Kreis-Mitarbeiter sollen nach Urin-Attacke DNA-Probe abgeben

Timo Baudzus
Die Soester Kreisverwaltung hat 40 Mitarbeitern der Rettungswache Soest eine Speichelprobe entnehmen lassen. Ein Unbekannter hatte zuvor einem Angestellten in dessen Stiefel und Bettzeug uriniert. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das Vorgehen der Behörde als unverhältnismäßig.

Soest. Die Kreisverwaltung Soest hat 40 ihrer Mitarbeiter zu einem freiwilligen DNA-Test gebeten. Bei den Betroffenen handelt es sich um Mitarbeiter der Rettungswache Soest. Dies geht aus einem internen Schreiben der Kreisverwaltung hervor, das der WAZ Mediengruppe vorliegt. Offenbar wollte die Kreisverwaltung damit, einen Vorfall aufklären, der sich zuvor innerhalb des Teams ereignet hatte. Ein Unbekannter hatte einem Team-Mitglied in dessen Stiefel und Bettzeug uriniert.

Bei einer außerordentlichen Dienstbesprechung am 25. Juni bat der für das Rettungsteam zuständige Dezernent, Ralf Hellermann, seine Mannschaft bei der Speichelprobe mitzumachen, um den Täter der Urin-Attacke zu ermitteln. „Es wurde den anwesenden Mitarbeitern vorgeschlagen, auf freiwilliger Basis an einer Speichelprobe teilzunehmen", sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung auf Anfrage. Die Probe wurde noch während der Besprechung in einem Nebenraum von Polizeibeamten durchgeführt.

Verdi kritisiert das Vorgehen der Behörde als unverhältnismäßig

Die Gewerkschaft Verdi bezweifelt, dass die Mitarbeiter diese Maßnahme tatsächlich freiwillig mitgemacht haben. Denn: Wie aus den internen Unterlagen der Behörde hervorgeht, waren neben neben Dezernent Hellermann auch andere Führungskräfte anwesend. Verdi-Jurist Walter Steding sagte, dies könne bereits als milder Druck des Arbeitgebers gewertet werden. Juristisch sei diese Maßnahme aufgrund der offiziell verlautbarten Freiwilligkeit jedoch einwandfrei. Dennoch kritisiert Steding die Speichelprobe als „problematisch und unverhältnismäßig“.

Wie es zu der DNA-Entnahme kommen konnte, erklärt der Direktor der Polizei in Soest, Manfred Dinter. Dezernent Hellermann hat laut Dinter um Rat gefragt, wie der Urin -Vorfall bestmöglich aufzuklären sei und um Unterstützung gebeten. „Dezernent Herr Hellermann hat mündlich ein Vollzugshilfeersuchen an mich gestellt", sagte Polizeidirektor Dinter. Das heißt, dass die Polizei die Rechtmäßigkeit der Probe nicht zu prüfen hatte, sondern lediglich ihr Know-how und ihr Personal zur Verfügung stellte. Die Verantwortung für die Speichelprobe liegt damit bei der Behörde.

Die Polizei Soest weist dennoch darauf hin, dass die Entnahme des Speichels in einem Nebenraum stattgefunden habe. Die Mitarbeiter seien allein in den Raum gekommen und dort von den Beamten belehrt worden, dass es keine polizeiliche Maßnahme sei und sie die Probe verweigern könnten. Von den 40 anwesenden Probanden haben dann zwei die Teilnahme verweigert. Zwei weitere zogen später ihre Einwilligung zurück.

Daraufhin entschloss sich offenbar auch die Kreisverwaltung die Proben nicht mehr zu nutzen. „Auf Geheiß der Kreisverwaltung haben wir die Speichelproben vernichtet", sagte Polizeidirektor Dinter.