Kriegs- und Terroropfer bekommen ein Gesicht

Armin Obalski
„Den Gefallenen ein Gesicht geben“: Karl-Friedrich Hillesheim hat sich mit den im 1. und 2. Weltkrieg gefallenen Männern aus Altenrüthen beschäftigt. Am Volkstrauertag stellte er die Ergebnisse vor.
„Den Gefallenen ein Gesicht geben“: Karl-Friedrich Hillesheim hat sich mit den im 1. und 2. Weltkrieg gefallenen Männern aus Altenrüthen beschäftigt. Am Volkstrauertag stellte er die Ergebnisse vor.
Foto: Armin Obalski
Um die Menschen hinter den Namen der Kriegsopfer ging es am Volkstrauertag in Rüthen. Die neue Dorfgemeinschaft hatte diese besondere Veranstaltung organisiert.

Altenrüthen.  Zwei Mal im Jahr – bei der Gefallenenehrung beim Schützenfest und am Volkstrauertag – werden ihre Namen öffentlich genannt, sonst aber leben jene Altenrüthener, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten, allenfalls in den Gedanken ihrer Lieben und deren Nachkommen weiter. Und wenn die Namen noch geläufig sein sollten, so fehlt vielen der Nachgeborenen das Gesicht dazu. Karl-Friedrich Hillesheim, Hobbyheimatforscher aus Münster mit Wurzeln in Altenrüthen sorgte dafür.

Bei der ersten öffentlichen Veranstaltung der neu gegründeten Dorfgemeinschaft verstand er es fabelhaft, „Den Gefallenen ein Gesicht (zu) geben“, so der Name seines Vortrags mit dem Untertitel „Hinter jedem Namen steht ein persönliches Schicksal“. Nicht schwer fiel es ihm angesichts dieses schon vor längerer Zeit gewählten Titels seiner Präsentation den Bogen zu den Attentaten in Paris zu schlagen: „Zu jedem der Opfer gehört ein Gesicht, eine Familie“, rief er seine 70 Zuhörer dazu auf, auch dies zu bedenken.

Im Mittelpunkt des Nachmittages aber standen deren ebenfalls durch mörderische Gewalt vor 70 und mehr Jahren ums Leben gebrachte Familienangehörige. 33 Namen Gefallener und Vermisster aus dem Zweiten Weltkrieg stehen auf dem Ehrenmal mitten im Dorf. Nicht berücksichtigt sind Franz Karl Krause und Luise Wozniak. Wie Hillesheim berichtete, sind sie nicht in Altenrüthen geboren, wohl aber hier gestorben, als die Amerikaner Anfang April 1945 den Ort einnahmen. Ihre Gräber finden sich auf dem Friedhof. Auch Willi Möller ist nicht auf dem Denkmal verzeichnet, wird aber im Schützenbuch aufgeführt.

Das Ehrenmal verzeichnet aber 16 weitere Namen: Die Opfer des Ersten Weltkrieges aus Altenrüthen. Noch heute, wussten viele Zuhörer, existiert in vielen Häusern eine Ehrentafel aus Papier, oft schön gerahmt, die diese Gefallenen und dazu alle Kriegsteilnehmer von 1913 bis 1918 aufführt – fast alle mit Bild, fast alle haben somit ein Gesicht. Für die Opfer des Zweiten Weltkrieges hingegen gilt dies nicht.

Mühsam machte sich Hillesheim über Monate an die Arbeit, dies zu ändern. Ihm zur Verfügung gestellte Totenzettel, auf die früher oft auch ein Porträtbild gedruckt wurde, erleichterten ihm die Arbeit ein wenig. So im Fall von Franz Blecke. Diesem kommt eine Sonderrolle zu. Er war das erste Opfer aus Altenrüthen und hatte „am 1. Juli 1941 bei einem Waldgefecht bei Mejtuny“ sein „hoffnungsvolles Leben“ gelassen, so der Totenzettel. Ihm zu Ehren ließ „die Kriegerkameradschaft Drewer-Altenrüthen am 20. Juli 1941 ein Gedächtnishochamt halten und marschierte anschließend zum so genannten Kriegerdenkmal. Dort hielt Lehrer Oel als Schriftführer eine Gedenkrede, anschließend wurde Franz Blecke zu Ehren ein Kranz niedergelegt und eine Ehrensalve geschossen“, berichtete Karl Friedrich Hillesheim.

Wertvolle Momente

Die kleinen, privaten Momente des Erinnerns, das Herstellen von Zusammenhängen, machte diesen Heimatnachmittag besonders wertvoll. So stellte Bernd Henne, Hauptmann des Schützenvereins, erschüttert fest, dass mit Heinrich Steimann, der bis heute offiziell als vermisst gilt, diese Familie offenbar ausgelöscht ist. „Mein Vater und seine vier Brüder sind dagegen alle wiedergekommen. Das ist schon ein besonders emotionaler Moment.“

„Ich hoffe, dass wir mit den Informationen und Bildern der gefallenen Dorfbewohner angemessen gedacht und ihnen ein Gesicht gegeben haben“, erklärte Hillesheim am Ende dieses eindrucksvollen Vortrages. Er und die Dorfgemeinschaft denken nun über eine Möglichkeit zur Veröffentlichung nach.