Jutta Heinert: „Das Jugendamt kann nicht alles steuern“

Jutta Heinert verlässt das Jugendamt der Stadt Warstein.
Jutta Heinert verlässt das Jugendamt der Stadt Warstein.
Foto: WP
Jugendamtsleiterin Jutta Heinert verlässt Warstein nach fast acht Jahren – vorher zieht sie Bilanz: Über die Erfolge und Probleme ihrer Amtszeit.

Warstein..  Langsam fühlt es sich nach Abschied an. Am Donnerstag räumt Jutta Heinert endgültig ihren Schreibtisch im Warsteiner Rathaus. Nach siebeneinhalb Jahren wechselt die Jugendamtsleiterin als Geschäftsführerin zu einem Kindergartenverbund nach Hamm. Im Gespräch mit der WESTFALENPOST blickt sie auf ihre Zeit in Warstein zurück.

Die Krisenmanagerin

Jutta Heinerts Amtszeit in Warstein hätte wahrlich einfacher beginnen können. Als sie im Sommer 2008 die Leitung des Jugendamtes übernahm, wurde gerade über die Zusammenlegung der Kindertagesstätten in Suttrop diskutiert. „Ich wurde direkt mit einer großen Emotionalität konfrontiert“, erinnert sie sich. Eltern und Anwohner protestierten, die gebürtige Lippetalerin stand als Verantwortliche von Beginn an im Mittelpunkt. „Da habe ich gelernt, dass es legitim ist, wenn die Menschen traurig und wütend sind – und das auch zum Ausdruck bringen.“

Um sich für weitere Herausforderungen zu wappnen, setzte Heinert auf Netzwerke und Kooperationen. „Wir haben die Zusammenarbeit mit den anderen Jugendämtern im Kreis Soest deutlich ausgebaut“, erklärt sie. Auch die Mitarbeiter würden sich inzwischen regelmäßig austauschen, gute Beispiele von anderen übernehmen. „Wir verstehen uns heute als Kollegen.“

Die gute Zusammenarbeit mit freien Trägern der Jugendhilfe sollte sich zum Abschluss ihrer Amtszeit als nützlich erweisen. „Da haben wir noch mal Fahrt aufgenommen“, spricht Heinert die Aufnahme von 16 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen vor allem aus Syrien und Afghanistan an, die vom Jugendamt untergebracht und betreut werden müssen. „Dafür haben wir zum ersten Mal, seitdem ich hier bin, eine neue Jugendhilfe-Einrichtung geschaffen“, sagt sie, „und das in einer unglaublichen Geschwindigkeit.“ Das Sozialwerk Sauerland betreut das Wohnheim in der Warsteiner Innenstadt. „Das hat nur funktioniert durch die gute Zusammenarbeit, die wir über die Jahre gepflegt haben“, ist Heinert überzeugt. Die Integration der jungen Flüchtlinge wird nun zu den wichtigsten Aufgaben ihres Nachfolgers gehören.

Die Idealistin

„Kindern unabhängig vom familiären Hintergrund einen Weg in ein glückliches Leben ermöglichen“ – so fasst Jutta Heinert ihre Grundeinstellung zusammen. Mit und für Menschen zu arbeiten, motiviere sie seit ihrer Ausbildung zur Erzieherin vor rund 30 Jahren. So freut sie sich darüber, dass die Jugendtreffs in Warstein und Belecke in den vergangenen Jahren umziehen konnten. „Die Räumlichkeiten sind deutlich verbessert und das wird von den Kindern und Jugendlichen ja auch angenommen.“ Andererseits sagt sie deutlich: „Wir haben nach wie vor eine schlechte Infrastruktur für Jugendliche.“

Die Politikerin

Für verschiedene freie Träger hatte Jutta Heinert gearbeitet, bevor sie in Warstein erstmals eine Stelle in einer Verwaltung annahm. „Hier ist man viel stärker an gesetzliche Vorgaben gebunden und ein stückweit auch gefesselt vom politischen Rahmen“, sagt sie, „aber es hat mir auch Freude gemacht, politische Entscheidungen zu treffen.“

Oft ging es dabei mit Blick auf die finanzielle Situation der Stadt allerdings darum, Standards zurückzufahren, Einrichtungen zu schließen und mit weniger Mitteln auszukommen. „Dagegen ist Ausweitung und kreative Weiterentwicklung natürlich schöner“, sagt sie.

Die Kommunikatorin

An der Spitze eines kleinen Jugendamtes sei sie Generalistin gewesen, beschreibt Jutta Heinert ihren Aufgabenbereich. Es seien die gleichen Aufgaben zu bearbeiten wie in größerem Ämtern, aber verteilt auf weniger Personal. „Da war ich für die höhere Management-Ebene zuständig, aber musste gleichzeitig auch immer nah am Bürger sein.“

Im Fall der kleinen Olivia, die von ihrem leiblichen Vater nach Polen gebracht wurde, hätte sie den Bürgern gerne noch mehr erklärt. „Wir waren da an die Schweigepflicht gebunden und konnten deswegen nicht alles vermitteln.“ Im Rückblick hält sie das damalige Vorgehen des Jugendamtes aber für angemessen. „Ich habe mich in der Frage viel hinterfragt, aber wir konnten nicht mehr erreichen“, sagt sie aus heutiger Sicht, „der Fall beweist, dass Jugendämter eben nicht alles steuern können.“

Die Getriebene

Von der Ausbildung bis zur Rente beim selben Arbeitgeber – für Jutta Heinert unvorstellbar. „Ich habe nach acht bis zehn Jahren immer einen weiteren Schritt getan.“ Nachdem sie zuletzt nebenberuflich ein weiteres Studium abgeschlossen hat, entschied sie sich, ein weiteres Mal den Schreibtisch zu wechseln. „Als ausgebildete Sozialpädagogin sind die Möglichkeiten, mich hier in der Stadtverwaltung weiterzuentwickeln begrenzt“, entschied sie sich dazu, die pädagogische Geschäftsführung eines Kindergartenverbunds mit 36 Einrichtungen und 460 Mitarbeitern zu übernehmen.

Daher kommt beim Abschied aus Warstein nur ein wenig Wehmut auf: „Das ist schon noch einmal eine Herausforderung.“

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