So erholsam wie ein langer Spaziergang

Hans-Albert Limbrock
Gepflegt alt werden: Die Maltherapie ist im LWL-Pflegezentrum sehr beliebt. Fotos: Hans-Albert Limbrock
Gepflegt alt werden: Die Maltherapie ist im LWL-Pflegezentrum sehr beliebt. Fotos: Hans-Albert Limbrock
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Warstein.  Im LWL-Pflegezentrum steht Malen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Bewohner.

Tannenbäume - warum eigentlich nicht? Oder Osterhasen, die gehen auch. Frau Lürsen und Frau Korte (Namen von der Redaktion geändert) haben sich auf diese beiden Motive spezialisiert - auf nichts anderes. Mit der Ausdauer und Beharrlichkeit eines Fließbandarbeiters bringen die beiden Frauen ihre Motive zu Papier. Unermüdlich füllen sie Seite für Seite. „Osterhase fertig“, ruft Frau Lürsen und legt wieder ein Bild mit einem Osterhasen auf den Stapel vor sich.

Barbara Sauerwald schaut den Damen und Herren über die Schultern und schenkt ihnen hin und wieder ein liebevolles Lächeln: „Sehr schön. Das gefällt mir wirklich gut.“ Die Künstlerin und Kunsttherapeutin aus Soest kommt einmal in der Woche in das LWL-Pflegezentrum Warstein.

Frauen sind in der Überzahl

Malen gehört bei vielen der Bewohnerinnen und Bewohner zu den besonders beliebten tagesstrukturierenden Angeboten. Acht bis zehn Männer (eher weniger) und Frauen (in der Überzahl) kommen zur Kunsttherapie. „Ich begleite das hier nur“, erklärt Sauerwald, „ich lasse sie einfach malen und unterstütze den Malprozess allenfalls. Aber wer Hilfe braucht, bekommt die natürlich. Wichtig ist, dass jeder die für ihn richtige Geschwindigkeit wählen kann.“

So ein wenig erinnert das dann manchmal an eine Malstunde in einer Kreativwerkstatt, auch wenn es sich häufig um Bilder mit sehr einfachen Motiven handelt, auf die die Bewohner zurückgreifen – eben Tannenbäume oder auch Osterhasen. Brabara Sauerwald: „Ich erwarte keine Technik, sondern die Freude am Tun. Deshalb ist auch nicht etwa das fertige Bild das Ziel, sondern die Entstehung eines Bildes als einen freudvollen Prozess zu erfahren.“

Versunken und lautlos

Versunken und weitgehend lautlos widmen sich die „Künstler“ dabei ihren Werken. Vielen vergeht die Stunde viel zu schnell. Sie haben beim nächsten Mal die Chance, das Bild zu vollenden. Barbara Sauerwald selbst empfindet dieses Angebot als eine für sie besonders wertvolle und intensive Erfahrung: „Der Ideenreichtum ist einfach unerschöpflich. Ich finde in diesen Bildern sehr viel Echtheit und Intensität.“

Das wurde auch bereits in einer Ausstellung dokumentiert. Eine weitere soll folgen. Dass ihre Schüler einmal die Lust verlieren, fürchtet die Kunsttherapeutin nicht: „Wir können ja jeden Tag sprechen, also können wir auch jeden Tag malen. Wenn man es richtig macht, erfährt man am Ende eine erfüllte Zufriedenheit wie nach einem ausgedehnten Spaziergang.“