Redaktions-Regeln

In Wien soll ein Mann kürzlich erst sich und dann seine Frau erschossen haben. So stand es schwarz auf weiß in einer österreichischen Lokalzeitung. Verrückte Sache, oder? Auf Facebook sammelt ein Lokaljournalist aus dem Münsterland seit ein paar Tagen solche und ähnliche Kuriositäten und Stilblüten aus deutschen Zeitungen: Perlen des Lokaljournalismus. Nach einer Woche haben schon 10 000 User auf „Gefällt mir“ gedrückt.

Die Seite zeigt, dass auch erfahrenen Journalisten scheinbar offensichtliche Fehler, Ungenauigkeiten und Zahlendreher durchgehen können. Bei der WP habe ich schon in den ersten Monaten meines Volontariats einige grundlegende Regeln gelernt, mit denen manche dieser Stilblüten leicht zu vermeiden gewesen wären:

1. Achte immer auf die richtige Schreibweise von Namen! Ob eine Tageszeitung aus Baden-Württemberg sonst den Top-Torschützen des örtlichen Fußballclubs Jonathan Schluckspecht genannt hätte, obwohl er eigentlich Kleinknecht heißt?

2. Obacht bei Metaphern und Redewendungen! Sonst müssen noch die Arme hochgekrempelt werden, bevor ein Beinamputierter wieder auf freien Fuß gesetzt werden kann.

3. Füll nie Blindtext in die Textförmchen! Denn ob sich Leser dafür interessieren, dass „Ute die Zeile noch machen muss“ oder ein „fettes Bild von ganz vielen schwitzenden Studenten“ eingeplant ist?

4. Statistiken müssen doppelt geprüft werden! Denn die Information, dass „jeder Dritte stirbt“, hatte eine Zeitung aus dem Münsterland kürzlich weltweit exklusiv.

Und doch haben wir auch in der WP schon einmal Namen falsch geschrieben, schiefe Bilder verfasst oder Fülltext stehen lassen. Dafür an dieser Stelle ein für alle Mal: Entschuldigen Sie, bitte!

 
 

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