Keine Entscheidung in Sachen Pöggeler

Pöggelerstraße.
Pöggelerstraße.
Foto: WP
Ein paar Tage mehr Zeit haben sich Rüthens Politiker in der Frage der Umbenennung der Pöggelerstraße verschafft. Ohne Empfehlung und ohne jegliche Aussprache reichte der Stadtentwicklungsausschuss das Thema an den Rat durch.

Rüthen.. Ein paar Tage mehr Zeit haben sich Rüthens Politiker in der Frage der Umbenennung der Pöggelerstraße verschafft. Ohne Empfehlung und ohne jegliche Aussprache reichte der Stadtentwicklungsausschuss das Thema an den Rat durch. Empfohlen hatte dies Vorsitzender Jürgen Steinmetz (CDU). Nur FDP-Vertreter Wolfgang Henze war dagegen, ohne allerdings seine Gründe darzulegen. Die Stadtvertretung befasst sich bei ihrer Sitzung am Montag mit der Anfang März von den Anliegern der Pöggelerstraße beantragten Umbenennung.

„Die Entscheidung ist ohnehin Sache des Rates; wir sollten daher auf eine Beschlussempfehlung verzichten“, meinte Steinmetz und verwies zudem auf die in den Fraktionen vorgenommenen Beratungen in der Sache. Fast schien es, als hätten Befürworter wie Gegner der Umbenennung so etwas geahnt, waren doch nur wenige Zuhörer zur Sitzung gekommen.

Spürbar bewegt

Zuvor hatte Heidi Risse das Wort. Umfangreich und spürbar von Emotionen bewegt hatte sie namens der Antragsteller dargelegt, was aus ihrer Sicht unabdingbar macht, Pöggeler die Ehrung durch eine Straßenbenennung zu entziehen. „Pöggeler war von 1933 bis ‘42 Bürgermeister; wie hat er das geschafft, so ganz einfach war das nicht“, verwies sie auf die Umstände in der NS-Zeit. „Ordnung herzustellen war seine oberste Lebensregel, auf die er nicht verzichten konnte“, zitierte Heidi Risse aus dem Buch, das Franz Pöggeler jun. über seinen Vater verfasst hatte. Und fügte auf Basis der Forschungen von Dr. Hans-Günther Bracht hinzu: „Er war so pflichtbewusst, dass er Leute angezeigt hat. Es besteht Grund genug zu sagen, dass er nicht unbedingt ein Vorbild war.“ Anders, als ein heimischer Landwirt, der sich schützend vor verfolgte Juden gestellt habe, sei für Pöggeler nichts Derartiges verbrieft oder belastbar überliefert. So lautet die Quintessenz der Ausführungen Heidi Risses, die ihren Angaben nach durchaus nach entlastendem Material für den Namensgeber „ihrer“ Straße gesucht hatte. „Ich habe keine Belege gefunden, dass er doch Widerstand geleistet hat.“

Nicht auf die Suche gemacht hat sich Heidi Risse weder nach den Namen von Opfern, die etwa unter Pöggelers Verantwortung als Bürgermeister des Amtes Rüthen in die Heilanstalt in Warstein, die zu seinem Verantwortungsbereich gehörte, eingeliefert und deportiert wurden, noch nach Namen von Tätern. „Es dient nicht unserem Anliegen, alte Wunden aufzureißen oder neue zu schaffen“, berichtete sie über die Beweggründe.

Ihr abschließender Appell an die Politiker: „Ich bitte Sie, ein Signal zu setzen, dass wir in Rüthen die Sache ernst nehmen. Wenn jemand so geholfen hat, die Dinge am Laufen zu halten, dürfen wir ihn nicht mit einer Straße ehren.“ Darin sah Heidi Risse auch „ein wichtiges Signal an die junge Generation“.

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