Mediator glaubt an „vernünftige Lösung“

Bei der Vertragsunterzeichnung: Manfred Gödde und Prof. Ortloff
Bei der Vertragsunterzeichnung: Manfred Gödde und Prof. Ortloff
Foto: WP

Warstein/Berlin..  Mit Konflikten kennt Professor Dr. Karsten-Michael Ortloff sich aus. Das ist sozusagen seine Kernkompetenz; damit hat er sich bundesweit einen Ruf als erfolgreicher Mediator erarbeitet. Jetzt soll der pensionierte Richter aus Berlin in Warstein etwas vollbringen, was schon fast einer Quadratur des Kreises gleichkommt, nämlich Gegner und Befürworter des Steinabbaus an einen Tisch bringen und gemeinsam nach Lösungen suchen, die einen Weg aus der festgefahrenen Diskussion aufzeigen.

Ein knappes halbes Jahr hat Ortloff bisher „vertrauliche Gespräche“ – wie er immer wieder betont – mit den unterschiedlichen Gruppierungen geführt: Politik, Verwaltung, Steinindustrie, überörtlichen Behörden, Interessensverbänden wie der Trinkwasserinitiative oder den Sprenggeschädigten in Warstein und auch Einzelpersonen: „Ich bin seit Januar praktisch einmal in der Woche in Warstein gewesen.“

HeidelbergCement auch dabei

Die letzten Gespräche hat er erst vor wenigen Tagen geführt: „Anfang Mai hat mich der Insolvenzverwalter darüber informiert, dass die HeidelbergCement Brühne übernehmen wird.“ Bereits wenige Tage später hat Ortloff mit den Verantwortlichen zusammen gesessen.

Jetzt will der erfahrene „Streitschlichter“ erst einmal alles sacken lassen. „Es macht keinen Sinn, jetzt sofort in die Plenarverhandlungen zu gehen, die Zeit wäre einfach zu knapp.“ Deshalb hat Professor Ortloff die Plenarverhandlungen, an denen dann Vertreter nahezu aller Gruppen teilnehmen und gemeinsam diskutieren sollen, auf Mitte September angesetzt. Am 11., 18. und 25. September werden die Runden nichtöffentlich im Rathaus tagen: „Es geht um vernünftige und konstruktive Gespräche. Es sollen keine Fensterreden gehalten werden“, gibt er vor. Deshalb muss die Öffentlichkeit zunächst draußen bleiben.

Zuversicht ist noch vorhanden

Ob es zum Abschluss eventuell ein offenes Forum gibt, zu dem dann auch die Öffentlichkeit eingeladen wird, lässt er offen: „Das müssen die Beteiligten unter sich ausmachen, wie sie mit der Öffentlichkeit umgehen.“ Bisher hat der Berliner ein „gutes Gefühl“ bei seinen Gesprächen: „Aufgrund meiner bisherigen, sehr intensiven Gespräche bin ich zuversichtlich, dass vernünftige Lösungen erarbeitet werden können.“ Eines ist ihm dabei ganz wichtig: „Ich werde keine fertigen Lösungen anbieten. Das ist nicht Sinn einer Mediation. Lösungen sollen die Konfliktparteien selber erarbeiten. Ich fokussiere sie nur auf einzelne Themen und lasse sie dann miteinander reden.“ Gut möglich sei es, so der Krisenexperte, dass drei Plenarsitzungen dabei nicht ausreichen werden. „Dann werden eben weitere angesetzt.“ Insgesamt bewertet Ortloff den bisherigen Verfahrensstand als positiv: „Ich muss zugeben, dass ich dabei eine Menge gelernt habe. Ich habe den Eindruck, dass man großes Vertrauen in mich setzt. Alle arbeiten konstruktiv mit. Man spürt, dass sie daran interessiert sind, Warstein auf einen guten und richtigen Weg zu bringen. Das gibt mir Hoffnung, dass der Mediationsprozess zu etwas führt.“

Sorge, dass er diese Annahme am Ende wird korrigieren müssen, dass der Mediationsprozess für gescheitert erklärt wird, hat er nicht wirklich: „Dazu bin ich viel zu sehr Profi und habe immer wieder erfahren, dass sich Konflikte lösen lassen, wenn die Beteiligten das auch wirklich wollen. Zudem bin ich grundsätzlich optimistisch, sonst könnte ich diese Aufgabe gar nicht machen.“

 

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