Millionen-Investition schützt Warstein gegen Legionellen

Hans-Albert Limbrock
In zwei Edelstahlbehältern wird das Abwasser in Warstein künftig anaerob aufbereitet – also ohne Sauerstoff.
In zwei Edelstahlbehältern wird das Abwasser in Warstein künftig anaerob aufbereitet – also ohne Sauerstoff.
Foto: WP
Der Legionellen-Ausbruch in Warstein von 2013 soll ein Einzelfall bleiben: Der Ruhrverband investiert 7,5 Millionen Euro in seine Kläranlage.

Warstein. Eigentlich möchte man das Wort am liebsten aus dem Sprachschatz streichen oder auf eine Liste der Unwörter des Jahrhunderts setzen. Schließlich haben die elf Buchstaben im Sommer 2013 genug Not und Leid über Warstein gebraucht. Aber auch heute, zwei Jahre nach der Katastrophe, wirken die Legionellen noch nach.

Und zwar nicht nur, wenn in der Landeshauptstadt Düsseldorf Gutachten vorgestellt werden, sondern auch sichtbar im Stadtbild. Am auffälligsten natürlich in der Kläranlage des Ruhrverbandes. Hier wird mit Millionenaufwand darin investiert, dass sich so etwas nicht mehr wiederholen wird.

Vollendung unter Hochdruck

Und zumindest die beiden Diplom-Ingenieure Andreas Graf und Christoph Henke sind zuversichtlich, dass dies auch nachhaltig gelingt. „Wir kommen hier mit großen Schritten weiter“, beschreibt Henke den Baufortschritt des 7,5-Millionen-Projektes. Nachdem der erste Bauabschnitt bereits im Winter 2014 erfolgreich abgeschlossen werden konnte, wird nun mit Hochdruck an der Vollendung gearbeitet.

Wesentlicher Bestandteil sind dabei zwei große Edelstahltanks, die zurzeit auf dem Gelände aufgestellt werden. In ihnen soll künftig das Abwasser der Brauerei, das über einen eigenen Kanal zur Kläranlage gelangt, anaerob – das heißt, ohne Zugabe von Sauerstoff – aufbereitet werden. Ohne Sauerstoff sind auch Legionellen nicht überlebensfähig. „Das Ganze ist damit ein hermetisch abgeschlossenes System“, erklärt Projektleiter Andreas Graf. Nach heutigem Stand der Technik und der Wissenschaft ist damit eine Verbreitung der gefährlichen Bakterien wie 2013 vollkommen ausgeschlossen.

Die beiden Tanks, die man schon von weitem in der Sonne glatt poliert glänzen sieht, sind jeweils zwanzig Meter hoch und haben einen Durchmesser von 8,70 Meter bzw. 7 Meter. Gemeinsam haben sie ein Fassungsvermögen von über 1500 Kubikmeter. Das entspricht ungefähr dem Fassungsvermögen von 7500 Badewannen.

Vier Sicherheitsstufen

In diesen Tanks, jeder wiegt etwa 60 Tonnen, wird der Großteil des Brauereiabwassers bearbeitet. Henke: „70 bis 80 Prozent der Fracht, die die Kläranlage erreicht, wird hier abgebaut und beseitigt.“ Der Rest läuft über die kommunale Anlage.

Die Aufbereitung in den Vorversorgungsbehältern ist nicht die einzige Sicherheitsstufe, die man eingebaut hat. „Insgesamt“, so Christoph Henke, „fußt das System auf drei verschiedenen Barrieren, die eingerichtet worden sind.“ Die erste Barriere beginnt schon bei der Brauerei, wo die Klärbecken inzwischen abgedeckt sind, um bereits hier das Risiko einer möglichen Verunreinigung durch Legionellen zu minimieren. Danach beginnt das geschlossene System und (fast) am Ende steht dann die anaerobe Aufbereitung.

Nach menschlichem Ermessen sollten diese drei Barrieren ausreichen. Um aber ganz auf Nummer Sicher zu gehen, gibt es schließlich noch die UV-Anlage, durch die das komplette Warsteiner Abwasser geschickt wird. Eine erste, provisorische UV-Anlage wurde bereits im Legionellen-Sommer installiert. Die ist inzwischen durch eine dauerhafte abgelöst worden.

Dass die Systeme greifen – obwohl sie ja noch gar nicht komplett am Netz sind – beweisen die aktuellen Messungen, die dreimal pro Woche durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) gezogen werden. Der Ruhrverband lässt außerdem noch durch das Hygiene-Institut Gelsenkirchen das Warsteiner Abwasser beproben. „Die Qualität des Abwassers bewegt sich fast im Bereich von Trinkwasserqualität“, erklärt Andreas Graf.

Im Zeit- und Kostenplan 

Für den Ruhrverband hat die Investition in das Warsteiner Klärwerk noch einen „angenehmen Nebeneffekt“ (Graf). Die Bakterien produzieren derart viel Methangas, dass man es schon wieder industriell nutzen kann. Graf: „Wir bauen zwei Blockheizkraftwerke, mit denen wir das entstehende Biogas nutzen können.“ 360 Kilowatt beträgt die Leistung des Gases, das verstromt wird. „Damit können wir einen Teil unseres Eigenbedarfs abdecken“, weiß Graf. Eigens wird zur Speicherung noch eine weitere „Gaskugel“ gebaut, die ein Fassungsvermögen von 1500 Kubikmeter hat.

Erfreulicherweise bewegt sich das gesamte Projekt sowohl im Kosten- als auch im Zeitrahmen. „So wie es aussieht, können wir alle Parameter einhalten“, ist Andreas Graf zuversichtlich. Läuft weiter alles nach Plan, wird Ende des Jahres der Probebetrieb aufgenommen. Dann muss noch an einigen Stellschrauben die Feinjustierung vorgenommen werden, ehe die Anlage komplett ans Netz gehen kann und dafür sorgt, dass sich der Warsteiner Alptraum nicht wiederholt.