Keine Entwarnung in Warstein - Krankenhaus auf weitere Patienten vorbereitet

Wegen der Legionellen-Erkrankung können die Verantwortlichen im Warsteiner Krankenhaus noch keine Entwarnung geben.
Wegen der Legionellen-Erkrankung können die Verantwortlichen im Warsteiner Krankenhaus noch keine Entwarnung geben.
Foto: Tanja Frohne
Es ist eine traurige Berühmtheit, die die Stadt Warstein mit der Erkrankungswelle durch Legionellen im weiten Umkreis erhalten hat – und noch immer kommt die Bevölkerung nicht zur Ruhe. Zwar ist die Zahl an neuen Verdachtsfällen zurückgegangen, doch Entwarnung geben wollen weder der Kreis Soest noch das Warsteiner Krankenhaus.

Warstein.. Die Legionellen-Erkrankungen halten Warstein weiter in Atem. Während am Samstag sechs neue Patienten mit atypischer Lungenentzündung stationär aufgenommen wurden, waren es am Sonntag noch drei und am Montag zwei Neuerkrankte – doch Entwarnung gibt es deshalb nicht.

Zahlen könnten wieder ansteigen

„Von den Zahlen her könnte man sagen, es ist ein Rückgang, aber das würde ich nicht als signifikant bezeichnen – es kann auch wieder in den nächsten Tagen einen Anstieg geben“, relativierte Krankenhaus-Leiter Dr. Hans-Christian Vatteroth den Rückgang an Erkrankten.

„Eine Entwarnung können wir nicht geben, aber die Bevölkerung beruhigen: Wir sind im Krankenhaus auf alle Eventualitäten vorbereitet.“ Dieses zeige sich auch in dem Erfolg des Antibiotika-Cocktails, der von Thomas Schumacher, Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin, zusammengestellt worden sei – und der eben auch auf die Legionärskrankheit abzielte. „Der Verdacht auf Legionellen hat relativ früh vorgelegen“, erläuterte Dr. Vatteroth.

Daraus, dass es auch in den nächsten Tagen zu Neuaufnahmen im heimischen Krankenhaus kommen kann, können keine Rückschlüsse darauf gezogen werden, dass es neben der Rückkühlanlage der Firma Esser noch eine zweite Legionellen-Quelle gibt. „Es geht um die Inkubationszeit und den Verzug – zwei, drei Tage, an denen man sich nur ein bisschen unwohl fühlt, bis man zum Arzt geht“, erklärt Lutz Humpert, leitender Oberarzt der Inneren Abteilung. „Aber die Ausprägung bei den neuen Fällen ist wesentlich leichter als am Anfang, so dass die Patienten auch besser behandelt werden können.“

152 Erkrankte und 36 Legionellen-Befunde

Dies ist auch darauf zurück zu führen, dass die Bevölkerung sensibilisiert ist und bei Symptomen wie Gliederschmerzen, Reizhusten und hohem Fieber meist sofort den Hausarzt aufsucht. Ein klares Krankheitsbild gibt es bei den erkrankten Menschen – inzwischen sind es 152 Patienten zwischen 17 und 93 Jahren, die stationär aufgenommen wurden, bei 36 von diesen gibt es einen bestätigten Legionellen-Laborbefund – nicht. 48 Patienten, 42 davon in Warstein, befinden sich noch in den Krankenhäusern.

Viele Symptome für Legionellen-Erkrankung - auch Jüngere fühlen sich platt

„Das ist ein ganz buntes Bild“, erläutert Thomas Schumacher. „Einige haben gar keine Luftnot gehabt, anderen hat es einfach die Beine weggezogen – auch Jüngere fühlen sich einfach platt.“ Dr. Hans-Christian Vatteroth: „Das ist, als wenn man einen heftigen Infekt hat – dann legt man sich auch freiwillig aufs Sofa.“

Und bei einigen habe es eine begleitende Durchfallerkrankung gegeben. Bei diesen Patienten wurde der Stuhl gesondert eingeschickt. „Es gab bei den Ergebnissen nichts, was auf eine gesonderte Erkrankung hindeuten würde“, betont Lutz Humpert. „Prozentual waren es auch eher wenige, bei denen eine Durchfallerkrankung vorkam.“

Die Legionärskrankheit führt zu einer schweren atypischen Form der Lungenentzündung. Diese kann nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. „Man braucht aber keine Angst vor Kontakt mit Infizierten zu haben“, betont Dr. Hans-Christian Vatteroth,

Gute Zusammenarbeit mit den Hausärzten

Dr. Vatteroth hob noch einmal die gute Zusammenarbeit und Kommunikation mit den niedergelassenen Ärzten und den hohen Standard hervor, den das Warsteiner Krankenhaus habe, betonte aber auch die große psychische Belastung für die Mitarbeiter durch die Erkrankungswelle. „ Man nimmt diese Sache nach Hause, in die Familie mit.“

Vor allem auch, da es noch nie eine so große Zahl von Erkrankten mit Legionellen deutschlandweit gegeben hat. „In dieser Art ist das noch nirgends beschrieben. In Ulm waren es damals unter 60 Erkrankte“, berichtet Chefarzt Thomas Schumacher.

Nicht jede Legionellen-Erkrankung nimmt den gleichen Verlauf. Das machte Dr. Martin Gotzes, Facharzt für Innere Medizin, deutlich. So kann Durchfall als Begleitsymptom auftreten; in dem Fall sei aber kein anderes Bakterium beteiligt. Wie ausgeprägt sich das Krankheitsbild zeigt, ist laut Gotzes abhängig vom Immunsystem des Patienten und der Höhe der Keimbelastung, die jemand abbekommen hat.

Gotzes: Kläranlage kein typischer Reservoir für Legionellen

So ist neben der Lungenentzündung auch eine Darmerkrankung möglich, wobei Gotzes sich zurückhaltend dahin gehend äußert, die Kläranlage in Warstein könnte die Quelle für Legionellen sein. „Eine Kläranlage ist kein typisches Reservoir“, grundsätzlich kämen diese Bakterien in Süßwasser vor.

 
 

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