Pinguine sollen dem Aqua-Fun in Soest Auftrieb geben

Im Spaßbad Spreewelten in Lübbenau fühlen sich die Pinguine offenbar wohl. In Soest will man sich die Idee nun abgucken, um mehr Badegäste anzulocken.
Im Spaßbad Spreewelten in Lübbenau fühlen sich die Pinguine offenbar wohl. In Soest will man sich die Idee nun abgucken, um mehr Badegäste anzulocken.
Foto: picture alliance / dpa
Damit das Freizeitbad für Besucher attraktiver wird, wollen die Betreiber Humboldt-Pinguine anschaffen. Tierschützer halten davon nichts.

Hagen/Soest.. Bevor das Wasser bis zum Hals steht, sollen die Pinguine Auftrieb geben. 15 bis 20 davon will man in Soest für das Freizeitbad Aqua-Fun anschaffen, um wieder mehr Besucher anzulocken.

1,6 Millionen Euro Minus verzeichnet das Bad nämlich jedes Jahr, so die Bilanz von Hans-Ulrich Koch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Soester Stadtwerke, Gesellschafterin der Aqua-Fun. Zwar seien Schwimmbäder für Kommunen immer ein Zuschussgeschäft, so Koch. „Damit das Defizit aber nicht noch größer wird, müssen wir das Bad aufhübschen“, erklärt er. Schließlich wolle man die Preise für die Besucher stabil halten. Rutschen sind zum Beispiel im Gespräch, aber die gebe es schon in vielen anderen Bädern rundherum, überlegt Koch.

Pinguine dagegen – die hält bisher allein ein Brandenburger Spaßbad in Lübbenau. Dort schwimmen die Humboldt-Pinguine mit den Besuchern um die Wette, getrennt durch eine Glasscheibe im eigenen Becken.

380 000 Gäste zählt man im Aqua-Fun jedes Jahr. 100 000 mehr hofft man in der Region abzufischen, wenn erst einmal die Pinguine in Soest aufgetaucht sind. So verspricht es zumindest ein Gutachten, das der Stadtwerke-Aufsichtsrat in Auftrag gegeben hat. Wie viele Besucher wegbleiben aus Protest gegen die Tierhaltung – das steht jedoch offenbar nicht im Gutachten. Zwei Millionen Euro müsste man erst einmal ins Bad investieren, zitiert Koch aus der Expertise. Wie hoch aber später die jährlichen Betriebskosten sind für die Haltung der Tiere – das vermag der Aufsichtsratsvorsitzende nicht zu beziffern.

Zu hoch wäre der Preis in jedem Fall für die Pinguine, glauben die Tierschützer in der Region. Die „Lippstädter Pfotenhilfe“ hat daher längst eine Petition gestartet, 1800 Unterschriften gegen die Haltung der Pinguine gesammelt und dem Soester Bürgermeister überreicht. Annähernd 3500 Unterstützer hat eine Facebook-Seite unter der Überschrift „Gegen Pinguine im Aqua-Fun“ bereits gesammelt. „Pinguine sind sehr sensibel und geräuschempfindlich“, befürchtet Lena Mairing von der Lippstädter Pfotenhilfe, dass viele Tiere die Haltung in Soest nicht überleben. Zumal die Tiere sehr neugierig seien, womöglich Dinge schnappten, die die Badegäste in ihr Becken werfen, und dann daran verenden, mahnt Mairing.

Hohe Kosten

Zoologen dagegen lehnen die Haltung im Spaßbad nicht grundsätzlich ab. „Das ist jedoch ein enormer Aufwand“, warnt Heike Kück, Direktorin des Zoos in Bremerhaven, der mit seinen schwulen Humboldt-Pinguinen berühmt geworden ist. „Die Tierhaltung muss eine extrem hohe Qualität haben“, betont sie. Vom Menschen getrennte Wasserbecken, erstklassige Wasserqualität, aufwändige Filteranlagen, nennt sie. Mindestens zwei Tierpfleger, die sich an 365 Tagen im Jahr um die Pinguine kümmern, sie zwei Mal täglich füttern. Gefrieranlagen, in denen hochwertige Fische, und zwar verschiedene Sorten, tiefgekühlt aufbewahrt werden. Und natürlich ein spezialisierter Tierarzt in der Nähe. „Das sind enorme Kosten“, warnt die Expertin.

Ein ethisches Problem

„Das ist eher ein ethisches Problem“, lehnt Beatrix Köhler, Leiterin der zoologischen Abteilung im Münchner Tierpark Hellabrunn, die Pläne ab. Tiere nur als Spaß im Hintergrund zu halten, ohne dass sich die Besucher mit ihnen befassen, etwas lernen und erfahren, wie gefährdet die Humboldt-Pinguine in ihrer Heimat durch Umweltverschmutzung und den Raubbau des Menschens sind – das will sie nicht gut heißen.

Ob solche Einwände die Soester Pläne wegspülen können, das wird sich am kommenden Montag entscheiden. Dann will der Stadtwerke-Aufsichtsrat beschließen, ob die Idee weiterverfolgt wird – oder versinkt.

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