„Noch nie im Oktober so wenig Pilze im Wald“

Foto: Patrick Pleul
  • In Warsteins Wäldern wachsen so wenig Pilze wie nie
  • Schuld ist die lange Trockenperiode im Spätsommer
  • Förster nicht böse: Pilzesammler stören das Wild

Warstein..  „Bisher habe ich im Wald so gut wie keine Pilze gesehen“, sagt der ehemalige Biologielehrer und Sichtigvorer Heimatpfleger Willi Hecker. Die lange Trockenheit im Spätsommer und Frühherbst habe den Pilzen kein Wachstum ermöglicht. „Vielleicht kommen ja noch einige“, macht er passionierten Pilzesammlern angesichts des Wetterwechsels Mut. Speisepilze wie Steinpilze kommen Heckers Erfahrung nach spät. Die Saison für den Hallimasch reiche sogar bis November.

„Es wird langsam kalt und daher ist die Zeit für Speisepilze um“, glaubt dagegen Warsteins Stadtförster Henning Dictus: „Ich habe noch nie im Oktober so wenig Pilze im Wald wachsen sehen.“

Förster deswegen nicht böse

Herbstzeit ist nun einmal Pilzezeit. Wer in guten Jahren im Wald unterwegs ist, vor allem, wenn es lange warm war und geregnet hat, kann sie förmlich wachsen sehen. Und riechen. Essbare Pilze schmecken in vielfältiger Form: Als Suppe, zum Salat, in der Soße, als Beilage. Ganze Familien sind am Wochenende unterwegs zum Pilzesammeln. Wie gesagt, in guten Jahren. 2016 ist keins.

Er sei aber deswegen nicht böse, sagt Dictus. Pilzesucher sind in seinen Augen im Vergleich zu Spaziergängern oder Nordic Walkern, die auf den Wegen blieben, eher lästig: „Sie laufen kreuz und quer durch den Wald, sind oft ganz früh am Morgen unterwegs und bewegen sich dabei leise. Das ist für das Wild sehr unangenehm.“ Eine rechtliche Handhabe habe er aber nicht. Pilzesammeln sei nur in Naturschutzgebieten und zu gewerblichen Zwecken verboten. Aber gewerbliche Zwecke seien nun einmal schwer nachweisbar.

Ungeduldigen Pilzesammlern rät der Stadtförster daher, dieses Jahr einfach abzuhaken: „Es lohnt sich nicht mehr.“ Es bringe nicht viel, durch die Wälder zu streifen, auch nicht, wenn es jetzt regne. Henning Dictus bekennt, Fan von Steinpilzen zu sein. „Die sind in der Pfanne sehr lecker.“ Aber er sammle nicht gezielt.

Regen reicht nicht aus

Nach Willi Heckers Ansicht fehlt nur das Wasser, das die Pilze speicherten, das sehe man beim Zubereiten in der Pfanne. Der Regen, der bis jetzt gefallen ist, reicht den Worten des Ortsheimatpflegers zufolge aber nicht aus – das Wasser sei noch nicht tief genug in den Boden eingedrungen.

Seine Aussage gelte jedoch nur für die Sichtigvorer Waldgebiete – „von den Tiefen des Arnsberger Waldes weiß ich nichts“. Der Unterschied zu guten Pilzjahren: „Sonst gibt es spätestens Anfang Oktober immer reichlich Pilze aller Sorten in unseren Wäldern“, erinnert sich Willi Hecker und rät Sammlern, noch etwas abzuwarten. Aber nicht, bis der Frost komme.

Keine Not in Restaurants

Dass in Warsteins Wäldern derzeit keine Pilze aus dem Boden schießen, ist für die Restaurants, die sie jetzt, im Herbst, vermehrt anbieten, kein Problem. „Wir nehmen natürlich nichts von Sammlern“, betont Susanne Kemker vom Restaurant Kemkers Bauernstübchen in Mülheim.

„Wir decken unseren Bedarf aus Russland, dem bekanntesten Herkunftsland etwa für Pfifferlinge“, betont sie. Aber die Pfifferlingszeit sei schon fast vorbei, jetzt seien Waldpilze an der Reihe, die vom Großmarkt bezogen würden. Susanne Kemker: „Wir machen gerade unsere saisonale Wildkarte fertig. Das passt hervorragend zusammen.“

 
 

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