Psychotherapeuten diskutieren über Krise in Lebensmitte

Damit die Midlife-Crisis nicht zur Depression wird, hilft Ungehorsam manchmal weiter.
Damit die Midlife-Crisis nicht zur Depression wird, hilft Ungehorsam manchmal weiter.
Foto: dpa
Kaum eine Lebensphase ist so anstrengend wie die Lebensmitte. Um die speziellen psychischen Probleme der 40- bis 60-Jährigen ging es deshalb am Dienstag beim 25. Psychotherapie-Symposion der Warsteiner LWL-Klinik. Das Fazit der Referenten: Ein wenig Ungehorsam kann helfen.

Warstein..  „Menschen zwischen 40 und 60 werden von beiden Seiten aufgefressen“, wird Prof. Dr. Peter Glanzmann, Diplom-Psychologe von der Universität Mainz, deutlich. „Sie müssen sich um ihre Kinder ebenso sorgen wie um ihre Eltern – und haben dabei keine Gelegenheit, sich um sich selbst zu kümmern.“

„Die Mitte des Lebens ist eine harte Zeit“, betont auch Thomas Profazi, stellvertretender Landesrat des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). „Menschen lernen, dass sie bestimmte Potenziale nicht ausgelebt haben, dass bestimmte Möglichkeiten nicht mehr da sind.“ Psychotherapie müsse mit ihren Behandlungsangeboten auf diese Probleme eingehen. Die LWL-Klinik in Warstein sieht Thomas Profazi gut aufgestellt: „Hier gibt es schon spezielle Ü50-Angebote.“

Der stellvertretende ärztliche Direktor, Dr. Martin Gunga, berichtete, dass „viele Patienten zwischen 40 und 60 mit besonderen Problemlagen zu uns kommen“. Für sie könnte die Abkürzung LWL auch für etwas anderes stehen, glaubt Martin Gunga: „Locker weiter leben.“

Lebensfreude behalten

Denn die Mitte des Lebens hat mehr zu bieten als Rückenschmerzen nach einer Nacht auf der Luftmatratze oder Lungenrasseln nach einem Kurzsprint zum Bus – das sagt auch Prof. Peter Glanzmann: „Nur wenn Menschen ihre Lebensfreude behalten, können sie die auch weitergeben.“ Und dafür genüge es schon, hin und wieder einmal an sich selbst zu denken.

Diplom-Psychologin Marie-Luise Conen aus Berlin empfiehlt, sich mehr Flexibilität zu erlauben. „Ungehorsam schafft Nischen, um Luft zu holen und Kraft zu tanken“, wirbt Conen für kalkulierte Regelverletzungen. „Ungehorsam verschafft neue Erfahrungen und damit eine größere innere Sicherheit.“

Weitere Referenten sprachen über die Lernkompetenz von Ü40-Jährigen, über Muße und Gelassenheit sowie über das Training emotionaler Kompetenzen. Nachmittags vertieften die Teilnehmer ausgewählte Themen in Workshops.

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