„Im Altenpfleger-Mangel liegt für Flüchtlinge eine Chance“

Manfred Gödde und Stefanie Krüger (Leiterin des Sozialen Dienstes, Mitte), zeigen Walid Alkrayem (links) das DRK-Seniorenheim
Manfred Gödde und Stefanie Krüger (Leiterin des Sozialen Dienstes, Mitte), zeigen Walid Alkrayem (links) das DRK-Seniorenheim
Foto: WP
Das DRK-Seniorenzentrum Henri Dunant möchte Flüchtlingen die Chance geben, den Beruf des Altenpflegers kennen zu lernen.

Warstein.. Eigentlich waren alle informiert: Über Aushänge und mithilfe eines Dolmetschers hatte Altbürgermeister Manfred Gödde die jungen Männer in der Flüchtlingsunterkunft Gutenbergschule eingeladen, sich über den Beruf des Altenpflegers zu informieren. So war es doch etwas enttäuschend, dass mit Walid Alkrayem nur einer von ihnen die Gelegenheit nutzte und gemeinsam mit Gödde das DRK-Seniorenzentrum „Henri Dunant“ besichtigte.

„Das ist wirklich schade“, bedauerte Gödde die geringe Resonanz, zumal Stefanie Krüger als Leiterin des Sozialen Dienstes eine informative Führung durch das Haus vorbereitet hatte. „Dann müssen Sie halt den anderen berichten, wie die Arbeit hier aussieht“, gab Manfred Gödde dem aus Syrien stammenden Walid Alkrayem mit auf den Weg. Für Alkrayem ist der Beruf des Altenpflegers völliges Neuland. In seinem Heimatland Syrien leben die älteren Menschen in der Regel bis zu ihrem Tod in der Familie.

Dass in seiner neuen Heimat Deutschland dringend Altenpfleger gebraucht werden, kann für Walid Alkrayem eine echte Chance bedeuten, meint Stefanie Krüger vom DRK-Zentrum: „Vom Grundsatz her ist das kein Problem, wenn Flüchtlinge bei uns ein Praktikum machen möchten, um herauszufinden, ob der Beruf des Altenpflegers etwas für sie ist. Natürlich schauen wir auch auf die Vorkenntnisse, aber auch ein Bauarbeiter kann vom Charakter her der Mensch sein, dem dieser Beruf liegt.“

Defizite respektieren

Die Sprache sei natürlich auf Dauer unerlässlich, doch gerade im Altenheim habe sie die Erfahrung gemacht, dass es oft die nonverbale Kommunikation sei, auf die es ankomme, so Krüger. „Gerade demente Menschen brauchen nicht unbedingt die direkte Kommunikation; hier kommen Kontakte oft auch auf andere Weise zustande.“ Stefanie Krüger kennt das Gefühl, in einem fremden Land und einem neuen Arbeitsumfeld zu arbeiten: Die Leiterin des Sozialen Dienstes lebte mehrere Jahre in den USA und arbeitete dort in einem Alzheimer-Zentrum. „Am wichtigsten ist es, die Krankheiten und Defizite der Menschen, mit denen ich umgehe, zu respektieren – egal welche Sprache sie sprechen.“ Gemeinsam mit Manfred Gödde hofft sie nun, dass weitere Flüchtlinge dem Beispiel von Walid Alkrayem folgen und die Chance nutzen, ein Praktikum im Seniorenzentrum zu absolvieren.

 
 

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