Jugendliche in Soest Spitzenreiter mit Alkoholvergiftungen

Erschreckend: Selbst Zehnjährige sind im Kreis Soest schon mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Erschreckend: Selbst Zehnjährige sind im Kreis Soest schon mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Foto: dpa
Es sind erschreckende Zahlen: 103 junge Männer mussten im Kreis Soest im Jahr 2012 wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden. Sie waren zwischen zehn und 20 Jahre alt. Der Kreis Soest ist damit Spitzenreiter in der Gruppe aufgrund akuter Alkoholvergiftung behandelter Jugendlicher.

Warstein/Kreis Soest. Alarmierende Entwicklung im Kreis Soest: 103 junge Männer zwischen zehn und zwanzig Jahren mussten hier im Jahr 2012 wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden. Damit ist der Kreis Soest die Ge gend in Nordrhein-Westfalen, in der 2012 der Anteil der aufgrund einer akuten Alkoholvergiftung behandelten Heranwachsenden am höchsten war.

Woran liegt das? „Wieso es gerade hier bei uns so verbreitet ist, kann ich mir auch nicht erklären“, sagt Dr. Rüdiger Holzbach, Leiter der Abteilung Suchtmedizin der heimischen LWL-Klinken. Der Chefarzt findet die Zahlen alarmierend: „Gerade bei zehnjährigen muss man sich fragen: Wie kommen die an Alkohol? Das ist normalerweise nichts, was ein zehnjähriger mal eben so im Supermarkt bekommt.“ Hier seien die Eltern gefragt, rechtzeitig zu sensibilisieren.

„Aber im Grunde sind war da einem Punkt, wo Jugendliche viel aufgeklärter als noch vor ein paar Jahren sind“, meint Holzbach, „da ist in den vergangenen Jahren sehr viel passiert; beispielsweise dadurch, dass auf Alcopops eine Sondersteuer erhoben wurde.“

Der Suchtmediziner sieht einen Grund für die trotzdem steigenden Zahlen beim Alkoholkonsum in dem gesellschaftlichen Wandel: „ Unsere Gesellschaft wird mehr und mehr zu einer Ego-Gesellschaft. Während es früher so war, dass Jugendliche den ersten Alkohol quasi unter Aufsicht bei ihren Eltern getrunken haben, mal probiert haben; ist es heute die Regel, dass Jugendliche sich treffen und dann nicht nur ‘mal eben’ einen Schluck nehmen, sondern gleich die ganze Flasche leeren.“ Die Bereitschaft, aufeinander aufzupassen lasse mehr und mehr nach.