Lange Check-Liste für Bewerber um Pflegekind

Warstein.  Das Thema Pflegekinder ist auch in Warstein immer aktuell. So sucht Michael Utzel, Diplom-Sozialpädagoge im städtischen Jugendamt, permanent nach Paaren, die bereit sind, einem Kind aus einer anderen Familie dauerhaft ein neues Zuhause zu geben. Derzeit leben im Stadtgebiet 29 Pflegekinder in 26 Pflegefamilien, heißt, drei Familien haben zwei Kinder angenommen.

Tatsächlich melden sich auch Paare beim Pflegekinderdienst der Stadt, allerdings müssen diese bestimmte Anforderungen erfüllen, um ein fremdes Kind aufnehmen können. „Es dauert circa ein Jahr, bis wir guten Gewissens sagen können, dass das Pflegekind gut untergebracht ist“, weist Utzel auf die Vielzahl der Kriterien hin, die das Jugendamt prüft. Zunächst einmal macht er sich ein Bild, ob das Paar eine tragfähige, stabile Beziehung untereinander hat. „Von den Pflegeeltern werden Einfühlungsverständnis, Offenheit, Belastbarkeit, Zeit, Geduld und Überdenken des eigenen Verhaltens erwartet“; deshalb will er die künftige Familie für ein Pflegekind genau kennenlernen.

Ebenso führt er den Bewerbern deutlich vor Augen, dass das Kind vielleicht aus chaotischen Verhältnissen kommt, es nicht richtig ernährt wurde und traumatisiert ist. „Die neuen Eltern müssen die Familiengeschichte des Kindes respektieren und akzeptieren, dass weiterhin Umgangskontakte mit den leiblichen Eltern bestehen.“ Michael Utzel weiß aber auch, dass diese Kontakte nach einigen Jahren im Sande verlaufen, oder das Kind sagt von sich aus, dass es den Kontakt nicht mehr will. „Die Pflegeeltern werden für das Kind auch zu den seelischen Eltern.“

Der Funke muss überspringen

Das Eingliedern erfolgt in ganz kleinen Schritten: „Wir müssen sehen, ob die Chemie stimmt, ob der Funke überspringt.“ Der Fachmann drückt es so aus: Die Eltern müssen das Kind „riechen können.“ Ziel ist es, das Kind in die Familie zu integrieren, besonders, wenn es noch leibliche Kinder gibt. Wenn das Pflegekind Liebe und Geborgenheit erfährt, entwickelt es ein neues „Urvertrauen“. Wie lange sich dieser Prozess hinzieht, ist offen: „Das Tempo bestimmt das Kind“, so Utzel.

Offiziell dauert dieses, wie es im Amtsdeutsch heißt, Dauerbeziehungsangebot bis zu 18. Lebensjahr. So lange wird der Unterhalt und und ein Anerkennungsbetrag für die Tätigkeit der Pflegeeltern gezahlt, wobei der Betrag nach Alter des Kindes variiert. Zudem ist das Pflegekind den leiblichen Kindern steuerlich gleich gestellt; die Familienkasse zahlt auch Kindergeld.

Paare, die sich um ein Pflegekind bemühen, erhalten intensive Schulungen. Über ein Jahr finden alle vier bis sechs Wochen Gespräche mit den Bewerber-Eltern statt, es gibt Fortbildungsseminare und Veranstaltungen mit Referenten. Schließlich Treffen sich alle Eltern zu drei Bewerber-Abenden in Soest.

Frage: Was geht in dem Kind vor?

Zum Abschluss findet noch ein Wochenende in einer Familienbildungsstätte statt, wo das in dem Jahr Gelernte abgerundet wird. „Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auch darauf: Was passiert mit dem Pflegekind in der neuen Umgebung, was geht in dem Kind vor?“

Aktuell haben zwei Bewerbepaare ihre Schulung abgeschlossen und könnten ein Kind aufnehmen, ein weiteres befindet sich noch im Gespräch. „Wir haben auch ein Paar, dass seit zwei, drei Jahren auf ein Pflegekind wartet“, erklärt Utzel. Eine Garantie, ein Kind zu bekommen, kann er nicht geben.

 
 

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