RWE-Aktien: Kreis Soest zieht die Reißleine

Der sogenannte RWE Tower, Zentrale des Energiekonzerns RWE.
Der sogenannte RWE Tower, Zentrale des Energiekonzerns RWE.
Foto: dpa
Verkaufen oder halten? Kursverfall wirkt sich negativ auf Bilanz der Tochter Lörmecke Wasserwerke aus. Kreis kann jetzt spontaner handeln

Soest/Warstein.  „Möglicherweise negative Folgen für die Kreisumlage.“ Das sind laut Warsteins Kämmerer Stefan Redder die einzigen denkbaren Auswirkungen eines Beschlusses des Kreisausschusses für Regionalentwicklung vom Mittwochabend auf die Wästerstadt. Es geht um 300 766 RWE-Aktien und ihren Tiefflug auf aktuell rund 13 Euro einschließlich der mittlerweile ausfallenden Dividende.

Aus diesem Grund hatte der Ausschuss die Rückübertragung der aus steuerlichen Gründen an die Beteiligungsgesellschaft der kommunalen RWE-Aktionäre (RWEB) ausgeliehenen RWE-Aktien der Lörmecke Wasserwerk GmbH (LWW) auf den Kreis Soest beschlossen - zum 4. Oktober dieses Jahres zum Tageskurs. Mit einem kleinen Risiko für Warstein: „Falls der Kurs der RWE-Aktie weiter fällt, müsste der Kreis Soest im Jahresabschluss dann eine Wertkorrektur nach unten vornehmen“, erklärt Redder. „Dies würde dann das Kreis-Ergebnis verschlechtern und könnte möglicherweise die Kreisumlage belasten.“ Die Stadt Warstein plant den Vorausberechnungen zufolge im laufenden Jahr die Zahlung von 11,8 Millionen Euro Kreisumlage.

Beschlossen wurde in Soest, den Wertpapierleihvertrag der Lörmecke Wasserwerke mit der RWEB zum 30. September zu kündigen, die dann von LWW gehaltenen RWE-Aktien zum Tageskurs am 4. Oktober zurück an den Kreis Soest zu übertragen und das Gesellschafterdarlehen zwischen LWW und dem Kreis Soest zu diesem Zeitpunkt aufzulösen. Ziel ist es laut Beschlussvorlage, den Kreistag des Kreises Soest „zeitnah handlungsfähig zu machen in der Frage nach einem weiteren Halten der RWE-Aktien oder einem Verkauf“. Im Klartext: Man traut dem Braten nicht, ist skeptisch, ob der Kurs der RWE-Aktie nachhaltig steigt und der von der Energiewende gebeutelte Konzern wieder Dividende zahlt.

Was für eine Entwicklung des Energieriesen, was ist aus der ehemaligen Cash-Cow für Gemeinden und Kreise geworden? Ein Sorgenbringer, der die Bilanz von Kreis-Töchtern belastet. „Wir als Stadt halten keine RWE-Aktien, und darüber bin ich froh. Wir haben damit nichts zu tun“, stellt Warsteins Kämmerer Redder klar. „Das ist allein Sache des Kreises und der Lörmecke Wasserwerk GmbH.“ Der Kreis wolle sich offenbar eine Hintertür offenhalten, spontan zu verkaufen.

Schritt wird heiß diskutiert

Der RWE-Konzern wollte sich dazu nicht äußern, diese Vorgänge bei kommunalen Aktionären kommentiere man nicht, hieß es. Dem Vernehmen nach wird derzeit in vielen Kommunen und Kreisen heiß darüber diskutiert, bei dem Energieversorger auszusteigen. „Für den Fall, dass wir die RWE-Aktien verkaufen - es ist als kommunaler Aktionär gar nicht so einfach, da rauszukommen“, erklärt Wilhelm Müschenborn, Sprecher des Kreises Soest. Das Ganze sei kompliziert, aber mit der Entscheidung des Kreis-Ausschusses nun etwas einfacher geworden. Auswirkungen auf Kreishaushalt und Kreisumlage sieht Müschenborn im Gegensatz zu Redder nicht: „Dadurch ergeben sich für den Kreis Soest bilanzielle Auswirkungen, aber keine Ergebnisbelastungen.“

 
 

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