Senior verschenkt Haus - Caritas warnt vor "bösen Buben"

Es gibt großes Interesse an seinem Angebot: Herbert Hocke (91) hat sich entschlossen, sein Haus in der Ortsmitte von Hirschberg an eine Familie zu verschenken, die ihn bis zu seinem Lebensende versorgt.
Es gibt großes Interesse an seinem Angebot: Herbert Hocke (91) hat sich entschlossen, sein Haus in der Ortsmitte von Hirschberg an eine Familie zu verschenken, die ihn bis zu seinem Lebensende versorgt.
Foto: WP
Diese Idee findet offensichtlich Anklang: Ein 91-jähriger Rentner aus Hirschberg will sein Haus verschenken. Bedingung: Der Beschenkte muss ihn bis zu seinem Lebensende betreuen und pflegen. Erste "Bewerbungen" sind eingegangen, doch Experten warnen Schenker und potentiell Beschenkte.

Belecke. Riesengroß ist die Resonanz auf unseren Bericht über Herbert Hocke aus Hirschberg: Der 91-Jährige möchte sein Haus verschenken an diejenigen, die ihn bis zu seinem Lebensende betreuen und pflegen. Die ersten „Bewerbungen“ liegen in der Redaktion vor.

Auf jeden Fall Testament machen

Doch was kommt auf die Interessenten zu, wenn sie sich bereit erklären, als Gegenleistung für das geschenkte Haus den Senior zu pflegen? Werner Koßmann, stellvertretender Leiter der Caritas-Sozialstation in Belecke, kennt sich rund um das Thema Pflege bestens aus. Grundsätzlich würde er Herrn Hocke von diesem Schritt abraten: „Ich hätte den Mut nicht. Es gibt bestimmt bessere Alternativen“, sagt er und weist auf andere Angebote wie Altersruhesitz oder betreutes Wohnen hin. Eine Empfehlung, worauf Herbert Hocke bei der Auswahl der Bewerber besonders achten sollte, will er nicht geben. „Man kann den Leuten ja nur vor den Kopf gucken, wenn sie dann bei ihm wohnen, könnte es schnell vorbei sein mit der Freundlichkeit“, gibt Koßmann zu bedenken.

In jedem Fall rät er ihm, ein Testament aufzusetzen, das festlegt, dass die Bewohner das Haus – laut Hocke immerhin im Wert von 85.000 Euro –- erst nach seinem natürlichen Ableben erben. „Es gibt sicher einige böse Buben, die ganz andere Absichten haben“, so Koßmann. Gut wäre es, wenn eins von Hockes Kinder beim Besuch der Bewerber dabei sein könnte.

Bei der Auswahl der Interessenten wäre es für Herbert Hocke von Vorteil, wenn er oder sie aus dem Bereich Pflege kommen. „Aber in erster Linie müssen sie zueinander passen“, erklärt der Caritas-Mitarbeiter. Er bietet auch eigene Beratung an, denn „viele wissen nicht, was an Pflege auf sie zukommen kann; man kann ja nicht in die Zukunft blicken.“ Es könnte ja auch sein, dass der Senior noch zehn Jahre lebt und vielleicht zu einem Pflegefall wird. „Oder er wird dement. Dann ist eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung notwendig und das ist Schwerstarbeit“, weiß der Fachmann.

Er will den ernsthaften Bewerbern jedoch nicht bange machen: Der Caritas-Sozialdienst beispielsweise könnte über Tag die komplette Pflege zu Hause übernehmen. Daher müsse vorab die wichtige Frage geklärt werden, ob dies die Pflegenden aus ihrer Tasche oder Hocke von seiner Rente bezahlen muss.

 
 

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