Leben durch Geschichte bestimmt

Armin Obalski
Heimatnachmittag Altenrüthen:Ein lederner Feuerlöscheimer gehörte einst in jedes Haus. Karl-Friedrich Hillesheim hat (natürlich) noch einen.
Heimatnachmittag Altenrüthen:Ein lederner Feuerlöscheimer gehörte einst in jedes Haus. Karl-Friedrich Hillesheim hat (natürlich) noch einen.
Foto: WP

Altenrüthen.  Überwältigt war Bernhard Adams von der Resonanz auf den ersten Heimatnachmittag in Altenrüthen. Über 100 Gäste waren zu der von ihm und Ortsvorsteher Claus Wiegelmann-Marx organisierten Veranstaltung gekommen. Karl-Friedrich Hillesheim widmete sich der älteren Geschichte, Ortsheimatpfleger Franz Nowak mit seinem Film vom Schützenjubiläum 2013 der jüngeren.

Alte Ansichten

„Man muss mit der Vergangenheit leben, dann lebt man zwei Mal. Man darf nur nicht in der Vergangenheit leben“, stellte Hillesheim bedenkenswerte Worte an den Anfang. Von jungen Erwachsenen bis zum 91-jährigen Josef Hötte reichte das Altersspektrum seiner Zuhörer. Unter dem Titel „Viele Grüße aus Altenrüthen“ zeigte Hillesheim zunächst eine Reihe von Ansichtskarten. „Was ist denn das?“, lautete eine oft gestellte Frage der Jüngeren, „Weißt du noch . . .?“ die der Älteren. Denn das Dorf hat sich im Lauf der Zeit enorm verändert.

Aus den 1920er Jahren stammen die ältesten Ansichtskarten in Hillesheims Sammlung, die jüngeren von 1975. Längst verschwunden sind die alte Vikarie und das Stefanusheim (früher Schule). Abgerissen wurden auch das alte Feuerwehrhaus und der Hof Bentler (heute steht dort die Gemeindehalle). Die Gaststätte Henne, die in den 60er Jahren noch eine Postkarte ganz für sich hatte, ist längst geschlossen, das stattliche Bauwerk aber bis heute kaum verändert.

Die Brände

Es sieht sogar noch fast so aus wie im Erbauungsjahr 1901. Damals veränderte ein großer Brand Altenrüthen auf einen Schlag mehr als alle Abbrüche der 50er und 60er Jahre. Den Bränden im Dorf widmete sich Karl-Friedrich Hillesheim unter dem Titel „Feuer unterm Dach“. Aktenkundig wurde der erste Brand 1622. Seither gab es immer wieder kleinere und größere. Offene Feuer in den Häusern aus Fachwerk mit Stroh gedeckten Dächern waren im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich. „Steinhäuser waren nur etwas für Steinreiche“, erklärte Hillesheim den Hintergrund einer weiteren Redensart.

Die genaueren Ursachen für die Brände sind aber kaum überliefert. So sieht es auch bei dem Feuer 1901 aus. Seinen Ausgang jedoch nahm es auf dem Hof Dahlhoff. Ein starker Wind habe das Feuer dermaßen angefacht, dass sogar brennende Speckseiten durch die Gegend flogen, wie die Überlieferung besagt. Nie wieder aufgebaut wurde dieser Hof, der linker Hand des heutigen Vorplatzes der Gemeindehalle lag. Die Feuerwalze aber zog bis zur Kirche hin. Dort brannte es auch 1924, angeblich ausgelöst durch ein Weihrauchfass.

Immer wieder kam es auch in jüngerer Zeit zu Bränden. Besonders in Erinnerung ist vielen noch das Feuer in einer Scheune auf der Haar 1972 bei dem ein Mädchen zu Tode kam. 1992 verursachten dann zwei Kinder einen Brand des Kirchturms und 2006 legte ein nie gefasster Feuerteufel mehrere Feldscheunen in Schutt und Asche.

Der Sammler

Als „Jäger und Sammler“ bezeichnet sich Karl-Friedrich Hillesheim. Geboren in Altenrüthen, hat er den großen Teil seines Lebens in Münster verbracht. Seine Vorfahren waren bis 1908 Lehrer, Küster und Organist im Dorf. Jede seiner Ferien habe er hier bei seiner Tante im Haus Blohme verbracht, das er und seine beiden Brüder schließlich erbten. „Ich habe alles gesammelt, was mit Altenrüthen zusammenhängt und kann diesen Sammeltrieb nach der Pensionierung so richtig ausleben“, sagt Karl-Friedrich Himmelsheim auf die Frage nach dem Ursprung seiner „Schätze“. Zur Motivation äußert er wieder Bedenkenswertes: „Je mehr man sich mit einem Ort auskennt, desto mehr identifiziert man sich damit.“ Dabei und dabei miteinander ins Gespräch zu kommen ,will Hillesheim helfen – auch mit Blick auf die Wettbewerbsteilnahme „Unser Dorf hat Zukunft“.