Mitmenschen mit etwas Zeit glücklich machen

Zwei Stunde Zeit schenken: Das neue Projekt der Caritas-Konferenz Oestereiden ist startklar.
Zwei Stunde Zeit schenken: Das neue Projekt der Caritas-Konferenz Oestereiden ist startklar.
Foto: WP

Oestereiden..  Zeit ist da, man muss sie sich nur nehmen. Diesen schönen Gedanken verfolgen Menschen aus Oestereiden und den Nachbarorten bei einem neuen Projekt der örtlichen Caritas-Konferenz. Das Beste: Sie möchten diese Zeit in gewissem Umfang ihren Mitmenschen schenken. „Zwei Stunden Zeit schenken“ lautet daher der Titel der Aktion, die jetzt in die konkrete Umsetzung geht.

Da sind Menschen, die Angehörige zu Hause betreuen. Oft fehlt ihnen daher die Zeit, für einen Friseur- oder Arztbesuch oder einen Behördengang. Da ist der alleinerziehende Elternteil, dem es nicht anders ergeht. Und da sind ältere Menschen, die zwar viel Zeit, aber niemanden haben, der sie mit ihnen verbringt. Hier setzt das Projekt an. Bislang sechs Frauen und ein Mann haben sich dafür gefunden. Marlies Schiller, und Elsbeth Mertens aus Oestereiden, Cordula Schulte, Marianne Brockhoff und Ottilie Krenz aus Westereiden sowie Wilma Mollerus aus Hoinkhausen und Friedhelm Birkenfeld aus Nettelstädt können und wollen etwas von ihrer Zeit erübrigen. Sie sind bereit einzuspringen, damit andere Menschen Erledigungen tätigen können, oder dafür zu sorgen, dass ältere Mitbürger, die nicht (mehr) über Sozialkontakte im Dorf verfügen, nicht gänzlich vereinsamen. „Wir haben zwei Stunden Zeit“, betonen die engagierten Mitarbeiter.

„Die Menschen werden immer älter; das Miteinander in den Familien verändert sich, weil zunehmend Kinder und Enkel nicht mehr vor Ort sind“, beschreibt Georg Karbowski, Caritas-Koordinator im Dekanat Lippstadt-Rüthen eine Situation, die längst nicht nur auf das alte Kirchspiel Oestereiden zutrifft. Hier aber tritt die Caritas-Konferenz dem entgegen. Sie nimmt sich dabei ein Beispiel an einem ähnlichen Projekt, das es seit einigen Jahren schon in Geseke-Störmede gibt. „Immer mehr ältere Menschen wollen zu Hause bleiben, auch wenn sie nicht ganz auf sich allein gestellt leben können“, berichtet Karbowski und bezieht sich dabei auf Erfahrungen Reinhard Mehns, Leiter der Caritas-Sozialstation in Rüthen. Bei 80 Prozent der Betroffenen sei dies so.

„In manchen Fällen bedeutet das für die Angehörigen einen Full-Time-Job“, weiß der Caritas-Koordinator. Auf der Strecke bleiben selbst grundlegende Dinge wie Arzt- oder Friseurbesuche und Behördengänge. Denn: Man kann den einem anvertrauten Menschen ja nicht einfach alleine lassen.

Pojektbezogene Neuausrichtung

Auf solche Fälle stieß die Caritas vor Ort, als sie sich bei ihrer projektbezogenen Neuausrichtung fragte: „Wer braucht Unterstützung?“ Erweitert wurde das Spektrum der angebotenen Hilfe um berufstätige Alleinerziehende, die auch nicht einfach mal so von zu Hause weg können, sowie um alte Menschen, die alleine leben und denen Kontakte zur Außenwelt fehlen. Auch in diesen Fällen gab Georg Karbowski Erfahrungen aus der Arbeit der Sozialstation in Rüthen weiter. Das Entgegennehmen des Essens auf Rädern stelle für manche Senioren den einzigen Kontakt zu Mitmenschen am Tag dar. „Manche freuen sich, wenn sie einfach jemanden zum Reden haben, der mit ihnen singt oder spielt oder sie beim Gang zum Friedhof begleitet“, berichtet Georg Karbowski. In allen nur denkbaren Fällen sind dauerhafte Kontakte ebenso möglich, wie kurzfristige Hilfseinsätze. Umgekehrt kann auch ein Schuh daraus werden: Das Projekt kann Neubürgern, die sich einbringen wollen, dazu dienen, selbst Kontakte im Dorf zu knüpfen.

Allerdings, betont er, wolle man nicht so tun, als ob es den althergebrachten nachbarschaftlichen Kontakt inklusive Nachbarschaftshilfe nicht mehr gebe. Ganz wichtig: Die Ehrenamtlichen schenken etwas von sich selbst, also ihre Zeit, nicht aber ihre Arbeitskraft. Für Putz- oder Gartenarbeiten sind sie keinesfalls die richtigen Ansprechpartner.

Engagement nicht unbegrenzt

Bei einem Gottesdienst im November wurde das Projekt präsentiert, bei einem ersten Treffen der Interessierten stellte Mehn die Einsatzbereiche vor, bei einem zweiten ging es mehr um Konkretes. Dazu gehören rechtliche Rahmenbedingungen und Versicherungsschutz. Gut zu wissen für alle, die für die Caritas aktiv werden: Sie sind über diese versichert. Dies bedeutet Unfälle genauso wie Sachschäden. Nachdem sich der bisherige Kreis der Aktiven gefunden hat, geht es nun darum, auch durch diesen Bericht das Angebot den möglichen Nutzern bekannt zu machen. Wer zwei Stunden Zeit geschenkt bekommen möchte – die Zeitangabe ist relativ, setzt aber einen Rahmen, damit die derzeitigen und künftigen Helfer wissen, dass ihr Engagement nicht unbegrenzt sein soll, kann sich melden.

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