NS-Vergangenheit: Straße soll umbenannt werden

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Warstein.. Starker Tobak, oder? Für solche Zitate hätte man heutzutage schnell eine Anzeige am Hals. Dass der Satz aus der NS-Zeit stammt, mag das Maß der Empörung etwas eindämpfen. Und trotzdem hat es der Zitatgeber in Warstein zu einer eigenen Straße gebracht. Wegen des braunen Beigeschmacks soll der jetzt weg. Ärger ist dabei schon vorprogrammiert.

Eine Sommerloch-Idee sei das nicht, sagt Gerd Flaig, Vorstandsvorsitzender des SPD-Ortsvereins Warstein. Flaig macht sich dafür stark, dass der Name Karl Wagenfeld bald Geschichte in Warsteins Dichterviertel ist. „Es geht einfach nicht, dass ein Mann mit einer so offensichtlich nationalsozialistischen Vergangenheit hier bei uns einer Straße seinen Namen gibt“, sagt Flaig. Schon 2006 hatte die SPD einen entsprechenden Antrag auf Namensänderung an die Stadtverwaltung gestellt. Weil es aber keine Alternative gab, blieb es bei Karl Wagenfeld. Jetzt gibt es eine: Die Straße soll in Josefa-Hoffmann-Straße umbenannt werden. Das ist der Name einer 1988 verstorbenen Warsteiner Heimatdichterin.

So ahnungslos wie es viele Warsteiner es in Sachen Wagenfeld sein dürften, ist auch Wolfgang Nadolny, der in besagter Straße lebt. „Ich weiß doch nicht wer das ist und mir ist auch egal, was der vor 70 Jahren mal gesagt hat“, sagt der Anwohner. Zur Aufklärung: Karl Wagenfeld war ein in Lüdinghausen geborener Heimatdichter, Lehrer und Redakteur. Er starb 1939 in Münster.

Eine Veröffentlichung des LWL-Historikers und Karl-Wagenfeld-Experten Karl Ditt aus dem vergangenen Juli hat jetzt bei der Warsteiner SPD wieder die Alarmglocken schrillen lassen. Ditt erklärt darin, dass Wagenfeld stark rassistisches Gedankengut verbreitet habe. „Das ist für uns absolut nicht hinnehmbar. Der Name muss weg. Und ja, ich weiß, dass das für Ärger sorgen wird“, sagt Gerd Flaig von der Warsteiner SPD.

Damit liegt Flaig goldrichtig. „Es war ja klar, dass sowas wieder von der SPD kommen musste. Die sollen sich alle zusammen um den Nothaushalt unserer Stadt und nicht um so einen Mist kümmern“, sagt Anwohner Nadolny.

Der bürokratische Aufwand der durch die Namensänderung entstehe, würde den reinsten Marathon nach sich ziehen. „Man müsste Hunderte Adressen ändern lassen. Einige sogar das Grundbuch ihres Hauses“, sagt Nadolny.

Hans-Georg Hoffmann, Sohn der verstorbenen Heimatdichterin Josefa Hoffmann, ist der ganze Wirbel fast schon ein bisschen peinlich: „Ich würde mich zwar freuen, wenn eine Straße nach meiner Mutter benannt würde. Aber mit diesem Vorstoß jetzt habe ich nichts zu tun“, sagt der 68-Jährige.

Weil viele Wohngebiete in Warstein von den Straßennamen her thematisch sortiert sind, würde der Name Josefa Hoffmann gut in das Dichter- und Denkerviertel im Süden der Stadt passen, meint Gerd Flaig.

Er und seine Parteikollegen haben auch andere Straßennamen abgeklopft. Über die Christine-Koch-Straße wenige Meter weiter sind sie auch gestolpert. „Sie hat etwas heldenhaft über das Nazitum geschrieben. Aber das hat Eichendorff auch gemacht“, sagt Flaig. Also keine Namensänderung? Flaig: „Nein, dann kämen wir aus dem Prüfen nicht mehr heraus.“

Wolfgang Nadolny wäre das recht: „Wenn das durchkommt, wird das Ding hier ein Boomerang. So ein Quatsch für ein Dutzend Häuser.“ Gerd Flaig nimmt den Protest gelassen: „Was die Politik macht und Bürger wollen, ist manchmal unterschiedlich.“

Josefa Hoffmann würde wohl mit ihrem letzten Buchtitel auf die Diskussion antworten:„Dat Liärwen ies kunterbunt“- das Leben ist kunterbunt.

 
 

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