Mit viel Heu an noch mehr Kohle kommen

Hirschbergs Köhler an den beiden Versuchsmeilern.
Hirschbergs Köhler an den beiden Versuchsmeilern.
Foto: WP
Weil Plaggen, die sonst zur Abdeckung der Meiler benutzt werden, kaum noch zu finden sind, experimentieren die Hirschberger Köhler mit Heu und Laub.

Hirschberg..  Wenn das Holz gescheitelt und geschichtet ist, fehlt nur noch die richtige Abdeckung für den Meiler, damit aus Holz ganz langsam Kohle werden kann. Doch genau da liegt für die Hirschberger Köhler das Problem.

„Bisher haben wir Plaggen zur Abdeckung benutzt, die wir auf Waldlichtungen zusammen gesucht haben“, erklärt Joachim Schulte von den Köhlerfreunden, „aber diese Plaggen findet man inzwischen kaum noch.“ Aus diesem Grund haben sich die Männer auf die Suche nach Alternativen begeben. In dieser Woche brannten nun erstmals Meiler mit Laub- und Heu-Abdeckungen in Hirschberg nieder.

Das richtige Material für die Meiler zu finden, stellte sich dabei als gar nicht so einfach heraus. Fachliteratur zum Thema gibt es kaum. „Das Wissen wurde meistens nur mündlich weitergegeben“, erklärt Schulte. Als die Hirschberger Köhler das Handwerk in den 1980er Jahren wieder aufleben ließen, konnten sie sich etwa noch auf die Erfahrungen von drei damals schon hoch betagten, früheren Erwerbsköhlern verlassen.

Farn ist wenig brauchbar

„Wichtig ist, dass das Material ab einer gewissen Stärke dicht ist“, erklärt Joachim Schulte die Voraussetzungen. Sonst würde das Holz im Meiler womöglich Feuer fangen und eine Verkohlung dadurch verhindert. Außerdem muss die Abdeckung durch die Meilerhitze nach und nach veraschen. Ein weiterer Grundsatz versteht sich für die Köhler von selbst: Die Materialien müssen im Wald zu finden sein.

Farn stellte sich bei ersten Versuchen etwa als wenig brauchbar heraus, weil die Luftzufuhr nicht gut genug funktionierte. „Bei einem Auswärtsmeiler in Solingen mussten wir schon einmal auf Gras und Heu zurückgreifen, weil es in dem Wald überhaupt keine Plaggen gab“, berichtet der Köhler, „das hat dagegen 100-prozentig geklappt.“

Mit Gras und Heu haben die Köhler auch in dieser Woche wieder experimentiert. Den zweiten Meiler haben sie mit Laub und Fichtenreisig abgedeckt. „Wir wollen unter Versuchsbedingungen herausfinden: Wie ist der Ertrag? Wie ist die Kohle?“, sagt Joachim Schulte. Eine richtige Bilanz kann erst gezogen werden, wenn nach der Ernte an diesem Wochenende die Kohle aus beiden Meilern in Säcken nebeneinander steht. „Es zeichnet sich aber schon ab, dass der Meiler mit Heu angenehmer zu steuern ist“, sagt Schulte.

Keine Mückenstiche mehr

Angenehmer ist bei den neuen Materialien in jedem Fall die Beschaffung. „Wenn man die Plaggen zieht, wird man überall von Mücken gestochen“, weiß Joachim Schulte aus Erfahrung. Denn die Insekten lassen sich gerne in der von Rasen und Moos bewachsenen Bodenschicht nieder.

Die beiden Meiler waren dieses Mal nicht ganz so groß wie bei den Köhlerwochen. Schließlich sollte die Kohle innerhalb einer Woche gewonnen werden. Für die Hirschberger Köhler war die Woche dennoch etwas Besonderes. „Während der Köhlerwochen haben wir sehr viel Arbeit, viel mit dem Publikum zu tun“, erklärt Schulte, „da gerät das eigentliche Köhlern etwas zur Nebensache.“ Dieses Mal dienten die beiden Meiler auch dazu, das Handwerk zu üben.

Am Ende muss die Kohle dann natürlich auf Herz und Nieren getestet werden – bei einem abschließenden Probegrillen.

EURE FAVORITEN