Landfrauen aus dem Kreis Soest kämpfen für die Zukunft ihrer Höfe

Kreis Soest..  Mit offenen Briefen an NRW-Minister Johannes Remmel gehen Bäuerinnen aus dem Kreis Soest in die Offensive. Sie fürchten, dass die Existenz ihrer Familienbetriebe massiv gefährdet ist, wenn die neuesten Vorschläge aus dem Ministerium Wirklichkeit werden. „Durch ihre Forderungen zu mehr Tierschutz in der Schweinehaltung würde unserem Betrieb die Existenzfähigkeit von heute auf morgen geraubt“, hat zum Beispiel Margret Dietz aus Möhnesee-Westrich an den Minister geschrieben.

Sie gehört zu den Frauen, die sich innerhalb des Landfrauenverbandes zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen haben und nun gemeinsam mit ihren Briefen Druck auf den Minister ausüben wollen. Dessen Vorschläge zu einer artgerechteren Schweinehaltung sollen in Kürze im Bundesrat diskutiert werden.

Der Vorstoß von Johannes Remmel kommt nach Ansicht der Landfrauen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Rita Leßmann-Kind: „Natürlich besteht immer die Möglichkeit, etwas zu verbessern. Aber die gesetzlichen Vorgaben ändern sich mittlerweile in einem Tempo, das viele Betriebe nicht mehr einhalten können.“

Im Jahr 2006 wurde in der EU eine Nutztierhaltungsverordnung für Schweine verabschiedet. Darin wurden zahlreiche Kriterien festgelegt: zum Beispiel der Platzbedarf, Ausrichtung des Bodens, der Bodenbelag, Helligkeit, Transportdauer, Gruppenhaltung. Bis zum 1. Januar 2013 hatten die Landwirte europaweit Zeit, die Verordnung umzusetzen. „Dafür“, so Leßmann-Kind, „ist in allen Betrieben viel Geld in die Hand genommen worden. Und nur vier Monate nach dem Stichtag bringt der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz eine neue Gesetzesinitiative in den Bundesrat, die schon wieder vollkommen geänderte Vorgaben macht.“

Demnach soll der Platzbedarf für die Tiere um weitere zwanzig Prozent erhöht werden. Für die Landwirte bedeutet dies, noch einmal zu investieren und zu erweitern oder aber den Viehbestand um zwanzig Prozent zu verringern. Margret Dietz: „Das aber bricht uns das Genick. Unser Finanzierungskonzept für den gesamten Neubau, den wir vor zwei Jahren abgeschlossen haben, ist schließlich auf unseren Sauenstall mit seinen 540 Sauen und zugehöriger Ferkelaufzucht aufgebaut.“ Das könne man nicht mal soeben um zwanzig Prozent runterfahren.

Ähnlich ist es bei Familie Humpert aus Möhnesee. Dort wird der Betrieb gerade zukunftsfähig gemacht, damit Sohn Benedikt einsteigen kann. 1000 Mastplätze haben Humperts künftig, wenn der neue Stall fertig ist.

Mit den neuen Vorschlägen des Ministeriums würde den jungen Landwirten jegliche Motivation genommen, in Familienbetriebe einzusteigen.

An den Minister hat Elisabeth Humpert deshalb geschrieben: „Einen Betrieb in unserer Größe und Lage zu verkaufen, bringt mindestens 1,2 Millionen Euro. Diese Summen werden von Investoren außerhalb der Landwirtschaft aufgebracht. Die Dörfer werden immer leerer und der Trend zu großen Betrieben bleibt ungebrochen bzw. wird gefördert. Denn nur große Betriebe können ihre Forderungen erfüllen und haben das Know How, um diese Anforderungen stemmen zu können.“

Bisher haben die Frauen auf ihren Vorstoß noch keine Antwort aus Düsseldorf erhalten. „Mein Brief ist nun schon vier Wochen in Düsseldorf. Dass da so gar nichts kommt, macht mich traurig. Das ist einfach nur deprimierend“, kritisiert Margret Dietz im Namen aller Frauen.

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