Mutter von getöteter Liesa S. sagt bei Prozessauftakt aus

Der Angeklagte Richard O. mit seinen Verteidigern Silvia Oster und Prof. Dr. Steffen Stern im Landgericht Arnsberg: Der 25-Jährige wird beschuldigt, seine Ex-Freundin Liesa S. getötet zu haben.
Der Angeklagte Richard O. mit seinen Verteidigern Silvia Oster und Prof. Dr. Steffen Stern im Landgericht Arnsberg: Der 25-Jährige wird beschuldigt, seine Ex-Freundin Liesa S. getötet zu haben.
Foto: Thomas Nitsche
Richard O. soll seine Ex-Freundin Liesa S. aus Werl getötet haben. Beim Prozessauftakt im Landgericht Arnsberg schwieg der 25-Jährige zur Person und zum Tatvorwurf. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus Essen Totschlag vor. Die verzweifelten Eltern des Opfers treten als Nebenkläger auf.

Arnsberg/Werl. Niemand kann es wirklich nachvollziehen. Das Leid des anderen bleibt sein Leid. Aber das Mitgefühl gehört Annette und Peter Schulte und ihrem Sohn Peter. „Für sie ist es ein ganz, ganz schlimmer Tag“, sagt Jutta Klaus. Die Anwältin aus Geseke vertritt die Eltern der getöteten Liesa S. aus Werl-Westönnen. Sie treten als Nebenkläger auf in dem Prozess, der am Dienstag begonnen hat.

Mehr als eine Stunde sitzt Mutter Annette in Saal 3 im Arnsberger Landgericht im Zeugenstand und beschreibt mit zittriger Stimme ihre Tochter - so als lebe sie noch: „Sie ist lustig, hübsch, überall angesehen und sehr zielstrebig.“

Liesas Mutter für eine Stunde im Zeugenstand

Immer wieder greift die 53-jährige Modeverkäuferin zur Wasserflasche, nimmt ein paar Schlücke, atmet schwer und kämpft beim Gedanken an ihre Tochter mit den Tränen. Der Vorsitzende Richter der Zweiten Großen Strafkammer, Willi Erdmann, spricht ihr Mut zu. „Sie werden es schaffen.“

Drei Meter links von ihr sitzt Richard O., der Mann, der Liesa erwürgt oder mit ihrem eigenen Schal erdrosselt haben soll. Die Werlerin würdigt ihn keines Blickes. Gerne würde sie dem 25-jährigen Essener auf der Anklagebank etwas Passendes sagen. Die Verfahrensordnung lässt dies nicht zu: „Dafür habe ich kein Verständnis.“

Angeklagter wirkte entspannt

Richard O. registriert dies ohne erkennbare Regung. Der in Mombasa in Kenia geborene Junggeselle, er hat die deutsche Staatsbürgerschaft, wirkt ruhig und entspannt, zeitweise sind seine Augen geschlossen. Er schweigt. Kein Wort zu seiner Person, kein Wort zum Tatvorwurf. Auch sein Vater und sein Bruder werden vor Gericht nichts zur Beziehung des jungen Paares sagen. Sie machen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Dafür beschreibt die Mutter des Opfers die Höhen und Tiefen der vierzehn Monate dauernden Beziehung. „Ja“, sagt die 53-Jährige, „Liesa war sehr verliebt.“ Das Verhältnis sei mit der Zeit immer komplizierter geworden. Richard O. habe Liesa ständig unter Druck gesetzt, sie offenbar nur für sich haben wollen. Sie sollte ihre Freunde auf Facebook löschen, nicht mehr mit ihren Freundinnen ausgehen.

Opfer und mutmaßlicher Täter versuchten, sich das Leben zu nehmen

Ihr Bruder Peter erinnert sich an einen Vorfall in der Düsseldorfer Altstadt. „Er hat ihr gedroht, sie umzubringen“, sagt der 20-Jährige. Die Beziehung entwickelt sich zu einem Drama. Richard O. unternimmt einen Selbstmordversuch, und auch Liesa S. versucht, sich mit Schlaftabletten und Alkohol das Leben zu nehmen. „Liesa hat oft geweint. Es war immer ein Hin und Her“, erinnert sich die Mutter. Die junge Frau verschließt sich der Familie, hält sich zu Hause nur in ihrem Zimmer auf. „Ich habe sie in dieser Zeit oft nicht wiedererkannt“, sagt Vater Peter.

Im Februar vergangenen Jahres fällt Liesa S. die Entscheidung, mit Richard O. Schluss zu machen. „Danach war sie“, so ihre Mutter, „viel zugänglicher. Wie eine Blume, die auf einmal wieder wächst.“

Liesa S. war monatelang vermisst

Liesa S. macht Pläne, will im Juni 2012 für ein Jahr in die USA, beginnt mit den den Vorbereitungen für eine Abschiedsparty. Richard O. will sie nicht aufgeben, bittet, so die Anklageschrift, noch einmal um eine „letzte Aussprache“. Nach dem Treffen in der Nacht vom 16. auf den 17. April taucht die junge Frau nie wieder auf. Die Familie lebt monatelang, bis zum Fund ihrer Leiche im Oktober 2012 in Essen-Werden, in Ungewissheit.

Vater S. hofft für die Familie auf ein gerechtes Urteil. Beim Angeklagten hat er ihm Gerichtssaal „eine arrogante Art“ registriert: „Unsere Hoffnung ist es, dass er wegen eiskalten Mordes zu einer lebenslänglichen Strafe verurteilt wird.“ Der Prozess vor dem Landgericht komme der Familie „unwirklich“ vor.

Über die Trauer, das Fehlen von Liesa in der Familie will er vor laufenden Kameras am Ende des ersten Verhandlungstages nicht sprechen: „Das kann man nicht.“

 
 

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