Musiker bereiten atemberaubenden Abend

Haus Kupferhammer
Haus Kupferhammer
Foto: WP

Warstein..  Geiger Vadim Gluzman, der in der Ukraine geborene Israeli, und sein Kammerpartner Evgeny Sinayskiy (Klavier) aus Riga waren in Warsteins Haus Kupferhammer zu Gast und spielten einen großartigen zu Herzen gehenden Duo-Abend. Beide Musiker sind begnadete Künstler, verfügen über makellose Technik und tiefe schöpferische Kräfte – die Auszeichnungen ihrer bisherigen Leistungen und Preise würde hier den Rahmen sprengen –, die sie selbstlos der Musik dienend einsetzten bei ihrem Konzert, das sich als unschätzbares Geschenk an ihr Publikum offenbarte.

Beseelter, lebendiger Ton

Vor der Pause erklangen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Sergej Prokofjew. Freundlich lächelnd betraten die Künstler den mit einem farbenfrohen, weihnachtlichen Blumenstrauß geschmückten Raum und widmeten sich dann in ernsthaft demütiger Konzentration ihrem Programm.

Mozarts zweisätzige Sonate für Violine und Klavier e-moll KV 304 war ein Genuss. Klar strukturiert erklangen die Themen des „Allegros“. Vadim Gluzman spielte mit beseeltem lebendigen Ton, feinsinnig und abwechslungsreich in der klanglichen Darstellung der Phrasen. Evgeny Sinayskiy seinerseits hörte genau auf seinen Partner und spielte mit federleichtem präzisen Anschlag, genauestens abgestimmt auf die Violine, ohne jedoch die eigene individuelle Komponente aufzugeben.

Musik rührte zu Tränen

Es ist nicht möglich in Worten zu erklären, wie wundervoll es ist mitzuhören, wenn jeder Ton durch die Phantasie der Künstler in der Wiedergabe seine eigene Bestimmung erhält. Es entfalteten sich ungeahnte Gebilde in der inneren Vorstellungswelt der Lauschenden – jede kleinste Nuance der langen Phrasen war durchdacht und stimmig. Im zweiten Satz „Tempo die Menuetto“ spielte Sinayskiy das Anfangsthema mit tief empfundener Innigkeit, behutsam, rein und sanft – einfach zu Tränen rührend.

Ebenso wunderschön erklang die Antwort von der Violine, eingebettet in den warm umhüllenden Ton des Klaviers. Es war eine Wonne die eher kleinen Hände des Pianisten zu beobachten, wie zielsicher die zierlichen Finger in ihrer Handschuh-Haltung über die Tasten huschten.

Prokofjew vom Feinsten

Es folgte eine atemberaubende Tour de Force, die Sonate Nr. 1 f-moll. Prokofjew vom Feinsten! Dieses Werk, bestehend aus vier Sätzen, fängt düster an mit einer Folge von melancholischen Akkorden im Bassbereich des Klaviers. Spannungsvoll breitete Sinayskiy den Klangteppich aus, worüber die mit Dämpfer versehene Violine in akrobatisch tänzelnden Skalen hoch und runter über die Saiten glitt.

Dann setzten rhythmische „Schlagabtausche“ ein zwischen den beiden Instrumenten. Vehement und temperamentvoll ging es zu. Klopfen, Pizzikati, aufgeregte Glissandi und hämmernde Synkopen wechselnden sich mit weichen, fluiden Klanggebilden und dunklen Seufzermotiven ab.

Die Musiker spielten diese atemberaubende Erzählung durchweg so spannend und vielschichtig, dass man zwischendurch das Empfinden einer scheinbaren klanglichen Dreidimensionalität hatte! Frenetischer Applaus knüpfte an das Ende der fantastischen Leistung an.

Reizende „Suite Italienne“

Nach der Pause erklang die reizende „Suite Italienne“ von Igor Strawinsky. Basierend auf Themen von Giovanni Battista Pergolesi klingt das Stück erst einmal wie ein Werk aus der barocken Epoche.

Es war faszinierend zu hören und zu bemerken, was Strawinsky hinzu komponiert und/oder verändert hat, so dass etwas Neues entstanden ist. Von den fünf Sätzen bleibt besonders die furiose, waghalsige Tarantella in Erinnerung. Dem Zuhörer stockte der Atem.

Vadim Gluzman entfaltete eine schier endlose Palette von Klangfarben. An einer Stelle im letzten Satz dachte man sogar einen Vogel zwitschern zu hören.

„Figaro“-Transkription

Auch die charmanten Drei Stücke für Violine und Klavier, op. 42, von Peter Iljitsch Tchaikowsky wurden zauberhaft gespielt. Besonders das letzte „Melodie Moderato con moto“ war einfach schön!

Hoch virtuos ist die „Figaro“- Transkription aus Rossinis „Barbier aus Sevilla“ von Mario Castelnuovo-Tedesco, welche als letztes Stück im Programm erklang. Mit viel Humor und Schalk wurde es serviert. Danach war das Publikum nicht zu halten. Laute Bravorufe und begeistertes Klatschen erfüllten den Saal, wie es selten in diesem gediegenen Raum vorkommt.

Berna Enste und Gisela Juraschka überreichten den glücklich lächelnden Künstlern wohlverdiente Blumensträuße. Der Raum bebte, und es folgten zwei wunderbare Zugaben: eine Polka von Schostakowitsch, und ein selten gespieltes Kreisler- Werk: „Gitana“. Diese letzten Stücke waren ausgelassen und steigerten die schon an der obersten Grenze angekommene Stimmung noch weiter – ein traumhafter Abend, von dem alle Besucher sicherlich noch Wochen zehren werden!

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