Kein Fall für die Schublade

Rüthen..  70 Seiten stark ist der Abschlussbericht der Regionalanalyse für Rüthen. Schon der schiere Umfang bietet sich für einen tiefergehenden Einstieg in die Materie an. Aber auch inhaltlich, so der Tenor im Stadtentwicklungsausschuss am Dienstagabend, sollen die Ergebnisse aufbereitet, die daraus resultierenden Handlungsfelder bestellt werden.

„Entscheidend ist, dass damit weitergearbeitet wird“, gab Florian Grünhäuser von der Akademie Junges Land Politik und Verwaltung mit auf den Weg. Der Referent für politische Bildung und nachhaltige ländliche Entwicklung der Akademie, die die Analyse gemeinsam mit der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn, vor einem Jahr vorgenommen hatte, präsentierte die Ergebnisse – und legte dabei auch Selbstbewusstsein an den Tag: „Es lässt sich gut damit arbeiten.“

322 Menschen nahezu aller Altersklassen waren in einer Woche im April 2015 von 16 Studenten und einem fünfköpfigen Begleitteam befragt worden. Der Schwerpunkt lag bei den bis 40-Jährigen, unter denen wiederum die 13- bis 20-Jährigen die stärkste Einzelgruppe bildeten, ging es doch darum die Sicht auf die Region Rüthen aus der Perspektive von Kindern und jungen Familien sowie von Jugendlichen herauszufinden. Ausgewählt worden waren Drewer, Kallenhardt und Oestereiden, weil sie als repräsentativ für die Gesamtstadt gesehen wurden.

Durchweg gut weg kamen Quantität und Qualität von Kinderbetreuung und schulischem Angebot. Gelobt wurden Familienfreundlichkeit und Vielfalt sozialer Kontaktmöglichkeiten. Weitaus kritischer sahen die befragten Jugendlichen – und hier besonders der weibliche Teil – ihre Region. Kritikpunkte waren Ausgehmöglichkeiten, die das Gros bestenfalls mit ausreichend bewertete, wobei die Note mit zunehmendem Alter der Befragten schlechter wird. Das Ausweichen in größere Städte erschwert aus Sicht der jungen Menschen eine unbefriedigende Situation bei den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Fehlende Perspektiven für Frauen

Die überwiegende Zahl der Mädchen und junge Frauen kann sich nicht vorstellen, in seiner Heimat zu bleiben, weil sie hier keine beruflichen (Karriere-)Perspektiven sieht. Hierdurch so Grünhäuser setze eine Negativentwicklung ein, die kritisch für eine Kommune sei: „Weniger Frauen bedeutet weniger Kinder, weniger Plätze zur Kinderbetreuung, weniger Schulen. Dadurch wird es schwerer junge Familien von auswärts anzuziehen.“

In gewisser Weise frohlocken können hingegen die Vereine. Für viele der Befragten sind sie gleichbedeutend mit der Dorfgemeinschaft an sich, was etwa für die Rolle der Kirchen kaum noch gilt. 50 Prozent der Jugendlichen gaben an, einem Verein anzugehören. Zum Vergleich: Bei der bundesweiten Shell-Studie 2010 waren es nur 25 Prozent. „Es ist eine ganz wichtige Aufgabe, die Vereine zu stützen und die Jugend an sie zu binden“, zog Oestereidens Ortsvorsteher Alfons Levenig (CDU) sein persönliches Zwischenfazit. Wasser in den Wein goss sein Fraktionskollege Markus Dahlhoff insofern, dass er an das Problem vieler Vereine erinnerte, Vorstandsposten zu besetzen. Seine Kernüberlegung: „Wie kann es gelingen, die Vereinsstrukturen so aufzubrechen, dass die Mitarbeit für Jugendliche attraktiver wird?“

Nun ist es an der Politik, Antworten zu finden. Anhaltspunkte dafür geben die von Grünhäuser vorgestellten Handlungsempfehlungen. Helfen kann demnach, vorhandene berufliche Perspektiven gerade für junge Frauen transparent zu machen und auch auf kulturelle Angebote hinzuweisen, bzw. diese besser zu koordinieren.

„Wir haben eine Menge gesehen, wie aber machen wir weiter?“, warf Johannes Erling (SPD) die Frage aller Fragen auf. Während er den Ausschuss als Forum dafür sah, Handlungsfelder festzulegen, warnte Grünhäuser vor einer zu großen Teilnehmerzahl. „In der Regel ist bei kleineren Runden etwas herumgekommen“, berichtete er aus seinen Erfahrungen mit anderen Regionalanalysen. Eine Lenkungsgruppe hielt er für unverzichtbar.

Fraktionen legen Schwerpunkte fest

Wohin eine solche was auch immer wie lenken könnte, darüber machen sich nun auf Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Jürgen Steinmetz (CDU) die Fraktionen Gedanken und suchen Handlungsfelder heraus. Im Ausschuss werden diese dann gewichtet. Darüber bestand Einigkeit: Während im Fall der oft bemängelten Mobilität von Jugendlichen eher die Politik gefordert ist, um ortsübergreifende Lösungen zu suchen, ist das Schaffen von Treffpunkten, die gerade die weiblichen Jugendlichen vermissen, auf Ortsebene gut aufgehoben.

 
 

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