Nur Fußball wird heute nicht mehr gespielt

Tanja Frohne

Altenrüthen.  Ganz dem Fußball verschrieben hatten sich die Männer, die vor 60 Jahren den Sportverein Altenrüthen gründeten. Diese Zeiten sind längst vorbei, denn heute präsentiert der SV ein breit gefächertes Angebot sportlicher Aktivitäten, bei dem nur eines fehlt: Der Fußball. Die Neustrukturierung war jedoch nötig, um den Verein zu retten: „Beim letzten Jubiläum hat man schon gemerkt, dass der Verein ohne Fußballmannschaft und aufgrund von Nachwuchsmangel auf schwierige Zeiten zusteuerte“, erinnert sich Hartmut Modes, 2. Vorsitzender, dem die Neubelebung des Vereins im Jahr 2007 zu verdanken ist.

„Damals hat sich ein Vorstand zusammengefunden, der neue Wege gehen wollte“, erklärt er. Weg vom reinen Fußballverein, hin zum Freizeit- und Breitensport, lautete damals die Devise. „Wir haben versucht, ein attraktives Kursprogramm aufzubauen – dieses zieht Teilnehmer weit über die Ortsgrenzen hinaus an.“ Das liegt auch an der Qualität der Kurse: „Wir sind immer bemüht, qualifizierte Kursleiter zu bekommen“, betont Modes, macht ebenso klar, dass die Montags-Turnerinnen und die Alten Herren über das vergangene Jahrzehnt hinaus ein wichtiger Grundpfeiler des Vereins gewesen sind.

Vom Kartenspiel zum Fußball

Letztere sind ein Überbleibsel der Fußball-Abteilung, mit der vor 60 Jahren alles anfing. Eines der Gründungsmitglieder, das vor 60 Jahren mit den Anstoß gab, damit der Ball rollt, war Adolf Blecke. Entstanden war die Idee der Vereinsgründung beim Kartenspiel, als Blecke mit Adolf Radin, Norbert Radin und Rainer Gockel zusammen saß. Warum gründen wir im Dorf nicht einen Fußballverein, fragten sie sich damals.

Zunächst ging es darum, den passenden Platz zu finden. „Der einzig geeignete Ort war die Wiese von Anton Klaus, er hat sich bereit erklärt, das Grundstück zu tauschen“, erläutert Blecke. Zum Ausgleich erhielt dieser ein Siedlungsgrundstück im Bruch. Der Platz wurde dem SV, der sich am 25. Juni 1956 gründete, wobei Heiner Fritz der Gründungsvorsitzende wurde, von der Gemeinde Altenrüthen verpachtet unter der Bedingung, dass die Schule diesen ebenfalls benutzen durfte.

Der zweite 1. Vorsitzende des SV und Nachfolger von Heiner Fritz wurde Reinhard Gockel, dessen Ehefrau die treueste Anhängerin des Vereines war, diesem bei jedem Auswärtsspiel hinterher reiste.

„Wir haben praktisch nur an den Wochenenden gespielt“, erzählt Blecke von den Anfängen. Ein regelmäßiges Training fand damals nicht statt. „Wir sind auch in der Woche mal zusammen gekommen, wenn wir Zeit hatten, aber im Grunde gab es kein Training.“ Dass man damals 1. Kreisliga spielte, hört sich nur gut an: „Das war die unterste Liga.“ Schlecht spielten die Altenrüthener aber nicht. „Wir haben immer die Pokale geholt.“

Die Elfmeter musste immer Heinz Radin schießen, der nur einmal bei einem Spiel in Kallenhardt einen Elfmeter verschoss: Am Vorabend war er Vater geworden.

Ehrenamtspreis erhalten

Nach den Spielen hatten die Sportler die Möglichkeit, sich in einem Raum in der Schule zu duschen und umzuziehen - das war schon Luxus, denn in den Anfängen ging es bei „Pils“ in die Waschküche.

Später machte man sich im Keller der Gaststätte Henne einen Raum fertig, bevor es in die Schule ging.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Die Duschräume im heutigen Kindergarten werden längst anderweitig genutzt. Trotzdem steht der Sportverein gut da – und ist bestens gerüstet für die Zukunft, was im vergangenen Jahr auch mit dem Ehrenamtspreis des Kreises Soest honoriert wurde. „Das hat uns bestärkt, das wir auf dem richtigen Weg sind“, meint Hartmut Modes.