Niederbergheimer engagieren sich für ihre Kapelle

Der Altarraum der St. Antonius Kapelle mit dem Kreuz und den Aposteln Petrus (l.) und Paulus (r.)
Der Altarraum der St. Antonius Kapelle mit dem Kreuz und den Aposteln Petrus (l.) und Paulus (r.)
Foto: WP

Niederbergheim..  „Die Bemühungen um den Erhalt der Kapelle sind auch heute noch fester Bestandteil und eine Hauptlebensader der Dorfgemeinschaft.“ Damit stellte Dietmar Brunstein in 2009 zum Jubiläum „100 Jahre Kapellenverein“ die Bedeutung des Vereins für den Ortsteil Niederbergheim heraus. Der damalige Vereinsvorsitzende - inzwischen hat Ewald Cruse das Amt übernommen - blickte zurück auf die Vereinsgründung mit dem Ziel, die Kapelle zu vergrößern und eine Geistlichenstelle für Niederbergheim einzurichten. So sorgten die engagierten - und zahlenden - Mitglieder dafür, dass die Ausstattung der Kapelle stetig verbessert werden konnte, „so dass sie bis heute ein Kleinod ist, das auch auswärtige Besucher immer wieder in Staunen versetzt“, so Brunstein.

Andreas Kühle, Schriftführer und zweiter Vorsitzender des Kapellenvereins, uns Kassierer Franz-Josef Schulte, setzen sich mit vielen anderen für die lebendige Vereinsarbeit ein. Stolz berichten sie von der Renovierung der Vikarie, dem Erneuern der Pflasterfläche um die Kapelle und das Einfrieden des Grundstücks mit einem schmiedeeisernen Zierzaun. Zuletzt wurde am Nebeneingang ein Satteldach aufgesetzt und verschiefert, das Krieger-Denkmal reinigte das Andreas Kühle. „Als nächstes steht die Orgel-Sanierung an“, berichtet Schulte. Ein Orgelbaumeister hat sehr starke Verschmutzungen an dem Instrument festgestellt, zudem „brummt“ der Motor, heißt, es ist etwas defekt. Der Kirchenvorstand Allagen hat zugesichert, einen Anteil mit zu finanzieren, „der Rest wird vom Kapellenverein bezahlt“, so Schulte.

Damals wie heute ist das Gotteshaus im Dorf fest verwurzelt. Der Hl. Antonius, Schutzpatron der Kapelle, ist der Patron der Bauern und Haustüre, der Metzger und Schutzheiliger gegen Seuchen. In der Kapelle befindet sich eine barocke Holzstatue; der Rüthener Bildhauer Paul Gladbach fügte der Darstellung ein Ferkel zu seinen Füßen hinzu sowie ein Stab mit Glöckchen als Hinweis auf das Mönchstum und das Buch als Attribut der Weisheit. Als Mitpatronin wird noch die Hl. Luzia, die „Leuchtende“, benannt, von der es aber keine Darstellung gibt.

Tatsächlich hat das Kirchlein eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Kapellengemeinde St. Antonius der Einsiedler feierte 1990 das 500-jährige Bestehen; die Entstehung des Ortes rund um die Kapelle des damaligen Augustinerinnenklosters. Die kleine Kapelle begleitete die Einwohnern Niederbergheims von Beginn an. Zu Beginn den letzten Jahrhunderts gab es nicht mehr genug Platz für alle Kirchenbesucher. Zur Erinnerung: Die Kapelle bestand nur aus dem jetzigen Turmbereich (also nur etwa ein Viertel der heutigen Größe), was durch einen Höhenversprung von circa 40 Zentimetern im Boden zu erkennen ist.

Kurz und gut: 1909 wurde der Kapellenverein Niederbergheim gegründete mit dem Ziel, die Mittel zu beschaffen zur Gründung einer katholischen Geistlichen-Stelle, wie es in den Statuten der ersten Satzung hieß. Das Ziel war also ursprünglich nicht der Bau einer neuen Kapelle, allerdings war für eine eigene Pfarrstelle auch ein größeres Gotteshaus erforderlich. So nahmen die Planungen für den Neubau ihren Lauf. Dieser erforderte größte finanzielle Anstrengungen. Nachdem die Kosten für einen kompletten Neubau zu hoch waren und dieses Ziel aufgegeben wurde, legte eine Soester Architekt den Entwurf für einen Erweiterungsbau vor, der nur etwa die Hälfte kosten sollten. Um dieses zu finanzieren, beschloss der Kapellen-Verein Anleihen bei den Einwohnern aufzunehmen, die mit 3,5 Prozent verzinst wurden. Ein Bankdarlehen bekam der Verein mangels Sicherheiten nicht. So erfolgte die Grundsteinlegung am 25. April 1921, am 18. Dezember desselben Jahren fand die kirchliche Benediktion statt.

Nach dem Krieg wurde eine neue Orgel und eine Warmluftheizung eingebaut, 1953 beschloss der Kapellenverein, ein Ehrenmal für die Gefallenen aus Sandstein zu errichten. Im August 1958 fand die Grundsteinlegung für die Vikarie als Wohnung für den jeweiligen Pfarrer statt; schon 1936 sollte ein solches Haus gebaut werden — durch den Krieg lagen die Pläne auf Eis. Im Juni 1960 konnte Pfarrer i.R. Eugen Hammeke in das neue Wohnhaus einziehen. Der Geistliche las dafür die hl. Messe in Niederbergheim.

Ein wichtiges Ereignis für den Kapellenverein war die Erbschaft der am 10. Mai 1968 verstorbenen Theresia Bergob. Der Verein erhielt einen wesentlichen Teil ihres Grundvermögens. Das Geld aus dem Verkauf der Flächen legte der Kapellenverein zinsgünstig an und seitdem dient es zur Finanzierung von Instandhaltungsarbeiten an der Kapelle und am Vikariegebäude.

Bei der ersten großen Renovierung 1970 erhielt die Kapelle eine komplett neue Inneneinrichtung. Bei der zweiten Renovierung 1986 wurde der Innenraum im barocken Stil neu ausgemalt, der Tabernakel wurde hinter dem Altar angeordert und die Fassade saniert. Den Kreuzweg stiftete Heidi Stockhausen aus Niederbergheim.

Überhaupt unterstützt die Niederbergheimer Bevölkerung nach wie vor großzügig die Arbeit des Kapellenvereins. Die Spendenbereitschaft zeigt sich alljährlich bei der Versteigerung der Waren, die die Steffensknechte am Zweiten Weihnachtstag mit ihrem Gesang sammeln. „Da staunt man dann, was einige bereit sind, für eine Wurst zu bezahlen“, freut sich Andreas Kühle über die Einnahmen. Allein im vergangenen Jahr kamen bei der Versteigerung in der Schützenhalle stolze 2600 Euro zusammen.

Ehrenamtlich aktiv sind auch Frauen aus der Gemeinde. Hedwig Kühle und Angelika Dinnebier kümmert sich um den Blumenschmuck in der Kirche, den der Verein finanziert, und die Pflege der Beete und Außenanlage. Elke Cruse zeichnet verantwortlich für den Pfarrbrief und übernimmt das tägliche Auf- und Abschließen der Kapelle. Sie ist bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

 
 

EURE FAVORITEN