Neuer Airport Kassel-Calden lässt Befürworter jubeln

Eröffnung des Flughafens Kassel-Calden am Donnerstag. Um 11.10 Uhr landete auf dem Flughafen in Nordhessen das erste Flugzeug.
Eröffnung des Flughafens Kassel-Calden am Donnerstag. Um 11.10 Uhr landete auf dem Flughafen in Nordhessen das erste Flugzeug.
Foto: Thomas Nitsche
Nur 70 Kilometer vom Flughafen Paderborn-Lippstadt wurde der neue Airport Kassel-Calden eröffnet. Für die Befürworter ist er ein Geschenk des Himmels. „Ist doch schön, dass wir jetzt wählen können“, meinen sie. Kritiker zweifeln hingegen an der Nachfrage.

Kassel/Paderborn.. Es muss eine Energieleistung gewesen sein, in den letzten Tagen, Wochen und Monaten in Kassel-Calden. Der Traum vom Flughafen hat Westfalens Nachbarregion Nordhessen Flügel verliehen. Am Donnerstag wurde der neue Regionalflughafen, für Befürworter ein Geschenk des Himmels, feierlich eröffnet.

Die gute Nachricht: Der Verkehrsflughafen, nur 70 Kilometer vom Airport Paderborn-Lippstadt entfernt in der 7500-Seelen-Gemeinde Calden gelegen, ist sehr gut gefüllt am Eröffnungstag. Mit Politikern, Wirtschaftsvertretern, aber auch zahlreichen Schaulustigen. Es herrscht Volksfeststimmung, nicht nur wegen der Bayern-Blaskapelle aus dem nahen Meimbressen.

Probelauf mit Statisten

Böse Zungen hatten bereits gemutmaßt, dass kürzlich beim Probelauf mit Statisten der größte Andrang auf absehbare Zeit geherrscht habe. Am Tag 1 des neuen Airports sind es geladene Gäste im Sicherheitsbereich des Flughafens, die miterleben, wie sich die Verantwortungsträger gegenseitig auf die Schulter klopfen. Trotz der jüngsten Negativberichte, in denen bezweifelt wurde, dass es eine Nachfrage für den neuen Airport gibt.

Ein Flughafen, den keiner braucht? Ein Pannen-Flughafen? Zumindest der Bau hatte nun gar nichts von dem Berliner „Problem-BER“, auch wenn die Kosten von 150 auf 271 Millionen Euro angestiegen sind. Und die Eröffnung erfolgt zum geplanten Zeitpunkt. So will sich der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bei seiner Rede im Festzelt die Freude nicht nehmen lassen: Kassel-Calden sei keine „planmäßige Geldverschwendung“, sondern eine „Infrastrukturmaßnahme in einer der dynamischsten Regionen Deutschlands“.

„Super-Schritt“

Auch Berthold Braun spricht von einem „Super-Schritt“. Mit seiner sechsköpfigen Jazz-Party-Band „Brass for fun“ sorgt der 48-Jährige aus Calden für Stimmung im Flughafengebäude, das alles andere als ein futuristisch anmutender Design-Bau ist. „Glory Halleluja“ spielen die Musiker - fast möchte man meinen, dass rund um Kassel Stoßgebete und –gesänge für einen erfolgreichen Airport-Betrieb zum Himmel gerichtet werden. Tubabläser Braun erinnert sich an die warnenden Stimmen vor 22 Jahren, als der ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe eröffnet wurde. „Der wurde ein großer Erfolg. Auch Ihre Sauerländer nutzen den Bahnhof in großer Zahl“, sagt er zu den Zeitungsleuten. Und überhaupt: „Mit dem Flughafen bietet sich die gute Gelegenheit, ganz nach oben zu kommen.“

Gudrun Krahn ist die erste Passagierin, die am Eröffnungstag um 13.45 Uhr am Schalter 1 für die erste Verbindung (Germania-Flug ST 2015 nach Antalya) eincheckt. Sie wohnt elf Kilometer vom Airport entfernt und ist begeistert, dass sie es jetzt ganz nah in Richtung Sonne hat. Sonst ist sie von Paderborn-Lippstadt aus geflogen. „Der Flughafen in Westfalen ist super und nur 50 Autominuten entfernt von hier.“

Nur über die Wirtschaft

Dagmar und Manfred Suck wohnen nur 15 Kilometer von Kassel-Calden entfernt. Sie wünschen dem „Wohlfühl-Flughafen“ (Eigenbeschreibung der GmbH) eine erfolgreiche Zukunft. „Ob er sich über den Personenverkehr rechnen wird, bezweifle ich“, sagt Suck. „Das geht nur über die Wirtschaft und über Frachtverkehr.“

Der erste Flug nach Antalya ist als Supersonderangebot beworben worden. „Wir haben die Anzeige in der Tageszeitung gelesen“, sagen Karin Hartmann und Wolfgang Koch in der Schlange vor Schalter 1, „und ganz spontan gebucht“. Im Juni fliegen sie wieder in die Sonne. Diesmal von Paderborn-Lippstadt. „Ist doch schön, dass wir jetzt wählen können.“

Vom neuen Flughafen geht es 21 Kilometer durch das ländliche Nordhessen zur Auffahrt der Autobahn 44 in Richtung Dortmund. Unterwegs verabschiedet sich ein Dorf am Ortsausgangsschild von den Durchfahrenden. „Kumm ma widda vorbei“ (komm mal wieder vorbei). So könnte es auch der Flughafen Kassel-Calden bei der Suche nach (genügend) Passagieren formulieren.

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