrums ist unter anderem Trilux in Arnsberg, die zum Teil ihre Forschungstätigkeiten in das Soester Zentrum ausgelagert haben.
Feste Kooperationspartner des Fraunhofer-Zentrums ist unter anderem Trilux in Arnsberg, die zum Teil ihre Forschungstätigkeiten in das Soester Zentrum ausgelagert haben.
Foto: Ted Jones
Das Fraunhofer-Zentrum für Anorganische Leuchtstoffe rückt die Unternehmen der Branche in der Region Südwestfalen ins rechte Licht.

Hagen/Soest. Dass das Sauerland eine Region der Leuchtenindustrie ist, dürfte bekannt sein. Zahlreiche mittelständische Unternehmen produzieren Lampen und Leuchten für den nationalen und internationalen Markt.

Die Umstellung auf LED gilt als Gebot der Stunde. Dass es in der Region Südwestfalen für Firmen aber auch einen wissenschaftlichen Ersthelfer bei Problemen auf diesem Weg gibt, wissen nur wenige.

So versteht sich jedenfalls das seit gut einem Jahr bestehende Fraunhofer-Anwendungszentrum für Anorganische Leuchtstoffe auf dem Gelände der Fachhochschule in Soest, das jetzt eine erste Zwischenbilanz seiner Arbeit gezogen hat. „Wir verstehen uns als genereller Ansprechpartner in der Region für Probleme auf materialwissenschaftlicher Basis“, erklärt der Leiter Prof. Stefan Schweizer.

Feste Kooperationspartner

Materialanalyse - was heißt das? Es geht nicht nur um Leuchten. Auch mittelständische Unternehmen aus der Beschichtungstechnik und der Galvanik können sich an die Soester wenden - „das decken wir mit ab“, betont Prof. Schweizer, der 12 Mitarbeiter beschäftigt.

Feste Kooperationspartner des Fraunhofer-Zentrums sind die drei südwestfälischen Leuchten- und Lampenriesen, Hella (Lippstadt) sowie Trilux und BJB (Arnsberg), die zum Teil ihre Forschungstätigkeiten in das Soester Zentrum ausgelagert haben.

Für die kleineren Mittelständler geht es weniger um bezahlte Aufträge, sondern um gemeinsame Forschungsprojekte und Hilfen mit dem Ziel öffentlicher Förderung. Die Probleme können vielfältiger Natur sein: Auf der einen Seite die Erforschung und Bewertung neuer Leuchtstoffe, auf der anderen Material- und Defektanalyse, wie Prof. Schweizer erläutert.

Also etwa Ausfallerscheinungen bei Bauteilen, die Verträglichkeit von Elektronik mit Kunststoffen, die Belastung elektrischer Bauteile, Lebensdauer und Energieausbeute von LED und vieles mehr. Wie mache ich eine LED so stabil, dass sie tatsächlich die versprochenen 25 Jahre hält?

Wie kann ich mit LED zusätzliche Funktionen in Pkw entwickeln? Oder wie kann ich Licht funktionalisieren - morgens anregend, abends beruhigend - solche Fragen stellt man sich in Soest. Wichtig schon für einen kleinen Hersteller von Shop-Beleuchtung in einem Modegeschäft.

„Für uns geht es um die Frage: Wie können wir in der LED-Welt am besten Fuß fassen“, sagt Ulrich Klein, kaufmännischer Leiter bei BJB in Arnsberg. „Wir brauchen Wissen, das in die Tiefe geht.“ Auf der Rückseite einer LED etwa treten große Wärmemengen auf, die abgeleitet werden müssen. Dafür gibt es Kühlkörper. „Das ist für uns ein neues Gebiet“, so Klein. BJB lasse das in Soest bei Prof. Schweizer erforschen - nur dort seien die notwendigen hochspezifischen und extrem teuren Messgeräte dafür vorhanden.

Kunststoff altert

„Kunststoff in LED altert mit der Zeit, dann bekommt man die Lichtfarbe nicht mehr, die man sich wünscht“, ergänzt Dr. Ilona Lange, Hauptgeschäftsführerin der IHK Arnsberg und promovierte Chemikerin, die zum Beirats-Vorstand des Zentrums gewählt wurde.

Oder die Frage: Wie wirken sich Lacke oder Klebstoffe auf LED aus? Auch ein Anwendungsgebiet für die Soester. „Fraunhofer-Zentren in der Region sind richtig klasse“, schwärmt Lange und verweist auf ein zweites Forschungsinstitut für Mikrobiologie in Schmallenberg.

Die Werbetrommel für das Soester Zentrum hat sie schon gerührt. Zu einer gemeinsamen Veranstaltung in der IHK seien Vertreter von 90 regionalen Unternehmen erschienen.

Das ist es, was Prof. Schweizer sich wünscht: mehr Öffentlichkeit. „Die Hemmschwelle, uns mit materialwissenschaftlichen Fragen anzusprechen, wird oft unterschätzt.“ Rund zehn Unternehmen aus der Region haben schon wegen gemeinsamer Projekte bei ihm angeklopft: „Mir wäre es lieb, wenn wir das Spektrum noch erweitern könnten.“