LWL-Klinik kooperiert mit Caritas-Beratungsstelle

Armin Obalski
Stellten die Kooperation der LWL-Tagesklinik und der Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder der Caritas vor: Christa-Angelika Claßen, Matthias Hermer, Dr. Josef Leßmann, Holger Rick, Dr. Martin Gunga, Thomas Becker und Dr. Jutta Camen (v.l.).
Stellten die Kooperation der LWL-Tagesklinik und der Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder der Caritas vor: Christa-Angelika Claßen, Matthias Hermer, Dr. Josef Leßmann, Holger Rick, Dr. Martin Gunga, Thomas Becker und Dr. Jutta Camen (v.l.).
Foto: WP

Warstein. Der Titel des Buches, das Holger Rick, Leiter der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder (BEJuKi), gestern vor sich auf dem Tisch liegen hatte, offenbarte das ganze Dilemma: „Warum ist Mama traurig, auch wenn draußen die Sonne lacht.“ Oft ist die psychische Erkrankung eines Elternteils in der Familie ein Tabu-Thema. Die Kinder spüren, dass etwas mit Mama oder Papa nicht stimmt, nur was genau ihr oder ihm fehlt, darüber werden sie im Unklaren gelassen. Die ungewohnte Situation wiederum kann die Kinderseele belasten. In dieser Situation greift die Kooperation zwischen der LWL-Tagesklinik und der BEJuKi.

Bereits seit einem Jahr lief sie probehalber, jetzt ist sie in einem Vertrag festgeschrieben. „Das ist ein Thema, das tatsächlich eine Schnittstelle bildet“, betonte Dr. Josef Leßmann, Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik, bei der Vorstellung dieser Zusammenarbeit. Denn was liegt näher, wenn ein Elternteil in der Tagesklinik behandelt wird, bei Bedarf auch die familiäre Situation zu thematisieren, falls der Patient sich etwa Sorgen macht wegen seiner Kinder und wie es mit diesen in seiner Krise geht.

Dann kommen Rick und seine Kollegin Christa-Angelika Claßen ins Spiel, die monatliche Sprechstunden in der Tagesklinik anbieten. Wählen kann der Patient, ob nur er mit einem von ihnen sprechen möchte, ob der Partner und/oder die Kinder dabei sein sollen, oder nur die Kinder Gelegenheit haben sollen, sich ihre aus der besonderen Situation resultierenden Probleme von der Seele zu reden.

Auswirkung auf Familienleben

„Die Zahl psychisch auffälliger Jugendlicher bei denen die Eltern psychisch erkrankt sind, steigt“, untermauerte Dr. Leßmann die Notwendigkeit dieses Angebote. In der Praxis ständig beobachten kann die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf das Familienleben Dr. Martin Gunga als Leiter der seit zehn Jahren bestehenden Tagesklinik. In der Therapie stehe seitens der Patienten das Thema Familie ganz oben, oft gekoppelt an das Thema Beruf. „Jetzt sind wir in der Situation, dass wir nicht nur beobachten, sondern etwas verändern müssen. Kinder von heute, die psychisch auffällig sind, könnten die Klienten von morgen werden, sollten es aber nicht.“ Für die Prävention sei in der Caritas-Beratungsstelle der ideale Partner gefunden worden.

Wichtig sei es, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, „die Erkrankung der Eltern hat überhaupt nichts mit dir zu tun“, damit diese keine Schuldgefühle entwickelten. „Die Resonanz bei den Patienten ist absolut gut, bilanziert Matthias Hermer, Diplom-Psychologe an der Tagesklinik, das Probejahr.